Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Soirée Wine & Dîne "Feines aus Küche und Keller"
Samstag, 20. Januar 2007, Grand Hotel Bellevue Gstaad



Wein ist kein Alkohol

In Bordeaux und anderen Weinregionen werden Sie mitunter Menschen antreffen, die behaupten, nicht zu trinken. Sie können einige Liter am Tag konsumieren, aber dies wird nicht als „trinken“ bezeichnet, während für einen Schluck Whisky dies durchaus zutrifft. Ganz gemäss den Prinzipien der Schweizerischen Weinfreunde „Wein ist kein Alkohol“! Aber sie werden niemals jemanden finden, der sagt, er esse nicht.

Die Menschen in einer Weinregion geniessen das Leben, und ein gutes Essen ist Bestandteil des angenehmen Lebens. Um 12 Uhr mittags –zum Mittagsmahl- steht alles still und häufig hängt es ausschliesslich von der Gesellschaft ab, von den Gerichten und Weinen, wann die Arbeit wieder aufgenommen wird. Für ein Mittagessen am Werktag muss man wenigstens 2 Stunden ansetzen. Am Sonntag, dem gastronomischen Höhepunkt der Woche, wird man die Familie im Restaurant oder zu Hause antreffen. Die Spezialitäten der Gegend sind immer sehr beliebt, z.B. ein Bordelaiser wird seines berühmten, über Weinranken gegrillten Entrecôte niemals überdrüssig werden. Es ist ein Erlebnis, Zeuge eines sonntäglichen Mittagessen in einem kleinen, bescheidenen Restaurant zu sein. Oft ist die gesamte Familie um einen Tisch versammelt, vom Grossvater angefangen bis hinunter zu den kleinen Kindern.



Den passenden Wein zum Essen oder umgekehrt?

Eine typische Mahlzeit beginnt mit den Hors d’oeuvres, wie z.B. Schinken, kleine Schalentiere, marinierte Pilze, Austern oder aber etwas geräucherten Lachs. Das Hauptgericht kann zum Beispiel entweder aus einem riesigen Steak, einer Lammkeule oder Brathühnchen bestehen. Darauf folgen verschiedene Käsesorten von denen es in der gazen Welt bekanntlich mehr als genügend gibt, und schliesslich Eiscrème oder ein Gateau. Zu einer Mahlzeit von 5 Gängen gibt es normalerweise reichlich Wein. Mineral und Kaffee kommen da natürlich noch hinzu und die Rechnung liegt selbst heute noch in den meisten Restaurants in angemessenen Grenzen, was jetzt und heute natürlich auch auf das Grand Hotel Bellevue in Gstaad zutrifft. Die Ausschmückung dieser Restaurants ist stets sehr gemütlich, die Qualität ist ausgezeichnet, die Bedienung perfekt und jeder unterhält sich prächtig mit Lachen, Essen und Trinken. Es gibt viele Spezialitäten in dieser Welt und zu all diesen Leckerbissen gibt es einheimische Weine.

Welche Weine trinken zu welchem Gericht? Trotz allem, was Sie gehört haben mögen, es gibt keine Gesetze in der Gastronomie, die vorschreiben, welche Weine zu welchen Gerichten getrunken werden müssen. Gott sei Dank, denn durch das Ausprobieren bei der Zusammenstellung von Weinen und Gerichten können Sie reizende Abenteuer erleben, die guten Gesprächsstoff liefern. Trinken Sie, was Ihnen schmeckt und probieren Sie weiter. Natürlich gibt es einige Richtlinien : -Stimmen Sie den Wein auf die Art des Gerichtes ab (oder umgekehrt), also wählen Sie einen Rioja (Spanien) zum Steak oder zum Wild einen Château-neuf-du-Pape (Frankreich). Weder der Wein noch das Gericht sollten vorschmecken; gute Gastronomie ist wahrhaft demokratisch:
– Geizen Sie am Wein nicht mehr, als Sie es am Essen tun würden.
– Servieren Sie einfache Weine vor besseren, junge vor alten, trockene vor süssen, weisse vor roten.
– Und nun „Bon appetit“.



Der neue Küchenchef Richard Mebkhout kochte u.a.auch bei Paul Bocuse

Auch beim dritten Mal versuchten die Weinfreunde im Grand Hotel Bellevue genau dies herauszufinden. Der Sommelier (Weinkellner) Mathieu Zimmermann und der neue Küchenchef, Richard Mebkhout, haben nochmals für uns ein unvergessliches Programm von Speisen und Weinen zusammengestellt. Zu einem Gericht wurde jeweils ein einziger Wein serviert. Dabei konnte man sich die anfangs mitgeteilten Zeilen durch den Kopf gehen lassen. Die zwei Spezialisten haben auch dieses Jahr keine Mühe gescheut um ein Menu inklusive passendem Wein zusammenzustellen, welches den Weinfreunden auf jeden Fall zusagen würde. Die Arbeit hat sich mehrfach gelohnt. Die Weine und das Dîner waren wiederum vom Grössten, das im Grand Hotel Bellevue den verwöhnten Gästen vorgesetzt wurde. Es hätte uns überrascht, wäre das dieses Mal nicht auch der Fall gewesen. Der neue Küchenchef bringt noch einige raffinierte, zusätzliche Neuerungen zu seinem Vorgänger, hat aber eigentlich mehr als die -16- Gault et Millau Punkte verdient, was uns nicht im Geringsten verwundert, hat er doch seine Sporen unter anderem auch beim berühmten Paul Bocuse abverdient. Die Zukunft wird es zeigen.



