Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

2. Weindegustation im Hotel Le Grand Chalet

«Heller Estate, Kalifornien», Samstag, 11. Januar 2003, Restaurant «Le Grand Cru»

Kalifornien ist das Land der Sonne, Berge und des Ozeans. Symbol für Freiheit und Jugend. Sonne und Brise, Jugendlichkeit und Kreativität, vereint in den Trauben dieses wunderbaren Landes. Genau 24 Weinfreunde hatten das Vergnügen, die grossen Gewächse des «Heller Estate» (vormals Durney Vineyard) in Kalifornien zu degustieren. Herr Heller war mit seiner charmanten Gattin an diesem Abend persönlich anwesend und kommentierte diese herrlichen Weine auf eindrückliche Art und Weise. Sein Weingut in Carmel Valley, Kalifornien, USA, wurde 1968 gepflanzt und die ersten Weine konnten im Jahre 1976 produziert werden. Alle Weine sind auf biologischer Basis zubereitet, was der Besitzer wie folgt in seinem Kommentar darlegte: «Kellner, in meinem Wein ist eine Wespe». Zwar schwimmen in den erstklassigen Weinen des Weinguts keine Wespen, anstatt jedoch Chemikalien zu spritzen, lässt man hier tatsächlich Raubwespen im Weingut frei, um unerwünschte Insekten fernzuhalten. Diese winzigen Wespen (nicht die menschenstechende Wespenart) greifen z.B. die Eier der Kleinzikaden an, die so schädlich für Trauben sind. Um diesen natürlichen Schädlingsfeinden einen Nistplatz zu bieten, wurden rund um das Gut französische Pflaumenbäume angepflanzt, in denen sich diese Wespenart besonders wohl fühlt. Auch Raubmilben werden im Weingut freigesetzt, um andere, für die Reben schädliche Milben zu vernichten. Dies ist der erste Akt des Schauspiels vom ökologischen Anbau – unter der Leitung von Heller Estate/Durney Vineyards. Um eine offizielle Zertifizierung für biologisch angebaute Trauben zu erhalten, muss das Weingut sich an strenge ökologische Anbaumethoden halten wie z.B.: Schädlingsbekämpfung, wie oben erwähnt, ohne Verwendung von Pestiziden und ohne nicht zugelassene Chemikalien zur Insektenbekämpfung. Zur Bodenbearbeitung werden keine Herbizide verwendet und die gewünschten Ergebnisse werden durch Verwendung der organischen Rückstände nach dem Maischen und Pressen der Trauben erzielt, die dann zwischen den Rebstockreihen ausgebreitet werden, um den Feststoffgehalt des Bodens aufzubauen. Unkrautkontrolle wird durch Anpflanzen von Deckfrüchten gewährleistet, die ebenfalls ein gutes Habitat für andere, nützliche Insekten wie z.B. Weinspinnen bilden. Auch wenn das Umsetzen dieser Methoden kostspielig und arbeitsintensiv ist, die Philosophie des Weingutes lautet, dass diese Methoden nicht nur Vorteile für das ökologische Gleichgewicht und die Umwelt, sondern auch für die Gesundheit des Weintrinkers mit sich bringen, vor allem in Bezug auf Bedenken in Zusammenhang mit Pestizidrückständen in Weinen. Kurz gesagt, produziert dieses Weingut chemikalienfreie Trauben ohne Pestizide oder Herbizide. Man ist der Überzeugung, dass man hier langfristig noch hochwertigere Trauben und noch gesündere Rebstöcke mit längerer Lebensdauer erzeugen wird – zweifellos eine gute, zusätzliche Investition. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mitteilen, dass unser Vorstandsmitglied, Martin Riedi, Hotel Spitzhorn, 3792 Saanen (Tel. 033 748 41 41), für seine Vinotheca Martino die Alleinvertretung der Heller Weine für die Schweiz erhalten hat. Ab sofort können sie eine entsprechende Bestellung bei ihm problemlos aufgeben. Herzliche Gratulation im Namen der Weinfreunde. Die Degustation der kalifornischen Weine von Heller Estate fand im Restaurant «Le Grand Cru», unserem speziell für solche Anlässe eingerichteten «Club-Raum» statt. Die Weine wurden zusammen mit dem Essen degustiert, wie im Hotel «Le Grand Chalet» üblich. Alles, inklusive Menu, war wie nicht anders zu erwarten, perfekt. Genau so lassen wir uns einfach gerne verwöhnen. HL

Degustation «Kalifornien, Heller Estate, Carmel Valley, Beschreibung der degustierten Weine:
Chenin blanc, 1998, populäre Weissweintraube, hoher Ertrag, sauberer, anpassungsfähiger Geschmack, angenehm, lieblich, jedoch trocken, reif, tief und sehr eindrucksvoll, bestens geeignet zum Aperitif, vorwiegend als Verschnittsorte verwendet, dieser jedoch sortenrein
Chardonnay, 1998, erfolgreichste Weintraube Kaliforniens, grossartiger Wein in Burgunder Tradition, nicht sehr aufdringlich, nicht überintensiv, im Eichenfass vergoren, excellenter, reichhaltiger, trockener Weisswein, fein, vital, sehr komplex, voll würzig, nachhaltig
Cabernet Sauvignon, 1996, bester Rotein Kaliforniens, fruchtig, duftig, gerbstoffreich, körperreich, Reifezeit in Eichenholzfässern, 4 Jahre Ausbau in der Flasche, eindrucksvoll, feiner Standard Cabernet-Sauvignon, dunkel, sehr robust, reiner Cabernet-Sauvignon
Merlot, 1999, 90 % Merlot, 10 % Cabernet-Sauvignon, fast sortenrein, Erfolgsschlager, sehr mild bereitet, duftig, schmeckt nach Pflaumen, sehr weicher Wein, Efeugeschmack, dunkel, fruchtig, im Abgang eine herbbittere Note, bewährt sich zusehends eigenständig
Pinot noir, 1998, beständig guter Erfolg, hat grosse Bedeutung für die Schaumweinherstellung, leichter Wein, vielversprechend, Traube gedeiht weniger gut als im Burgund, sehr fein, gehaltvoll, dauerhaft, noch etwas jung, einer der bestens Pinot noir in Amerika
Johannisberg-Riesling, 1994, auch weisser Riesling, in Amerika nicht mehr sehr gefragt, Trockenbeerenauslese wie in Deutschland, brillante Ausgewogenheit, lieblich, blumig, subtile, ölige Geschmacks- und Duftnuancen, ausgesprochene Rarität, feine Honigsüsse
Heller Estate Port, für süssen Dessertwein aus der Alten Welt übernommener Begriff, selten ähnlich wie das portugiesische Original, weist aber durchaus eigene Qualitäten auf, klassisch gespriteter Wein, voll und körperreich, reichhaltig, anständig, relativ leicht, saftig.

 
 

Der festlich gedeckte Tisch im Restaurant Bagatelle.

   
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© 2003 Hans Liechti