Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Degustation Rotweinspezialitäten aus dem Wallis
Samstag, 24. Juni 2006, Hotel Le Grand Chalet, 3780 Gstaad



Vom Grimselpass bis nach St-Maurice

Das Wallis beginnt geographisch am Grimselpass und endet in St-Maurice auf dem rechten bzw. bei St-Gingolf auf dem linken Rhône-Ufer. Es hat das trockenste und sonnenreichste Klima der Schweiz, so etwas wie eine Kreuzung zwischen Spanien und der Provence. In steilen, oft auf Terrassen an die Felshänge geschmiegten Lagen waren früher Bewässerungsröhren, die sogenannten "Bisses" üblich. Heutzutage wird nur noch bei anhaltender Trockenheit bewässert, und dies auch nur während der Wachstumsperiode. Wirklich bedeutenden Umfang, beginnt der Weinbau bei Visp und Sierre anzunehmen, gelangt dann um Sion (Hauptstadt des Wallis) auf einen Höhepunkt und klingt schliesslich nach der scharfen Rechtswendung der Rhône bei Martigny allmählich aus. Am oberen Ende erhebt der Ort Visperterminen bei Visp den Anspruch, die höchstgelegenen Weinbaulagen Europas (etwa 1000 m über dem Meeresspiegel) zu besitzen. Die bedeutendsten Weinbauorte im Oberwallis sind Salguenen⁄Salgesch, Sierre und St. Léonard, im Unterwallis Vétroz, Ardon, Leytron, Chamoson, Saillon und Fully.


Der Fendant kommt endlich zu seiner Klasse

Inzwischen ist im Wallis endlich für die längst fällige Einführung einer Klassifizierung etwas geschehen. Allzu lange kam der Fendant (Chasselas), auf den ja der grösste Teil des im Wallis produzierten Weins entfällt, ohne Nennung eines Ortes oder Lagennamens auf den Markt. Das sich Qualitätsunterschiede nicht vermeiden lassen, der Verbraucher aber keine Möglichkeit hatte sie zu erkennen, war es das Geschick aller Fendants, ihr Dasein am unteren Ende der Preisskala zu fristen. Heutzutage wird nun öfter ein Orts- oder Lagenname beigefügt, manchmal sogar die Bezeichnung Fendant weggelassen. Der Sylvaner, der hier auch als Johannisberg (manchmals als Petit oder Gros Rhin) bekannt ist, liefert aromatische, körperreichere, stets trockene Weine ; Spätleseversionen können überaus eindrücklich sein. Die sogenannten Walliser Spezialitäten werden im Unterschied zum Fendant allgemein als das eigentliche, noch unentdeckte Potential des Schweizer Weinbaus betrachtet. Hier sind zunächst die unvergleichliche Arvine zu nennen, dann der Humagne.


Heida, Himbertscha, Lafnetscha oder Gwäss

Noch grössere Raritäten sind einige uralte Sorten mit eigentümlichen Namen, die man im Oberwallis um Visp antrifft. Die feinste ist die Heida (oder Paien). Die Sorten Himbertscha, Lafnetscha oder Gwäss wiederum ergänzen das reiche Sortiment. Ueber die Hälfte des Walliser Weins ist Rotwein, und zwei Drittel von diesem entfallen auf Pinot Noir (Blauburgunder), der sich hier vor allem um Sierre mit einigem Charakter bewährt. Spitzenerzeuger experimentieren mit Klonen aus Burgund und mit Ausbau im Eichenfass. Mit Gamay verschnitten, liefert der Pinot Noir den Dôle, der in schlichterer Version als guter Wein zum Essen überall in der Schweiz sehr geschätzt ist - den Namen Dôle darf nur tragen, wenn er zu mindestens 85 % Pinot Noir und Gamay besteht, wobei der Pinot Noir überwiegen muss. Andernfalls trägt er den Namen Goron. Auch Gamay wird sortenrein vinifiziert, vor allem in der Umgebung von Martigny. Unter den alten Traubensorten fällt die Humagne rouge besonders auf, die nicht mit dem weissen Humagne verwandt sind; nach Meinung von Fachleuten handelt es sich um die Sorte Oriou aus dem Aosta Tal. Sie liefert robusten, angenehm tanninreichen und appetitananregenden Landwein. Cornalin (auch Landroter oder rouge du pays) wird selten mehr Angebaut, weil diese Traube durch unregelmässige Erträge und launische Art für kommerzielle Erzeuger recht riskant ist. Dagegen findet sie bei Weinliebhabern wegen ihrer tiefen Farbe und superben Frucht bei gutem Tanningehalt viel Interesse. Besonders zu erwähnen ist die vor noch nicht allzu langer Zeit eingeführte Syrah, um Chamoson. Angebaut wird sogar etwas Nebbiolo.


