Weinfreunde Gstaad-Saanenland

 

Soirée Wine & Dîne, Grand Hotel Bellevue Gstaad

Samstag, 19. Januar 2008



Wein schafft Wohlbehagen und die Fähigkeit zu einem Lächeln

Wie wählt man den Wein aus, der für jeden Tag passt und im engsten Familienkreis ebenso mundet wie in Gesellschaft guter Freunde, oder im Restaurant eines Grand Hotels? Dieser Wein kann eine reichhaltige und auch eine raffinierte Mahlzeit begleiten. Er löscht stets den Durst, kann grosszügig genossen werden und wird niemals enttäuschen. Er ist ein guter Kamerad, um den man nicht viel Aufhebens machen muss. Von ihm wird nicht verlangt, dass er ein Gericht besonders aufwertet. Er soll hingegen eine Mahlzeit nicht verderben, und sie auf angenehme Weise und ohne Nachwirkungen begleiten. Also wird man genau darauf achten, nicht einen einfachen Rosé- oder Rotwein zu erwischen, dessen harmloses Aeusseres darüber hinwegtäuscht, dass er einen schweren Kopf verursacht und vielleicht noch die Gedanken verwirrt. Leichtigkeit ist nicht gleichbedeutend mit Mittelmass, und Einfachheit hat nichts mit Einfalt zu tun. Ein einziges richtiges Wort wiegt oft mehr als ein langer Satz. Ein ungekünstelter geradliniger Wein, der regelmässig Mahlzeiten begleitet, die heute leider nur allzu oft viel zu schnell eingenommen werden, hilft nicht nur bei der Erledigung der Arbeit, sondern schafft auch Wohlbehagen und die Fähigkeit zu einem Lächeln. Dinge, die in unserer hektischen Zeit sehr wichtig sind. Unter Weinen, die für den täglichen Bedarf geeignet sind, verstehen wir ausschliesslich junge, leichte Rotweine.



Körper und Geist entspannen

Die Weissweine und die diversen Crus haben ihren Platz an anderer Stelle, wie z.B. an einem Dîner in einem Grand Hotel. Auch hier spielt jedoch der individuelle Geschmack eine wichtige Rolle. Hat man das Glück, in einem Weinanbaugebiet zu leben, so findet man dort unschwer die am besten geeigneten Weine. Dabei sollte man jedoch auch die Verschnittweine nicht verachten, die sorgfältig hergestellt und auch ausgewählt, durchaus ihren Reiz haben können. Die Italiener werden sich dabei vielleicht für einen leichten Wein aus dem Piemont entscheiden, die Spanier wählen einen Wein aus Galicien oder La Mancha, die Franzosen einen Bordeaux oder einen Burgunder inklusive dem Beaujolais. Gerne nimmt man an einem schön gedeckten Tisch Platz und freut sich auf ein hervorragendes Abendessen. Bei Mahlzeiten mit Freunden spielt der Wein eine wichtige Rolle. Bei all diesen Mahlzeiten handelt es sich jedoch nicht um grosse Empfänge (die auch nicht immer so wichtig sind, wie es scheinen mag) nicht um aufwendige Mahlzeiten im grossen Stil. Aber der Tisch für das Essen, an dem Körper und Geist entspannen können und frei sein dürfen, für ein Mahl mit Freunden wird stets mit besonderer Sorgfalt gedeckt.

Bevor wir auf die Auswahl eines Weines eingehen, einige Worte zum Speiseplan. Gott sei Dank verwechselt man heute nicht mehr überall Ueberfluss mit Raffinesse und Quantität mit Qualität. Denn die Gäste müssen die Tafel nicht unbedingt einem Schlaganfall nahe und mit wackligen Knie verlassen. Ein ausgewogenes Mahl soll vielmehr fröhlich stimmen und jeden mit Wohlbehagen erfüllen. In der Regel reicht man ein Horsd'oeuvre, ein leichtes Entrée, ein Fleischgericht, Gemüse, Käse und ein Dessert, vereinfacht ausgedrückt Appetithäppchen, Vorspeise, Hauptgericht und eine oder mehrere Nachspeisen. Ein auf diese Art zusammengestelltes Menu bestimmt auch die Wahl des Weines. Halten wir es an dieser Stelle am besten mit der Empfehlung, die Kenner von Küche und Keller ausgesprochen haben.



