Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Weine aus dem Piemont im Hotel Spitzhorn, Saanen

Die knapp über 500 m hohen Langhe-Hügel südlich von Alba am Tanaro weisen geschützte Anlagen, sonnenerwärmten Boden und genügend Feuchtigkeit auf, sodass hier die Nebbiolo-Traube im Barbaresco zur Vollkommenheit gelangt. Barbera steht der Menge nach an erster Stelle, aber diese Traube hat ebenfalls Überzeugungskraft. Ihr Wein kann schwerfällig und ungefüge sein, guter Barbera hat aber pflaumige Weichheit und den Mund zusammenziehende Herbheit in ganz genau dem rechten Mass. Die Dolcetto-Traube ist da ganz anders. Keine andere Rotweintraube bringt es fertig, den Eindruck von Weichheit und Milde zu vermitteln und zugleich erstaunlich trocken zu sein.
Dolcetto eignet sich nicht für lange Lagerung. Der Arneis ist eine Piemonteser Weissweintraube, welche zurzeit wiederbelebt wird. Ein trockener Tafelwein aus den Roeri-Hügeln nördlich von Alba. Endlich ein guter Weisswein aus dem Land des Barolo. Die Wiederentdeckung einer alten Rebe, die duftige, leichte Gewächse liefert. Wer eine quasi schrankenlose Untersuchung über die verschiedenen Arten von Traubenmosten und ihre Verwendungsmöglichkeiten anstellen möchte, der wäre nirgendwo sonst in Europa so reich mit Material versehen wie im Piemont. Der Wermut aus Turin soll als Zeuge dafür aufgerufen werden, wie sehr ein gutes Gebräu der landschaftlichen Tradition entsprechen kann. An Zutaten liefern die Hügel des Piemont ein derart reichhaltiges Sortiment an einheimischen Trauben, dass für die international akzeptierten Sorten kein Raum ist. Jede der lokalen Trauben hat ihren eigenen Charakter, und sie alle werden unverschnitten zu Wein verarbeitet, oft in mehreren Arten, aber sie alle werden auch miteinander vermischt, und zwar auf eine traditionelle Art oder auf eine experimentelle Art und sogar auf eine exzentrische. Die sortenreinen Varianten sind oft durch eine DOC oder DOCG (di Origine controllata e garantita) abgesegnet, die Gemische nicht – aber das besagt nichts über die jeweiligen Qualitäten.
Zum ersten Mal seit einigen Jahren fand unser Italien-Abend im Hotel Spitzhorn in Saanen statt. Ganz traditionell trafen wir uns im Keller des Hauses, wo uns bereits einige ausgezeichnete Happen der Kochkunst Martin Riedis serviert wurden und dies zu einem Apéro mit einem Wein aus der Rebsorte Arneis, passend zu den kleinen italienischen Gerichten. Was natürlich immer wieder geschätzt wird, ist die Anwesenheit eines Winzers. Dieses Mal konnten wir Herrn Aldo Pola von Fontanabianca in Neve/Piemont dazu gewinnen, einige Stunden mit uns zu verbringen und uns natürlich seine Weine etwas näher zu bringen und zu erläutern. Als Übersetzer figurierte der Gastgeber, Martin Riedi.
Die über 30 anwesenden Mitglieder und Gäste durften an diesem Abend insgesamt sieben verschiedene Weine aus seinem Betrieb degustieren. Auf seine bescheidene, aber umso kompetentere Art und Weise gab er uns einen grossen Einblick in seine Arbeit im Rebberg und im Keller und vermittelte uns viele fachtechnische Feinheiten. Zu den 5 Gängen wurde immer je ein Wein serviert. Die Küche von Martin Riedi, respektive vom Hotel Spitzhorn, kann sich wirklich sehen lassen. Sie ist auf italienische Köstlichkeiten spezialisiert. Martin Riedi, seine Frau und alle Mitarbeiter haben uns wie üblich sehr verwöhnt. Hiermit möchten wir allen Beteiligten, inklusive Herrn Aldo Pola, für ihren Einsatz an dieser Degustation ganz herzlich «danke schön» sagen. Es war wiederum ein sehr gemütlicher Abend. hl

Beschreibung der degustierten Weine:
Arneis delle Langhe, 2002, Fontanabianca, Neive, Piemonteser Sorte, wird zurzeit wiederbelebt, endlich ein guter Weisswein aus dem Lande des Barolo, duftiges, leichtes Gewächs, sehr süffig, spritzig, muss jung getrunken werden, Preis Franken 14.50.
Dolcetto d’Alba, 2001, Fontanabianca, Neive, die am frühesten reifende Traube im Piemont, sehr ansprechender Alltagswein, trocken, jung zu trinken, frisch, tief purpurrot, süffiger, milder Rotwein, heute etwas ein Modewein, noch preisgünstig, Franken 14.50.
Barbera Brunet, Barrique, 2001, Fontanabianca, Neive, süffiger, herber, duftiger Rotwein, dunkle Traube, leicht spritzig, nach Sangiovese die häufigste Rebensorte in Italien, schon jung sehr gut, lange Zeit haltbar, Spezialität des Piemont, Franken 24.50.
Barbaresco, 1999, Fontanabianca, Neive, Nachbar von Barolo, grossartiger Nebbiolo-Wein, tief, sauber, subtil und fein, edle Frucht, volles Bukett, sehr viel Gerbstoff, braucht jahrelange Reifezeit, schon etwas lieblich, seidig, eindrücklich, Preis Franken 29.50.
Barbaresco, 2000, Fontanabianca, Neive, siehe auch oben, ist noch etwas zu jung zum sofort trinken, hat sehr viel Kraft und Tiefe, exzellenter Jahrgang, hat noch viel Zeit zum Reifen, viel Tannin, ausgezeichneter Nebbiolo-Wein, Preis Franken 29.50.
Solara, Albana di Romagna passita, 2000, Mauro Sirri, Azienda Celli, Bertinoro, Romagna, Traubensorte Albana, süsser Weisswein, kann lange lagern, helles Goldgelb, mit Vanillegeschmack, süss, aber ausgewogen, leicht tanninhaltig, Franken 21.–.
Grappa di Serafino Levi, alkoholstarker, manchmal einzigartiger Tresterbranntwein, die besten stammen aus dem Piemont, traditionelle Hausbrennerei, es ist kaum möglich, einen solchen Grappa zu kaufen, trocken, vollmundig, kräftig, Name Levi ist weltberühmt.

   
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© 2003 Hans Liechti