Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Weine aus den Côtes du Roussillon, Frankreich
Samstag, 12. August 2006, Restaurant Chesery Gstaad



Vin doux naturel

Unter all den unübersehbar grossen Weinbaugebieten des Midi hat das Roussillon im Bewusstsein der Franzosen einen bevorzugten Platz. Ihm kommt das Prestige eines uralten und einzigartigen Produkts, des vin doux naturel, zugute. Er ist zwar ausserhalb Frankreichs praktisch unbekannt, aber man ist so stolz über seine Ursprünge, dass man den (ungefähr vergleichbaren) Portwein als einen Emporkömmling betrachtet. Die Weine aus den kleineren Gütern im Roussillon sind dabei, besser zu werden. Es entwickelt sich ein "Boutique-Stil" der mit Bedacht neue Fässer für Gärprozess und Ausbau einsetzt und dessen Qualitätsstreben sich lohnt, weil die besseren Weine auf dem Markt bereitwillige Aufnahme finden. Das wirkt sich auch auf die Genossenschaften aus, die nun die kleinen Weingüter, insbesondere bei Prestige-Weinen, als Vorbilder anerkennen.

An den geschützten Hügeln entlang der Küste um Perpignan und landeinwärts in den Tälern von Agly und Tet wächst sehr guter Rotwein, der kräftigste und dunkelste von all den vielen Weinen, die die Carignan-Traube an der Küste liefert. Die besten Beispiele, noch durch höherwertige "aromatische" Trauben verstärkt, haben eine ähnliche Art wie etwa der Château-neuf-du-Pape, sind aber runder und weicher. Viele von ihnen sind jung - wenn ihr fruchtiger Geschmack auf dem Höhepunkt ist - am besten, jedoch gehen mehr und mehr Erzeuger absichtlich dazu über, ihren Wein in Eichenfässern und manchmal auch in der Flasche reifen zu lassen, um der schieren Kraft auch noch komplexe Vielfalt hinzuzufügen. Bessere Traubensorten setzen sich nach und nach durch: Syrah und Mourvèdre machen zusammen bereits über 20 % des Rebbestandes aus.


Robert Speth, Koch des Jahres 2005 und Author

Endlich war es soweit. Der Wunsch eines grossen Teiles der Mitglieder unserer Weinfreunde ging in Erfüllung. Wenigstens einmal wollten sie eine Degustation im Restaurant Chesery in Gstaad geniessen. Der Gastgeber war der berühmte Robert Speth, Autor des Kochbuches "Cuisine Pure", d.h. die hohe Kunst des Einfachen mit 100 Rezepten aus der "Chesery" in Gstaad. In seiner Widmung schrieb er denn auch "Herzliche Grüsse aus der Chesery in Gstaad. Viel Vergnügen beim Durchblättern und Nachkochen. Signiert: Der Koch des Jahres 2005, Robert Speth." Sämtliche Rezepte sind übrigens ganz leicht nachzukochen, was nochmals für den Autor des Buches spricht. Vielen unserer Leser brauchen wir ihn nicht mehr vorzustellen, für die anderen holen wir das nun noch nach.

Robert Speth, geboren 1956 in Ravensburg (Deutschland),
- Konditor⁄Konfiseur Lehre und auch Kochlehre mit Meisterprüfung.
- Ab 1979 verschiedene Stationen, u.a. bei Louis Othier, Restaurant L′Oasis, in La Napoule, Frankreich,
- bei Heinz Winkler im Restaurant Tantris in München und im
- Steigenberger Gourmet-Party Service im "Frankfurter Hof" in Frankfurt.
- Seit 1984 Restaurant Chesery in Gstaad,
- seit 1989 selbständig: Catering und Party Service,
- seit 1991 in der Sommersaison zusätzlich Restaurant Golfclub Gstaad-Saanenland.
- Seit 1998 ein Michelin-Stern, 2001 "Aufsteiger des Jahres" und 2005
- "Koch des Jahres" von Gault Millau.


