Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Bordeau-Weine aus der Grossflasche
Samstag, 16. September 2006, Le Grand Chalet, Gstaad



Wie der Wein in die Glasflasche kam

Die Weinflasche ist das gängigste, gläserne Transport- und Lagerbehältnis für den Weinverkauf an den Endverbraucher. Flaschen für Weine werden in vielen Grössen und Formen hergestellt. Die gängigste Grösse fasst 0.75 Liter Wein. Diese Grösse ist seit 1977 europäische Norm. In früheren Zeiten wurde der Wein in der Regel in Fässern und Bottichen gelagert und in Metall- und Keramikkrügen serviert, die in Form eher an Kochtöpfe als an Flaschen erinnern. Ausserdem wurde Wein in so genannten "Schläuchen" gehandelt - Behälter aus Tierhäuten. Im 17. Jahrhundert kam die Glasflasche auf, die sich im 18. Jahrhundert immer mehr ausbreitete und Mitte des 19. Jahrhunderts zum populärsten Behälter für Wein avancierte. Der Grund dafür ist einfach : Glas ist auch chemisch neutral, was es ideal für Flüssigkeitsbehälter macht. Mit der Erfindung der Glasflasche und des Korkens (gegen Ende des 17. Jahrhunderts) wurde Wein länger haltbar und konnte sogar noch in der Flasche nachreifen, statt zu oxidieren oder den Geschmack seines Behälters anzunehmen. Vorher wurde der Wein oft mit Harzen versetzt, gezuckert oder verdünnt, so dass erst mit der Erfindung der Glasflasche die Art Wein entstand, die wir heute kennen.Es gibt hunderte, wenn nicht sogar tausende verschiedene Weinflaschenformen, dennoch haben sich einige wenige Grundformen herauskristallisiert: Die Bordeau-Flasche, die Burgunderflasche, die Hoch-oder Schlegelflasche und die Campagnerflasche.


Von Magnum- bis Melchior-Flaschen

Es gibt aber noch besondere Flaschen, die Grossflaschen. Der Kenner trinkt Grossflaschen. Der Unterschied zur Normalflasche ist frappierend. Magnum- und Grossflaschen bergen für den Sammler - neben der Seltenheit - den unschätzbaren Wert der besseren Qualität gegenüber der Normalflasche. Kenner schätzen den positiven Einfluss grösseren Volumens auf die Lagerfähigkeit. Die Entwicklung einer Grossflasche ist langsamer und gleichmässiger. Nicht zuletzt an der Menge Sauerstoffs im Verhältnis zum Inhalt. Die Reifung schreitet umso langsamer vonstatten je grösser das Flaschenformat ist. Eine Grossflasche schmeckt des wesentlich frischer und ist intensiver, d.h. ein Muss für jeden Weinfreund. Eine Magnumflasche ist ideal für einen Abend zu zweit - oder mit guten Freunden. Sie ist leicht zu lagern, unkompliziert zu temperieren, handlich beim Einschenken und, wie gesagt, schön zum anschauen. Es macht einfach Spass sie zu besitzen. Gute Weinkenner wissen : Spitzenweine lagern in den zweifach bis 22-fach grossen Flaschen besser und länger wegen des vergleichsweise kleineren Luftanteils in der Flasche. Bereits in einer Magnumflasche ist der edle Rotwein eine imposante und unvergessliche Geschmacks-Erscheinung. Mit einem solchen seltenen Wein legen sie wahrhaft Ehre ein. Wir kennen heute in etwa die folgenden Grossflaschen :

Magnum (1,5 l),
Marie-Jeanne (2,25 l),
Doppelmagnum/Jéroboam (3 l),
Rehoboam (4,5 l),
Méthusalem / Impériale (6 l),
Salmanazar (9 l),
Balthazar (12 l),
Nabuchodonosor (15 l) und
Melchior (18 l)
.



Grossflaschen und "Leckeres" aus der Küche

Leider haben sich insgesamt nur ganze 14 Mitglieder für diesen Abend angemeldet, so dass wir auch aus finanziellen Gründen gar keine Melchior mit 18 l Inhalt öffnen und degustieren konnten. Eine Grossflasche kostet einiges mehr als die übliche 0.75 l Flasche. Die Gründe dafür wurden im obenerwähnten Artikel über die Grossflaschen dargestellt. Um unseren Teilnehmern trotzdem etwas Vielfalt für die Degustation anzubieten servierte, die wiederum sehr dienstbeflissene Equipe des Hotels "Le Grand Chalet", zum Apéritiv mit einigen vielversprechenden Canapées einen leichten Weisswein aus der Region von "Entre-Deux-Mers". Eine Beschreibung der degustierten Weine folgt wie immer am Schluss unseres Berichtes.

Zum anschliessenden Menu, welches aus Oeuf poché aux cépes sur lit d′épinards, Selle de Marcassin des Landes à la sauce au Merlot, einer "Assiette de fromages pàtes molles de France" sowie einer Grande sélection de friandises bestand, wurden dann je eine Flasche Magnum (1,5 l) aus St. Estèphe, eine weitere Flasche Magnum (1,5 l) aus den Côtes des Castillon sowie eine Jéroboam (3 l) aus der Region Fronsac serviert.

Durch den Abend geführt wurden wir vom Herrn des Hauses, Franz Rosskogler, welchen wir nun wirklich nicht mehr vorstellen müssen. Auch ihm gebührt ein "Applaus". "Ein Danke schön und ein riesiges Kompliment", auch an die hervorragende Küche sowie an den Service möchte ich hiermit weitegeben. Hoffentlich dürfen die Weinfreunde noch manchen aufregenden Abend im Restaurant "La Bagatelle" vom Hotel Le Grand Chalet verbringen.

Degustierte Bordeau-Weine aus der Grossflasche


Bilder des Abend

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© 2006 Hans Liechti