Die Weinflasche ist bei Tisch Königin und der Wein ein Edelmann

Warum nicht einfach einen Wein nehmen, den man gut kennt, der das richtige Alter hat und alle seine Qualitäten voll entfaltet ? Und warum nicht einfach die Speisenfolge auf diesen Wein abstimmen statt umgekehrt ? Die Methode mag zwar vielleicht etwas befremdlich anmuten, hat aber ihre Vorteile. Sie revidiert viele weitverbreitete Regeln über den Ablauf einer Mahlzeit. Und wer das Glück hat, auf einen Keller mit einigen besonders guten Flaschen zurückgreifen zu können, kann sie auf diese Weise mit ausgewählten Gästen teilen. Wir verzichten hier auf feste Regeln. Was zählt, ist einzig die Qualität des Weins, denn die Weinflasche ist bei Tisch Königin. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie aus dem Bordeaux, aus Burgund, aus der Toskana, aus Kalifornien, Australien oder Douro und Rioja kommt. An einem grossen Dîner macht der Wein oft von sich reden. Jeder der grossen Weine spielt dabei seine Rolle in einem grossen "Orchester". Das Haus ist bereit. Das beste Geschirr, die schönsten Gläser, das teure Silber und das kostbare Leinen sind vorbereitet. Die Speisenfolge wurde mit viel Geduld und Fingerspitzengefühl festgelegt. Die Gäste sind da. Jeder hatte die Zeit sich umzusehen und mit den Leuten bekannt zu machen, die er das erste Mal getroffen hat. Man geht zu Tisch, wo man ein Loblied, ja eine Hymne auf die Kochkunst des Restaurants singt. Und dann kommt die erste Flasche des ersten Weins.

Der Wein ist ein Edelmann. Seine natürliche Vornehmheit und seine gute Erziehung verbieten es ihm, die Aufmerksamkeit ausschliesslich auf sich zu lenken. Er wird sich vielmehr dem feinen Geschmack der Gerichte anpassen. Als guter Begleiter wird er sie ins rechte Licht rücken und die Qualitäten noch unterstreichen. Kein noch so grosser Weinfreund nimmt es nämlich hin, dass dieses edle Getränk die Rolle des Küchenchefs schmälert. Denn auch in einem grossen Konzert spielt die beste Geige der Welt mit dem Orchester und nicht dagegen.

Es ist jetzt das vierte Mal. dass die Weinfreunde mit dem Grand Hotel Bellevue einen Abend mit "Wine & Dine" veranstalten. Die eingangs erwähnten Bemerkungen wurden auch an diesem Abend sehr ernst genommen. Der Sommelier (Weinkellner) Mathieu Zimmermann und der Küchenchef, Richard Mebkhout, haben wiederum zusammen mit der Direktion des Hotels und den Weinfreunden ein für uns nie vergessliches Programm von Speisen und Weinen zusammengestellt. Zu jedem einzelnen Gericht wurde ein passender Wein serviert.

Die beiden Spezialisten haben auch dieses Jahr keine Mühe gescheut um ein Menu und einem passenden Wein zusammenzustellen. Den Weinfreunden hat es wirklich ausserordentlich gefallen. Hier waren ausgesprochene Künstler am Werk. Der riesige Arbeitsaufwand hat sich tausendfach gelohnt. Die Weine und das Dîner waren etwas vom Besten, das im Restaurant Prado des Grand Hotel Bellevue den Kunden vorgesetzt wird. Einer unter den Teilnehmen gestand sogar, er hätte noch nie so etwas Phantastisches zum Essen serviert bekommen.