Bekocht vom Starkoch und verwöhnt vom Sommelier Ivan Letzter

Insgesamt 16 Weinfreunde waren an diesem Abend anwesend, herzlich begrüsst von unserem Starkoch. Durch den Abend geführt wurden wir vom Sommelier des Hauses, Herrn Ivan Letzter, ein grossartiger Kenner der Weinszene. Er vertreibt neben seinem Beruf noch die von ihm im Restaurant empfohlenen Weine und ist gerne bereit, Interessenten seine spezielle Weinphilosophie sowie die von ihm vorgezogenen Weine zu verkaufen und vorzustellen. Zusammen mit der wirklich hervorragenden Küche von Robert Speth, ist Ivan Letzter das sogenannte "Pünktchen auf dem i" : seine Ausführungen waren so gekonnt und brillant, d.h. sehr einfach, aber umso verständlicher, dass bei einem Konzert ein minutenlanger, anhaltender Applaus sämtlicher Teilnehmer gewiss gewesen wäre. Nun die Weinfreunde waren begeistert, natürlich nicht nur von den Ausführungen, den Weinen, sondern vor allem auch wegen der gelungenen Küche, welche auf jeden Fall die verteilten Punkte mehr als nur rechtfertigt. Gault et Millau verteilen insgesamt 20 Punkte, wobei das bedeuten würde, dass bei einem so ausgezeicheten Restaurant wirklich keine weiteren Steigerungsmöglichkeiten mehr vorhanden sein würden. Deshalb vergibt Gault et Millau bis heute nie soviele Punkte.


Weinfreunde vergeben 19,5 Punkte

Trotzdem oder vielleicht weil die Weinfreunde kulinarisch mehr als nur sehr stark verwöhnt sind, würde ich eine Prognose betreffend Chesery wagen. Nach allem, an diesem Abend gebotenen, inklusive dem ganz perfekten Service, geben die Weinfreunde diesem Restaurant eine Punktzahl von 19,5, alles inbegriffen. Es stimmt einfach. Die Atmosphäre ist heimelig und geruhsam, die Dienstleistungen hervorragend, die Stimmung phantastisch, die Küche ausgezeichnet und die Weine runden das Ganze fast bis zur Perfektion noch ab. Sofern wir dürfen, werden die Weinfreunde auch im nächsten Jahr wieder einen Anlass in der Chesery durchführen.
Bevor wir zu den Details bei den Weinen kommen, ist es aber nur normal, dass auch die Reihenfolge der Speisen, einfacher gesagt, das Menu inklusive Weine kurz beschrieben wird:


Sushi und Le Soula blanc

L'Amuse bouche und Le Soula blanc. Was So einfach tönt beinhaltet ungefähr fünf Kleingerichte inklusive japanische Sushi, auf jeden Fall war für jeden Geschmack etwas dabei. Diese wurden an der Bar serviert, wo beim Eintreffen aller Teilnehmer bald nicht mehr viel Platz war, so dass wir ins Restaurant wechselten um uns dem ersten Gang zu widmen. Es war dies

    Le tartare de boeuf "Kabier" aux chanterelles, zusammen mit dem Wein Le Soula-Rouge.

    Der Rotwein "Vieilles Vignes" von Clos des Fées passte ausgezeichnet zur "Crème de petits pois et crevette sauvage".

    Als Hauptgang zum Rotwein "Vieilles Vignes" von Gauby kam "Le Canard Miral Rôti au four sur légumes asiatiques".

    Den bereits schon fast weltbekannten "Brie de Meaux farci aux truffes Chalet Chesery" rundete ein Clos des Fées 2004 (Rotwein) ab .

    zum Dessert, einer "Omelette viennoise aux pommes fruits caramélisées avec glace caramel salé" fand der Muscat petits-grains von Clos des Fées, 1998, grossen Anklang.


Sämtliche Speisefolgen entsprachen vollauf den hohen Erwartungen der Weinfreunde und wir freuen uns bereits auf ein Wiedersehen im angesehenen "Restaurant Chesery" in Gstaad.

Degustierte Weine


Chesery Bilder

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© 2006 Hans Liechti