Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Grands Vins Suisses

«Grands Vins Suisses»-Diner mit den besten Schweizer Winzern aus dem Wallis, Waadt und Graubünden im Hotel Le Grand Chalet, Restaurant La Bagatelle, Gstaad, am Mittwoch, 16. Juli 2003.

Im Rahmen der Davidoff-Genusswoche Gstaad vom 13. bis 20. Juli 2003 durften auch die Weinfreunde Gstaad-Saanenland offiziell mitmachen. Sämtliche Mitglieder wurden persönlich zu diesem speziellen Anlass eingeladen. Sehr selten trifft man Schweizer Weine ausserhalb der heimatlichen Landesgrenzen an, sodass man leicht auf den Gedanken kommen kann, sie seien eventuell mit internationalen Massstäben nicht zu messen und lediglich Spezialitäten in einer in sich geschlossenen Kultur. Das wäre freilich ein Irrtum. Viele Schweizer sind grosse Weinkenner und -liebhaber. Aus Konkurrenzgründen vor allem mit ausländischen Weinen müssen die Winzer in der Schweiz ständig auf hohe Qualität achten. Vor 150 Jahren lag in der Schweiz der Schwerpunkt der Weinproduktion beim Rotwein. Der beste kam damals aus Graubünden. Die besten Weissweine wachsen dagegen seit jeher am Nordufer des Genfersees zwischen Lausanne und Montreux im Kanton Waadt, wo auf steilen Südhängen die Chasselas-Traube herrlich ausreift. Weiter die Rhône aufwärts, in den Alpentälern des Wallis, war die Weinbautradition weitgehend auf Nebenerwerb abgestellt. Die Weinberge waren mit Lokalrebsorten besetzt, die sich im trockenen und sonnigen, alpinen Klima durch Süsse und Kraft bewährt hatten. Das italienischsprachige Tessin, wo Jahrhunderte lang autochone Rebsorten angepflanzt wurden (Americano/Bondola), erprobte zu Beginn des 20. Jahrhunderts den Import der Bordeaux-Sorte Merlot, einer Edeltraube, auf welcher der Anbau seit 1945 umgestellt wurde. Obwohl seit 100 Jahren die Rebfläche der Schweiz insgesamt stark zurückgegangen ist, haben bestimmte Gegenden, so die deutschsprachige Schweiz, das Wallis, das Waadtland und vor allem der Kanton Genf, noch zugelegt. Auch sind wieder Rotweinsorten im Vormarsch. Allerdings bleibt die Schweiz mit nur 0,20% der Welterzeugung ein kleiner Fisch im grossen Weinmeer. Die Grenzen der drei Weinbaugebiete der Schweiz sind weitgehend identisch mit jenen der Landessprachen und damit auch jenen der Kulturräume Frankreichs, Deutschlands und Italiens mit ihren jeweiligen eigenen Ess- und Trinksitten. Von daher rührt auch das unterschiedliche Weinverständnis, das neben Boden und Klima die kleine Welt des Schweizer Weins so abwechslungsreich und reizvoll macht. Franz Rosskogler und den Organisatoren von «Saveurs», der Gstaader Genusswoche ist es gelungen, einige der besten Winzer der Schweiz zu einer Degustation inklusive Diner nach Gstaad ins Hotel Le Grand Chalet einzuladen. Mit dabei waren so renommierte Namen wie Frêres Hutin, Dardagny, Raymond Paccot, Féchy, Philippe Gex, Yvorne, Marie Thèrese Chappaz, Fully, Daniel Gantenbein, Fläsch und Urs Hecht, Gunzwil. Ab 1800 konnte jedermann selbständig die ausgestellten Weine der obenerwähnten Weinbauern verkosten. Pro Stand, d.h. pro Winzer konnte man im Durchschnitt so ca. drei Weissweine und drei Rotweine degustieren. Dazu erhielt man je nach Wunsch des Weinfreundes die entsprechenden Informationen über den Wein und seine Zubereitung, direkt vom anwesenden Weinbauern oder seiner Ehefrau. Das Diner, wo zu jedem Gang nochmals zwei der absolut hervorragenden Weine eines jeden einzelnen Winzers serviert wurden, waren über 80 Personen anwesend. Hiermit sei dem Team vom Hotel «Le Grand Chalet» in Gstaad für ihren grossartigen Einsatz herzlich «Danke schön» gesagt. Der Service klappte hervorragend und natürlich war das Essen von ausgezeichneter Qualität, genauso, wie wir es von der Küche des Hotels gewohnt sind. Die Speisenfolge sowie die Weine wurden ganz genau aufeinander abgestimmt und alle Anwesenden bekamen nur das Feinste vom Feinsten vorgesetzt. Kein Teilnehmer wird diesen Abend je vergessen. Er endete am Schluss mit einem Kaffee Lavazza und einer Davidoff-Zigarre sowie einer Degustation der phantastischen Destillate von Urs Hecht, Gunzwil.

 
Beschreibung der degustierten Weine
Yvorne Domaine de la Pierre Latine, 2001, Philippe Gex, Chasselas, helles Gelb, fruchtige und blumige Düfte, samtig, schwer, reichhaltig, elegant, langer Abgang
Chardonnay, La Colombe, 2001, Philippe Paccot, Féchy, Chardonnay, strohgelb, gute Struktur, sehr körperreich, langer Abgang, entwickelt sich im Glas, lagerfähig
Paien-Gentil blanc, 2001, Didier Joris, Chamoson, Heida (Savagnin blanc), rustikal, dunkelgelb, würzig (Koriander), riecht nach Blumenwiese, guter Körper, starke Säure
Pinot blanc, 2002, Frères Hutin, Dardagny, Weissburgunder, milder Charakter, leicht, frisch, fruchtig, erstaunlich aromatisch, jung am besten, sehr trockener Wein
Sauvignon blanc en barriques, 2000, Frères Hutin, Dardagny, helles Gelb mit grünen Reflexen, dezente Frucht, Stachelbeeraroma, leicht, aromatisch, elegant
Mont-sur-Rolle Pinot gris, La Colombe, Réserve 2001, Raymont Paccot, Féchy, typisches Goldgelb, gute Struktur, sehr körperreich, langer Abgang, lagerfähig
Rouge de Rouge, élevé en barriques, 2001, Philippe Gex, Yvorne, Assemblage Gamaret, Diolinoir, Merlot und Pinot Noir, tiefes Rubinrot, viele Gerbstoffe, noch jung
Pinot Noir, Méthusalem (6 l), Martha + Daniel Gantenbein, Fläsch, tiefes Rubin, schöne Frucht im Gaumen, kräftig, feines Tannin, elegant, harmonisch, langer Abgang
Syrah, 2000, Didier Joris, Chamoson, purpurrote Farbe, herber und pfeffriger Wein, wird sich noch weiter entwickeln, Geschmack von Cassis, Gewürznelkenaroma
Fläscher Weissburgunder, Spätlese, 2001, Martha + Daniel Gantenbein, Pinot blanc, aus vollreifen Trauben, leicht, frisch, fruchtig, milder Charakter, gehaltvoll, feine Honigsüsse
Grain d’Or, Ermitage, 2001, M. Th. Chappaz, Fully, Ermitage blanc (auch Marsanne), milder, voller Wein, kann sehr schön altern, körperreich, flüchtiger Rauchgeschmack
Grain noble, Marsanne blanche, 1999, M. Th. Chappaz, Fully, goldgelb, fruchtig, Himbeergeschmack, im Gaumen harmonisch, trocken, weich, samtig, schöner Abgang
   
 
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© 2003 Hans Liechti