Haben Sie auch schon "charmant" getrunken?

Endlich einmal kommen die Spezialitäten aus dem Wallis bei den Weinfreunden zur Degustation. Um die Wahl der Qual etwas einzuengen, haben wir uns auf die Rotweine beschränkt. Ein anderes Mal werden wir vielleicht den Schwerpunkt auf die Weissweine legen. Wir trafen uns zum Apéritiv auf der Terrase des Hotel Le Grand Chalet, wo wir noch die letzten Sonnenstrahlen geniessen durften. Leider war es aber an diesem Abend regnerisch und bereits recht kalt. Relativ rasch wurden aber die total 18 Teilnehmer hitzig. Franz Rosskogler, der uns anschliessend wie üblich gekonnt und fachtechnisch ausgezeichnet durch den ganzen Abend führte, brachte uns sofort die erste grosse Ueberraschung. Eigentlich darf man hier, auf jeden Fall bei den Weinfreunden, über eine gelungene Premiere berichten. Uns wurde ein Charmant, Réserve du Caveau, von F. Cina aus Salquenen serviert, Jahrgang 2005. Wir wissen was charmant bedeutet (z.B. bezaubernd, lieblich, nett, auf Deutsch "Scharm"). Was aber hat das mit Wein zu tun. Welcher Phantasiename hat sich da bei den Weinfreunden eingeschlichen. Nun, die Antwort ist einfach : Wir haben in der Schweiz eine neue Rebsorte, welche sich eben "Charmant" nennt.(Bitte auf französisch aussprechen). Es ist eine Kreuzung von Chardonnay und Chasselas, welche wirklich die besten Seiten der beiden Traubensorten in ihrem Bouquet zur Geltung bringen kann. Eine genaue Beschreibung liefern wir den Lesern wie üblich, am Ende dieses Berichtes.


Essen und degustieren

Nun, uns hat es auf jeden Fall beeindruckt und so gestärkt ging es alsdann ins Restaurant "La Bagatelle", wo ein grosser Tisch liebevoll geschmückt für uns bereit stand. Es hat sich bei den Weinfreunden Gstaad-Saanenland durchgesetzt, dass wir die Weine zusammen mit dem Essen degustieren. Je nachdem werden dann zwischen 5 und 10 verschiedene Weine, einer oder zwei zu jedem Gang, serviert.

So erhielten wir zum Beispiel zu "Saladine de coquelet du Val Ferret à l′huile de noisette et serpolet" einen Gamay von Michel Boven sowie einen Pinot noir aus dem Cave F. Cina aus Salquenen aufgestellt.


Anschliessend kam wieder einmal das ganz Spezielle (wir sagten ja, Spezialitäten aus dem Wallis) und zwar in Form eines Entrecôte double de boeuf d′Eringen à la sauce au Cornalin, exquisit zubereitet vom genialen Küchenchef des Hauses und seinem Team. (auf Deutsch : doppeltes Zwischenrippenstück vom Eringer-Rind, d.h. der schwarzen Kampf-Kuh). Eine wahrhafte Rarität auf dem Fleischmarkt und natürlich überaus passend zu unseren Walliser Weinspezialitäten. Diese Tatsache wurde mit drei verschiedenen Weinen gefeiert, d.h. je einem Syrah de Sierre, einem Diolinoir und einem Cornalin, jede Sorte für sich ein kleines "Weltwunder".


Mit der Séléction de fromages de Bagnes au chutney d′abricots kamen dann noch die sogenannten "cépages", Mischungen aus diversen Rebsorten, d.h. einen Pinot-Syrah-Cornalin-Gamay und einen Pinot-Humagne-Cornalin.


Zum Dessert bestehend aus "fraises du Valais" kam am Schluss noch eine weitere überaus spezielle Art Wein zum Handkuss, nämlich ein Gamay de Fully, als Spätlese und entsprechend auch relativ süss, eben genau passend zum Schlussgang.


Wieder möchten wir Franz Rosskogler sowie allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Hotels Le Grand Chalet in Gstaad herzlich "Danke schön" sagen, für die wie immer, sehr wertvollen Dienste und Serviceleistungen an diesem Abend. Der Abend war sehr "charmant" und unvergesslich. Wir freuen uns alle schon wieder auf den nächsten Anlass im Restaurant La Bagatelle in Gstaad.

Degustierte Rotweinspezialitäten aus dem Wallis


Bilder des "charmanten" Abends

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© 2006 Hans Liechti