Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Reise nach Baden-Württemberg Besuch eines Winzers, Degustation und Dîner, Hotel Mühle, Binzen


Mit seinen 15′340 Hektaren Rebflächen und einem langjährigen Durchschnittsmostertrag von Rund 1 Million Hektoliter ist Baden das drittgrösste Weinbaugebiet der Bundesrepublik. Es reicht am weitesten nach Süden und gehört als einziges in Deutschland zur Weinbauzone B der EU, wie auch das Elsass, die Champagne und das Loire Tal. Es gelten daher in Baden generell höhere Mindestanforderungen für Qualitäts- und Prädikatsweine als in anderen deutschen Anbaugebieten.

Baden erstreckt sich über etwa 400 km Länge von Tauberfranken und der Badischen Bergstrasse bis zum Bodensee. Das Klima ist besonders sonnig und warm dank der geschützten Lage an den Flanken des Odenwaldes und der klimatisch begünstigten Oberrheinischen Tiefebene. In dem weit auseinanderliegenden Gebiet finden sich unterschiedliche Böden, vom hitzigen Moränenschotter am Bodensee über tertiäre Kalk-, Ton- und Mergelböden sowie riesige Lössablagerungen, die in die vulkanischen Gesteine eingestreut sind, bis zu Muschelkalk und Keuper im Kraichgau und Taubergrund. Starke Unterschiede in Höhen- und Bodenverhältnissen bedingen eine grosse Vielfalt der Rebsorten.

Der vor drei Jahrzehnten hier noch kaum bekannte Müller-Thurgau ist heute die am häufigsten angebaute Weisswein-Sorte und gilt in Tauberfranken und am Bodensee als Spezialität. Den Grauburgunder/Ruländer findet man hauptsächlich am Kaiserstuhl, während der Gutedel eine Spezialität des Markgräflerlandes ist. Der Riesling ist vor allem in der Ortenau anzutreffen. Unter den Rotweinsorten dominiert der Spätburgunder, der mit Ausnahme der beiden nördlichen Gebiete, überall recht hohe Anteile in der badischen Rebsortenpalette ausmacht.

Insgesamt -27- Teilnehmer wollten diese Reise und die anschliessenden Degustationen mit den Weinfreunden mitmachen. Da der Car nicht genügend Platz aufwies kamen einige auswärts lebende Mitglieder direkt nach Binzen, wo wir im Hotel/Restaurant Mühle, bei der Familie Hechler, sehr gut aufgehoben waren. Schon morgens um 06:30 trafen wir uns in Saanen am Bahnhofsplatz. Das Wetter war nicht gerade wunderschön, aber vor allem angenehm, vor allem wenn man weiss, was den wirklich zahlreich erschienen Teilnehmern alles noch bevorstehen würde. Die Reise verlief ohne grosse Probleme, in Thun, Münsingen und im Grauholz wurden also gemäss Abmachung noch die letzten Weinfreunde eingeladen. Bereits um 10:00, genau nach Fahrplan kamen wir gut gelaunt in Binzen an und bezogen die Zimmer wie es vorher ausgemacht wurde.

Weingut der Familie Schweigler in Binzen
Zuerst besuchten wir gegen 11:00 Uhr das Weingut der Familie Schweigler in Binzen. Nach einer kurzen Besichtigung des Betriebes kam es zur langersehnten ersten Degustation. Dieter Schweigler setzte uns eigentlich alles vor, was in seinem Betrieb Rang und Namen hat. Dabei seien folgende Weine erwähnt : Gutedel, Müller-Thurgau, Kerner, Nobling, Weissburgunder, Grauburgunder, Gewürztraminer, Regent, Spätburgunder, Weissherbst, Rosé, und zum Schluss Sekt nach der traditionellen Champagner Methode aus der Nobling Traube gekeltert. Dabei erzählte er uns ganz kurz die Geschichte des Weines aus Baden und aus der Tradition seiner Familie. Als Dank erhielten er und seine Familie einen Saaner Bergkäse und den entsprechenden Hobel. Die meisten Teilnehmer konnten es nicht lassen, einige Flaschen des durchwegs ausgezeichneten Weines mit nach Hause zu nehmen.