Willkommener Besuch mit einer erfrischenden Lobrede auf den Wein

Unser Anlass fand im Restaurant Prado statt. Die gemütliche „Ambiance“ trägt immer wieder zum Gelingen unseres „Wine + Dîne“ bei. Die Weinfreunde Gstaad-Saanenland legen sehr viel Wert auf so eine Umgebung. Dieses Jahr waren unter den insgesamt -18- Teilnehmern auch der Präsident der Weinfreunde Thun-Thunersee (Florian Krüger) sowie der Vertreter der deutschen Schweiz im Zentralvorstand der Schweizerischen Vereinigung der Weinfreunde (Cornel Oertle) mit Ihren Ehefrauen. In seiner Ansprache lobte das Mitglied unseres Zentralvorstandes den Wein allgemein und fügte hinzu, die Alternative wäre zwar das Wasser, aber eben, hat jemand schon davon gehört man hätte „Wein“ auf der Lunge, „Wein“ in den Beinen, einen „Weinkopf“ oder gar die „Weinsucht“ ?



Feines aus Küche und Keller

Das -5- Gang Menu 2007 wurde begeistert aufgenommen. Wir wurden mit erlesenen Spezialitäten von Weinen und Gerichten verwöhnt, die einem schon beim Lesen der nächsten Zeilen "gluschtig" machen. Auch für das Programm 2008 vom nächsten Jahr wurde dieser Anlass, welcher demnächst zur Tradition wird, wiederum aufgenommen. Der Apéritiv wurde wie üblich, im Carnotzet des Grand Hotel Bellevue serviert.

    Zu kleinen Amuse Bouches genossen wir den speziell für uns vorbereiteten Velich, Apetlon, 2002, aus dem Burgenbland (Oesterreich), gekeltert aus Chardonnay- und Welschrieslingtrauben.

    Als 1. Gang gab es dieses Jahr „Fines tranches de betteraves et crevettes géantes, mâche et coriandre, vinaigrette au curry“ mit einem Sauvignon blanc , 2005, von Jean Pierre Pellegrin aus Peissy, Genêve.

    Zum allerfeinsten „Médaillon de lotte aux aromates, côtes et vert de blette“ servierte man uns einen Saumur blanc, (Chenin blanc) Château Yvonne, 2001.

    Der Hauptgang bestand aus „Canette rôtie, navets glacés, Ananas, citron vert et ornage“. Unsere Diskussionen bezogen sich leider plötzlich nicht eigentlich auf die Weine und Qualität der Ente, welche gebraten, mit Haut, serviert wurde, sondern, dass ein so renommiertes Hotel wie das Bellevue in Gstaad spezielle Fleischmesser dazu servieren sollte. Naja, mit oder ohne "richtiges" Fleischmesser, den meisten hat die Ente gemundet. Der passende Wein dazu war ein Châteauneuf-du-Pape, Domaine Marcoux, 2004, gekeltert vor allem aus zwei Trauben, nämlich Grenache und Syrah und nicht mehr wie früher aus über 16 verschiedenen Sorten.

    Zum Brie de Meaux aus truffes servierte uns Herr Zimmermann einen Italiener, d.h. Fiamme Antiche „Terrazze Retiche di Sondrio“ von AR.PE.PE. oder Arturo Pelizzatti Perrego.

    Zur Freude unserer Ostschweizer (Mitglied Zentralvorstand) wurde zum Dessert, „Orange caramélisée à l’olive confie, emulsion de mandarine“ die Spätlese aus Riesling-Sylvaner, Truttiker Essentia, Familie Zahner, 2003, dargeboten. Der Wein ist ein „Gedicht“ und passte hervorragend zur ausgezeichneten Nachspeise.



Ein überaus gelungener Abend auf hohem Niveau

Um meine Worte des letzten Jahres zu wiederholen: „Alles in allem, wiederum ein höchst gelungener Abend auf einem überaus hohen Niveau.“ Wir danken hiermit den Herren Zimmermann und Mebkhout sowie Herrn und Frau Michel und Ilse Wichman sowie allen Verantwortlichen vom Hotel Bellevue inklusive Servicepersonal für ihre wiederholte Meisterleistung. Wie sagten doch mehrheitlich die Teilnehmer: „Ausgezeichneter Abend, besser kann es kaum mehr werden“!

Degustierte Weine


Die Bilder des Abends

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© 2007 Hans Liechti