Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

1. Weindegustation im Hotel Le Grand Chalet

«Champagner», Freitag, 4. Oktober 2002, im Restaurant «La Bagatelle»

Die schon traditionelle Herbst-Weindegustation der Weinfreunde widmete sich diesmal einem König oder vielleicht besser einer Königin: dem «Champagner». Die meisten Liebhaber dieses Schaumweins kennen ihn «brut», also trocken und geniessen ihn fast immer zum Auftakt eines Festes oder Festessens. Champagner ist natürlich ein hervorragender Begleiter zu fast allen Speisen und es gibt ihn in vielen Variationen wie «sec», «demi-sec», «brut», «rosé», «blancs de blancs» oder Kennen Sie «ultra brut»? Wir hatten die Gelegenheit, das «Königliche» in vielen Variationen und in Verbindung eines Menus mit Produkten aus dem Meer zu geniessen. Alle 14 Teilnehmer hatten einen interessanten, genuss- und lehrreichen Abend. Der Wein, der in den nördlichsten Weinbergen Frankreichs wächst, ist der Champagner. Die Art und Weise, ihn so zu bereiten, dass er schäumt, nennt man das Champagner- Verfahren oder das traditionelle Verfahren (wie es auf Betreiben Brüssels jetzt heissen muss) und das lässt sich auf jeden beliebigen Wein anwenden. Schaumweinhersteller in anderen Gegenden versuchen uns davon zu überzeugen, dass es nur auf das Verfahren ankäme. Worauf es aber wirklich ankommt, ist der Wein. Der Champagner gehörte zu den besten Weinen Frankreichs schon lange bevor das Verfahren erfunden wurde. Die Unterschiede zwischen dem besten und einfach nur guten Champagner (schlechter ist kaum zu finden) beruhen fast ganz auf der Wahl und der Behandlung der Trauben, auf der Traubensorte, dem Reifegrad, der Verarbeitung und dem Boden, auf dem die Trauben wachsen. Das Verfahren entsprang vor 200 Jahren dem genialen Einfall eines Benediktinermönches Dom Pérignon aus Hautvilliers. Er kam offenbar als Erster auf die Idee, einen Wein zu «bauen», indem er verschiedene Traubenqualitäten aus unterschiedlichen Rebsorten und Lagen so mischte, dass daraus etwas entstand, was grossartiger, feiner, befriedigender war als die Bestandteile für sich allein. Diese Mischung, die «Cuvée», ist traditionell das Geheimnis jedes einzelnen Kellermeisters, obschon in den 90er Jahren – unter dem wachsenden Druck der Wissbegier des Verbrauchers – die Kellermeister von Reims und Epernay im Hinblick auf die genaue Zusammensetzung der Champagner-Mischungen doch öfters den Weinhandel und die Fachpresse dazu eingeladen haben, den Prozess der «assemblage» unmittelbar zu beobachten. Nicht Dom Perignon, sondern seine Zeitgenossen entdeckten, wie man den Wein durch eine zweite Gärung in einer fest verkorkten Flasche zum Schäumen bringen kann – ein Verfahren mit so vielen Risiken, dass es nochmals 100 Jahre dauerte, bis es ganz gemeistert wurde.

 

Franz Rosskogler beim Dekantieren
 

In der heimeligen Atmosphäre des Restaurants «La Bagatelle» erlebten sämtliche Teilnehmer einen sehr harmonischen, abgerundeten Abend (um in der Weinsprache zu sprechen). Das ausgezeichnete Menu, durch die Küchenequipe des Hotels «Le Grand Chalet» mit sehr viel Ausdauer und Liebe zubereitet, wurde eigens zu den einzelnen mit dem Essen degustierten Champagner zusammengestellt, was natürlich nur wie in einem Traum enden konnte. So macht degustieren einfach viel Freude. Wiederum führte Franz Rosskogler mit seiner grossen Fachkenntnis durch den ganzen Abend. Er liess es sich auch nicht nehmen, den speziellen «Sabré»-Champagner mit seinem Schwert zu dekantieren. Er ist Mitglied der entsprechenden «Confrérie». Es kam, wie es laut Aussagen des Betroffenen bis heute kaum einmal bei ihm vorgekommen ist, der erste Versuch ging komplett daneben und der edle Traubensaft endete leider auf dem Boden. Das zweite Mal klappte die Vorstellung jedoch wie üblich, was grossen Beifall erntete und zusätzlich zum sehr guten Gelingen des Abends beisteuerte.
Degustation «Champagner»: Champagner brut elegant, leicht gefällig, solide, vorzüglich, frisch, blumig, Geschmack von Zitrusfrüchten, seidiges Gefüge, exotischer Duft, stilvoll, vollmundig, abgerundet, schön, geschmeidig

zurück  

© 2003 Hans Liechti