Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Weindegustation:
Weine aus der Schweiz «Mein Weinkeller» im Hotel Bernerhof, Gstaad

Erlebnisse, Eindrücke und Empfehlungen bereichern den Wissensstand des Menschen in Form von Erfahrung. Die Pflege eines Weinkellers gehört zweifellos zu den Steckenpferden, die kulturellen Rang beanspruchen. Kein anderes Genussmittel der Welt – in einjährigem, arbeitsreichem Zyklus aus der Rebe gewonnen – kann auf eine vielfältigere, historisch belegte Tradition zurückgreifen wie der Wein. Seit jeher ist er freundlicher Begleiter in den Höhenflügen wie in den Wellentälern des Lebens und sein Dasein und Wirken fand sicht- und hörbaren Ausdruck in Poesie, Melodie und Allegorie. Eines wollen wir immer beachten: Weingenuss ist nicht nur bacchantisches Treiben. So wie er die Lebenslust durchbrechen lässt, so ruft er auch nach Disziplin. Und das eine wie das andere will gelernt und geschult sein, so wie Wissen und Erfahrung über ein Gewächs erarbeitet sein wollen. Hier ist der Hintergrund für echte Weinkennerschaft zu suchen und das Motiv, das zur Führung eines Weinkellers veranlasst. Ein guter Keller ist das feinste Instrument gesellschaftlicher Kultur. Er legitimiert seinen Besitzer als einen Mann, der die illustren Genüsse des Lebens kennt und abzu-stufen weiss, und als einen Hausherrn, welcher zu jeder Stunde in der Lage ist, seine Gäste auf eine distinguierte Weise zu beleben, zu erfreuen oder gar auszuzeichnen. Wir hatten die Gelegenheit, diverse Schweizer Weine aus folgender Herkunft zu degustieren: Waadtland/Féchy, Chablais, St. Saphorin, Yvorne, Wallis/Salgesch, Sion, Genf/Collonge-Bellerive, Ostschweiz/Hallau, Stein a/Rhein und dem Tessin/Tenero.Als Referent hat sich unser Präsident Hans Liechti zur Verfügung gestellt. All die verkosteten Weine stammen aus seinem eigenen Weinkeller, welchen er in den letzten Jahren persönlich zusammengestellt hat. Natürlich besitzt er auch Weine aus anderen Ländern wie z.B. Frankreich mit Bordeaux und Burgunder oder Deutschland mit einem Riesling, Italien, Kalifornien, Australien oder sogar Chile sowie natürlich auch Spanien und Portugal oder Ungarn. Alle diese Weine gehören ja auch in einen einigermassen komplett zusammengestellten Weinkeller. Wir werden in den nächsten Jahren von Zeit zu Zeit eine Degustation der restlichen «Trouvaillen» dieses Weinkellers geniessen dürfen, dies je nach Programm unserer Sektion Gstaad-Saanenland. Diesmal hat uns das Hotel Bernerhof in Gstaad unter der Leitung von Thomas Frey und seinem Team Gastfreundschaft gewährt. Alles ist genauso, wie wir es uns vorgestellt haben. Interessant, dass die von unseren Mitgliedern ausgewählten, besten Weine des Abends die beiden Pinot Noirs, Grand Cru de Salgesch und der Blauburgunder aus Hallau waren. Der als Vergleich daneben degustierte Chevrey-Chambertin von Denis Mortet (qualitativ einer der besten Burgunderproduzenten) kam nicht so an.Das Essen war von ausgezeichneter Qualität bestehend aus verschiedenen Spezialitäten des Hauses. Der uns gebotene Service war hervorragend und die Ambiance im Bernerhof entspricht haargenau unseren sehr hohen Anforderungen. Kurz und gut, wieder mal ein absolut gelungener Abend. Herzlichen Dank Thomas Frey und seinem Team, welches uns diese Degustation zu einem unvergesslichen Erlebnis der wirklich besonderen Art werden liess. hl