Erste Markgräfler WinzerGenossenschaft in Schliengen-Müllheim
Nach diesem ergiebigen Ueberblick der Weine aus dem Markgräflerland bei einem kleinen Winzer kam das kulinarische nicht zu kurz. In der Mühle Binzen servierte man uns ein sensationelles Pot-au-feu (Siedfleisch) der gehobeneren Art. Leider war die Pause nur allzu schnell vorbei und auf ging es nach Schliengen-Müllheim. Dort waren wir zu Besuch bei der Ersten Markgräfler WinzerGenossenschaft. So gegen 16:00 Uhr, wiederum wie im Programm vorgesehen, konnten wir nochmals die eindrücklichen Anlagen besichtigen und am Schluss wurden uns dann noch 9 verschiedene Weine zur Verkostung abgegeben. Der Kellermeister, Armin Sütterlin, welcher extra wegen uns am Samstagnachmittag seine Arbeit nochmals aufnahm, präsentierte nach Absprache natürlich seine besten Gewächse, d.h. wiederum Weinsorten wie : Gutedel, Roter Gutedel (eine Spezialität aus Baden), Auxerrois, Chardonnay, Spätburgunder, Qualitätswein und Spätlese, dasselbe in Barrique gereift, zum Schluss noch eine Auslese und wie schon fast üblich, zum Abschluss noch einen Sekt, brut, aus der Chardonnay Traube, welche hier hervorragende Erzeugnisse bringt. Auch er wurde für seine faszinierenden Ausführungen und die fachtechnisch hochstehende Degustation mit Saaner Bergkäse und einem Hobel beschenkt.

Hotel⁄Restaurant Mühle Binzen
Da die Degustation einiges länger dauerte als vorgesehen (es wurde uns ja auch Hervorragendes geboten)ging es praktisch direkt zum Gala-Dîner im Restaurant Mühle in Binzen. Das 8-Gang Menu bestach durch seine ausgewogene und den Weinen angepasste Art. Neben den Amuse Bouches, dem Duett von Gänseleber, dem Süppchen mit Bretonischem Hummer, dem Atlantik Steinbutt vom Grill auf Ratatouille-Gemüse, kamen einheimische Steinpilze auf Risotto und das Beste vom Lamm auf den Tisch. Ein Süppchen von Beeren mit Zitronensorbet aufgefüllt mit Badischem Sekt vollendete dieses traumhafte Abendessen. Hiermit sei der Familie Hechler nochmals herzlich gedankt für die ausgezeichneten Weindegustationen dieses Wochenendes, die sie für uns organisiert haben. Dasselbe gilt für die Unterbringung unserer Mitglieder in ihrem Hotel sowie im Gasthaus Krone in Weil. Wir waren alle mehr als nur zufrieden, das Nachtessen ein absoluter Hit. Ein besonderer Dank gilt auch dem Personal. Die Bedienung war perfekt, der ganze Anlass wirklich eine Gaumenfreude, die zum Essen ausgesuchten Weine sensationell. Das, sowie die Ausführungen und Kommentare der Familie Schweigler und des Kellermeisters der Winzergenossenschaft haben sehr viel dazu beigetragen, dass unsere Mitglieder die Weine aus Baden liebgewonnen haben. Wir werden diese Produkte weiterempfehlen, diese sind durchs Band weg, preislich ausserordentlich günstig.

Zu Besuch bei Franz Keller und zu Gast im "Schwarzen Adler", Oberbergen
Ein spezielles Erlebnis wartete am nächsten morgen auf uns. Zuerst ging es durch das ganze Reb- Gebiet von Baden-Württemberg, dies bei warmem und sonnigem Wetter bis hinaus zum sogenannten Kaiserstuhl, dann landeten wir gegen Mittag in Oberbergen bei Franz Keller, wo wir zuerst die unterindischen Gewölbe anschauen, besser gesamt bestaunen durften. Er bewahrt hier nicht nur seine eigenen, direkt gekelterten Weine auf, sondern hat eine grossartige Sammlung von Weinen aus Bordeaux und der ganzen Welt, welche er als Händler weiterverkauft. Für den Weinliebhaber bleiben fast nur Tränen, wenn er diese Schätze anschauen darf, so eindrucksvoll ist das Ganze. Nach diesem kleinen Abenteuer landeten die Weinfreunde im Gasthof Schwarzer Adler, wo nun kulinarisch, aber auch weinfachtechnisch noch das sogenannte "Tüpfelchen auf dem i" kredenzt wurde. Alles war wieder einmal perfekt, vom gemütlichen Säali, über den erstklassigen Service bis auf das uns servierte 7-Gang Feinschmeckermenu von Gänseleber mit Gewürztraminergelee über Steinbuttfilet, Rochenflügel, Brust von Barbarie-Ente, Käsevariationen und Aprikosentarte und den Petit-Fours fehlte absolut nichts, was uns fast in den siebten Himmel führte. Die dazu genossenen Weine d.h. Weissburgunder und Spätburgunder aus der Lage "Bassgeige Oberbergen" waren wiederum von bestechender Qualität. Der Abschluss machte der Sekt aus Pinot, Brut, von der Weinkellerei Franz Keller aus Vogtsburg-Oberbergen am Kaiserstuhl. Für einmal verzichten wir auf die Beschreibung der degustierten Weine, da dies bei der überaus grossen Anzahl verschiedener genossener Produkte etwas zu weit führen würde.

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© 2004 Hans Liechti