Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Degustation Weine aus der Bündner Herrschaft Christian und Elsbeth Obrecht, Weingut zur Sonne, Jenins zusammen mit Martin Riedi und Vinoteca Martino
Samstag, 15. Dezember 2007, Hotel Spitzhorn, 3792 Saanen



Die Burgundertraube des Duc de Rohan

Die Weine der Bündner Herrschaft könnte man auch mit dem Titel "Die Adligen" betiteln. Alles fing mit dem adligen Feldherrn Duc de Rohan an. Der "gute Herzog" aus der rauen Bretagne brachte während der Wirren des 3ojährigen Krieges, um 1635, die Blauburgunderrebe ins Bündner Rheintal. Natürlich hat es früher schon Wein im Bündnerland gegeben. Die Burgundertraube des Duc de Rohan gedieh aber wunderbar und löste immer mehr die weissen Traubensorten ab, den säuerlichen Elbling und den eigenwilligen Completer. Das grosse Geheimnis der "Herrschäftler" ist der Traubenkocher. Da in der Herrschaft eine Jahresdurchschnittstemperatur von 8 Grad Celsius herrschte, die Rebe sich aber bei einer Durchschnittstemperatur von 11 bis 16 Grad am wohlsten fühlt, brauchte man einen zusätzlichen Ofen, um der Rebe zur Reife zu verhelfen. Der Föhn war der Retter in der Not. Das Ergebnis sind schöne, gehaltvolle Blauburgunder mit einer guten Struktur, die einen Vergleich mit dem Bruder aus Frankreich nicht zu scheuen brauchen.

Jeninser Blauburgunder an der Spitze der weltbesten Burgunder

So sind schon seit längerer Zeit Jeninser Blauburgunder an internationalen Burgunder-Degustationen an die Spitze der weltbesten Burgunder vorgedrungen. Nach der Verordnung über den Rebbau und den Absatz der Rebbauerzeugnisse schreibt der Bund den Winzern im Kanton Graubünden genau vor, welche Reben sie anpflanzen dürfen und welche nicht. Doch dies ist nicht der Grund dafür, dass der Blauburgunder die einzige rote Rebe in der Herrschaft ist. Die Ausnahme beweist es : Thomas Donatsch aus Malans pflegt seit kurzer Zeit und mit Erfolg Cabernet Rebstöcke in seinem Weinberg. Dennoch beträgt der Anteil des Blauburgunders, gemessen an der gesamten Rebfläche des Kantons Graubünden, immer noch über 90 Prozent.

Riesling Sylvaner

Obwohl der Anteil der Weissweine unter zehn Prozent liegt, gibt es hier ein breites Spektrum an Traubensorten. Davon sind allein acht Prozent Riesling Sylvaner und ein Prozent Pinot Gris. Den Rest teilen Chardonnay, Pinot blanc, Completer, Fraisamer, Gewürztraminer und Räuschling untereinander auf. Der Blauburgunder der Herrschaft gedeiht Jahr für Jahr auf kalkhaltigen Schieferböden unter Einwirkung des Föhns zur vollen Reife und einem unvergleichlichen Charakter. Er zeigt sich als grosser Wein von sehr ausgeprägtem, leicht herben und feurigem Geschmack. In Durchschnittsjahren erreicht er 85 Oechslegrad. Der Riesling Sylvaner, eine 1880 vom Thurgauer Professor Hermann Müller gezüchtete Traubensorte, zeichnet sich durch ihre Frühreife und ihre guten Erträge bei gleich bleibenden Charakter aus. In der Herrschaft wird sie besonders geschätzt, weil die Rebe ausserordentlich widerstandsfähig gegen Frost und Schädlinge ist. Die Riesling Sylvanerweine aus dem Bündnerland sind fruchtig, rassig, in guten Jahren jedoch etwas zu mastig und zu breit für einen erfrischenden Weisswein, vor allem wenn 75 Oechslegrad übertroffen werden.



Weingut zur Sonne

Die Sonne ist nicht nur das Symbol auf den Weinetiketten der Obrechts, sie ist ebenfalls das Familiensymbol, und sie scheint auch in den Herzen des Winzerpaares Elsbeth und Christian. Die Weine, die aus ihrem Keller kommen, sind sonnige Weine, voll Harmonie und Feuer. Heute wird das Weingut von Christian und Francisca Obrecht geführt. Christian und Elsbeth stehen den beiden noch tatkräftig zur Seite. Dem kreativen Team ist es ein Anliegen, die Reben naturnah zu pflegen und individuelle Weine von hoher Qualität zu keltern.

Das "Weingut zur Sonne" ist ein alter Familienbesitz, deshalb sind die eingesessenen Jeninser verpflichtet, den Boden und die Reben für die nächste Generation zu erhalten. Das versucht die ganze Familie mit umweltgerechter Bearbeitung des Bodens, der Reben und mit selbstauferlegter Ertragsregelung in den Griff zu bekommen. So sind sie sicher, dass ihre Stöcke 25 - 35 Jahre alt werden und natürlich auch das beste Traubengut abgeben. Den Weinen, die den Keller verlassen, ist die Handschrift der beiden Christians durchwegs anzumerken. Angefangen beim Riesling Sylvaner der stark an einen jungen und frischen Frühlingsstrauss erinnert und zu Spargeln oder einem Süsswasserfisch hervorragend passt. Eine weitere Spezalität ist der Jeninser Schiller : Pinot noir, Pinot blanc und Chardonnay vereinigt zu ewigem geschmeidigen, eleganten Wein, der in der Farbe einem Rosé nicht unähnlich ist. Erwähnenswert ist auch, dass alle drei Rebsorten aus dem gleichen Rebberg stammen.