Beschreibung der degustierten Weine
Féchy, La Colombe, 2002, Raymond Paccot, Féchy, Chasselas, Weisswein, traditionelle Cuvée des Weingutes, Selektion von verschiedenen Reblagen in Féchy, Integrierte Produktion, manuelle Weinlese, leichter, spritziger Wein, frische und blumige Aromen, traditioneller Wein, sehr samtig, abgerundet, Korkzapfen, eignet sich besser für eine längere Lagerung.
Rivaz, Appellation d'origine contrôlée, 2000, E. Siegenthaler & fils, Rivaz, Chasselas, Weisswein, noch immer fruchtig, voll und sehr gut strukturiert, leichtes Honigaroma, fast ungewöhnlich mächtig, fein und rassig, sehr elegant, trocken, aber doch herzhaft und markig. Könnte auch als St. Saphorin verkauft werden. Die Reben befinden sich in dieser Gemeinde.
Yvorne, Domaine de l'Ovaille, Appellation d'origine contrôlée, 1997, Jacques Deladoey et fils Yvorne, Chasselas, Weisswein, man merkt ihm das Alter bereits etwas an, in jungen Jahren sehr spritzig, heute ein kräftiger, rassiger Weisswein, finessenreich und vollmundig, berühmte Appellation des Chablais, nur mit Korkzapfen. Einer der besten Weine in der Waadt.
Chardonnay, Les Barriques, 1997, E. Perret, L. Villard, Collonge-Bellerive, Genève, Barriqueausbau, kann noch gelagert werden, einer der besten Chardonnay-Weine in der Schweiz, dunkelgelb, Duft von exotischen Früchten, ein Hauch von Mandelgeschmack in der Nase, im Gaumen angenehme Säure, elegant, mild, sanft, etwas bissig, nicht kalifornisch.
Auvernier, Oeil-de-Perdrix, Maison Carrée, 2002, J.J. und J.D. Perrochet, Auvernier, der bekannte Rosé, aus Blauburgunder Trauben gekeltert, diese werden zerquetscht und der Saft bleibt vor dem Abpressen kurze Zeit in der Maische stehen, was ihm seine Bernsteinfarbe verleiht, mit eher leichten Gerbstoffen passt Oeil-de-Perdrix zu nicht allzu scharfen Gerichten.
Steiner Sanct Georg, Pinot Noir, 1998, Hans Schlatter Weinbau + Kellerei, Hallau, Blauburgunder, rubinrot, leichte Säure, angenehme Blume, samtiger Abgang, ein sehr typischer behäbiger Beerliwein, fruchtiges Bouquet, harmonischer eleganter Körper, gedeiht ob der Stadt Stein am Rhein, gehört zu den Ostschweizer Spezialitäten wie Hallauer etc.
St. Saphorin, Appellation d_origine contrôlée, 2000, E. Siegenthaler & fils, Rivaz, Pinot-Gamay, Rotwein, süffig, harmonisch, leichter, sehr duftiger Wein, vollmundig, ganz leicht süss, nicht im Eichenfass gereift, Stahltank, hat Lagerungspotenzial, eigentlich ein «Salvagnin», wird aber nicht als solcher verkauft, etwas mehr Pinot noir als Gamay.
Féchy, La Colombe, 2002, Raymond Paccot, Féchy, Pinot Noir, Rotwein, kaum viele Interventionen bei der Vinifikation, um den Ausdruck des Terroirs in all seinen Finessen zu erhalten, nur leicht gefiltert, subtiles Gleichgewicht zwischen Frucht und Struktur sowie mit Tanninen von grosser Feinheit. Entwicklung zwischen 2 bis 4 Jahren. Ebenfalls Korkzapfen.
Grand Cru Salgesch, Appellation d_origine contrôlée Valais, 1999, Leo Montani-Anthamatten, Salgesch, Pinot Noir, Rotwein, Grand Cru Salgesch ist ein Gütezeichen der Gemeinde, diese spricht für allerbeste Lagen, strikte Mengenbeschränkung, ein edler Tropfen, naturnaher Ausbau, keine Barriques, elegant, sanft, zarter Duft, samtig, ausgeglichen.
Gevrey-Chambertin, 1er Cru Lavaux St. Jacques, 1999, Domaine Denis Mortet, Gevrey-Chambertin, Frankreich, Rotwein, aus Pinot-Noir-Trauben, Weinort mit grossartigen Lagen, als Vergleich gedacht, gleicher Jahrgang wie Grand Cru Salgesch, gehaltvoll, dauerhaft, vorzüglich, fabelhaft duftig, kein schwerer Wein, geschmeidig, rund und fruchtig, leicht tanninhaltig.
Selezione d'Ottobre, Ticino, Denominazione di origine controllata, 1998, Matasci Fratelli, Tenero, Svizzera, Merlot, Rotwein, vielseitige Rebe, grosser, duftiger, pflaumen-würziger Wein, aromatisch, geschmeidiger Wein, Efeugeschmack, fruchtig, elegant, wichtiges Element im roten Médoc/Frankreich, wird seit dem Jahre1907 im Tessin angebaut.
Les Brûlons, Auxerrois, enlevé en fût de chêne, 1997, Jacques Deladoey et fils, Yvorne, Malbec, Rotwein, weiss abgepresst, Spätlese, süss, gilt als Dessertwein, Spezialität aus Yvorne, die Traube stammt aus Cahors/Frankreich wird dort aber nur noch sporadisch angepflanzt, dunkler, dichter, gerbstoffreicher, langlebiger und körperreicher Wein mit Qualitätspotenzial.
Grappa Ticinese Matasci, Quarantotto, Matasci Fratelli, Tenero, Svizzera, Grappa aus der «uva americana» (Katzenseicher) des Tessins, aus sehr alten Reben gewonnen, 48 %, duftet stark nach Erdbeeren, samtweiches Bukett, naturreine und harmonische Eleganz, frisch, lebendig, kräftig, ursprünglich ein bäuerliches Getränk das Kraft und Trost spenden sollte.

   
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© 2003 Hans Liechti