Höhepunkt im Angebot ist der Trocla Nera (heisst auf romanisch "schwarze Traube") und wird aus Blauburgundertrauben von alten Rebstöcken aus den besten Lagen gekeltert. Der Wein lagert während 12 Monaten in Barriques, der Neuholzanteilbeträgt 25 %. Trocla Nera offenbart sich je nach Jahrgang beerig, stoffig, und die Lagerung im Barrique lässt ihn zu einem der besten Bündner Rotweinen heranreifen. Dieser Wein ist einem grossen Teil der teuren Weine aus dem Burgund vorzuziehen. Passt ausgezeichnet zu einem festlichen Mahl.

Christian und Elsbeth Obrecht stellen ihre Weine im Hotel Spitzhorn vor

Die Degustation von Weinen aus der Bündner Herrschaft gilt als grosses "Highlight" und fand im Hotel Spitzhorn in Saanen statt, wo unser Mitglied Martin Riedi (ursprünglich auch Bündner) verantwortlich zeichnet. Diesmal war der Weinbauer Christian Obrecht mit seiner charmanten Gattin Elsbeth persönlich anwesend. Beide führten uns gekonnt durch den Abend und ihre Weine. Sie konnten sich einen Ausflug ins Saanenland leisten, haben sie doch vor kurzem Christian junior und seiner Ehefrau Francisca den aktiven Betrieb des Gutes abgegeben. So kamen die Weinfreunde in den Genuss einer überaus eindrucksvollen Präsentation der Weine vom "Weingut zur Sonne". Ein grosser Vorteil war natürlich das "Schweizerdeutsch" der beiden. Für einmal musste Martin Riedi nicht vom Italienischen ins Deutsche übersetzen. Er konnte sich deshalb ausschliesslich der Küche widmen und wie.

Was zu den einzelnen Weinen serviert wurde, war ein Traum, und die insgesamt acht Gänge waren auf noch höherem Niveau als die -13- Gault et Millau Punkte, die das Restaurant Spitzhorn in Saanen letztes Jahr erhalten hat. Insgesamt waren wieder 36 Weinfreunde und Weinfreundinnen an diesem Abend dabei und freuten sich wie üblich am Dargebotenen. Wie gewohnt wurde das Apéro im Seminarraum des Hotels, d.h. im Untergeschoss serviert.

    Es gab also Würste, Trockenfleisch und Ziegenkäse aus dem Bündnerland zusammen mit einem famosen Riesling Sylvaner.
Die übrigen Gänge durften wir im wiederum prall gefüllten Restaurant des Hotels Spitzhorn einnehmen. Die Stimmung war einzigartig und die Atmosphäre war mehr als nur perfekt. Die einzelnen Gänge des Menus wurden den Weinen angepasst, was gar nicht immer so leicht ist.
    Zur Fischtrilogie auf dem Lauchbett durften wir den bereits leicht beschriebenen "Schiller" degustieren.

    Anschliessend erhielten wir Quasrkpizokels mit weissem Trüffel zusammen mit dem "Chardonnay" aus dem Weingut zur Sonne in Jenins. .


Vorher und nachher wurde heftig diskutiert. Wie kann man nur einen Chardonnay zu Pizokels servieren, das ist doch unmöglich, war vor dem Verkosten der einhellige Ton aus dem Kreise unserer Mitglieder. Aber siehe da, es klappte, alle Teilnehmer waren sehr begeistert von "mariage" zwischen Wein und Speise. Das war vielleicht schon fast der Höhepunkt des Abends, vor allem weil die Trüffel dazu so richtig schmeckten. Damit war aber noch nicht genug der Spezialitäten.
    Es ging weiter mit den Capuns Silvans (Mangoldwickel mit Mehl, Eier, Milch, Magerspeck, Weissbrot, Zwiebel, Butter, gehackten Kräutern und Schnittmangoldblättern). Hier passte der normale Pinot Noir oder eben wie in Graubünden oft benannt, dem Blauburgunder.

    .Als Hauptgang servierte man uns einen Hirschrücken an Rotweinsauce mit Kohl, Kürbis und Steinpilzen. Der Wein dazu Torcla Nera und Monolith (beide in der Barrique ausgebaut).

    Der Käseteller d.h. 3 verschiedene Käsesorten aus Graubünden mit Birnenbrot durfte nicht fehlen, der Pinot Gris mundete dazu ganz hervorragend.

    Natürlich kam dann zum Dessert noch die Nusstorte aus Ftan mit Bacioeis und als Wein einen Riesling Sylvaner Flétri (Spätlese, leicht süss).



Der Bündner endet ein Essen eigentlich immer mit "Khafi und Guatali". Der Grappa und Marc Eigenbrand von der Familie Obrist rundeten einen phantastischen Abend mit vielen kulinarischen Höhepunklen ab. Wir möchten hiermit Martin Riedi und seiner Frau, Herrn und Frau Obrecht aus Jenins, den vielen hilfreichen Diensten des Restaurant Spitzhorn in Saanen herzlich für ihren aussergewühnlichen Einsatz danken. Die degustierten Weine finden Sie gleich hier...

Degustierte Weine


Die Bilder des Abends

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© 2008 Hans Liechti