Der Stern von Michelin

Seit kurzem besitzt das Restaurant Prado auch einen Stern von Michelin, was dem uns Dargebotenen auch wirklich entsprach. Bald ist die Küche reif, für einen zweiten Stern. Wir können an dieser Stelle nur gratulieren!

Das Grand Hotel Bellevue sagt in seinen Pressekontakten :
"Essen ist die sinnlichste Art, Kultur zu geniessen. Was in unseren Restaurants aufgetragen wird, ist eine köstliche Symbiose der klassischen und modernen Kochkunst. Nur dem guten Geschmack und der verwöhnten Zunge verpflichtet. Jeden Tag leistet die Küche unseres Hotels einen Beitrag gegen den Knopf im Kopf. Denn auch der Geschmackssinn will unterhalten sein. Wie alle anderen Sinne, deshalb kreieren wir für Sie Gemälde auf den Teller".

Der diesjährige Anlass fand wiederum im Restaurant Prado statt. Die gemütliche Atmosphäre trägt wie jedesmal zum Gelingen unseres "Wine + Dîne" bei. Die Weinfreunde Gstaad-Saanenland legen enorm viel Wert auf so eine Umgebung. Dieses Jahr waren leider insgesamt nur -7- Weinfreunde anwesend. Hiermit danken wir dem Grand Hotel Bellevue, dass sie diesen Anlass trotz wenigen angemeldeten Teilnehmern durchgeführt haben.

Das -6- Gang Menu 2008 wurde sehr enthusiastisch aufgenommen. Jedes einzelne Menu war Spitzenklasse. Das überaus persönliche Klima mit einigen wenigen Weinfreunden trug ganz sicher auch zum grossen Erfolg dieses Abends bei. Wahrlich, es war eine einzige kleine Familie, inklusive Personal, welche sich hier an einem ausgeklügelten Essen und den darauf abgestimmten Weinen freuen durften.


    Der Apéritiv wurde diesmal in der Hotel Lobby serviert. Dazu ein Schiefer Riesling vom Weingut Van Wolxem (Deutschland).

    Zum "Amuse Bouche", bestehend aus einer "Crème de pommes de terre au truffes noires et foie gras" genossen wir einen Crozes-Hermitage von Alain Graillot.(Côte de Rhône/Frankreich).

    Als 1. Gang gab es dieses Jahr "Oursin et chair de tourteaux en gelée safranée, Crème acidulée et caviar" (Seeigel und Tasschenkrebs) mit einem Menetou Salon "Clos de Ratier" der Domaine Henry Pellé.(Loire/Franklreich), beides Weissweine.

    Nachher, zum Chardonnay "La Mailloche" (Jura/Frankreich) der Domaine Tissot, der besondere Fisch "Filet de sole en nage de légumes und Coquillages et crustacés sauce au vin jaune".

    Der Hauptgang bestand aus "Filet de veau en chapelure d'herbes et truffes, Cote et vert de blette, trois pommes Berny und dem Rotwein Rosso di Montefalco von Paolo Bea.(Italien)

    Zum Fromage affinés par "Maître Antony" (drei diverse Blauschimmelkäse) servierte das Hotel uns einen leicht süssen Montilla - Moriles Don PX "Reserva Especial" von Toro Albala. (Spanien).

    Zur Grande assiette de desserts "Grand Hotel Bellevue" liess uns Herr Zimmermann einen Chasselas "l'Alchimiste" von Jean Daniel Giauque (Schweiz) degustieren.


Zusammengefasst kann ohne Uebertreibung gesagt werden: Ein enorm gelungener Abend auf einem überaus hohen Niveau! Wir danken hiermit den Herren Zimmermann und Mebkhout sowie Herrn und Frau Michel und Ilse Wichman sowie allen Verantwortlichen vom Hotel Bellevue inklusive Servicepersonal für ihre grossartige Leistung. Die Weinfreunde waren sich einig, es war ein ausgezeichneter Abend, sogar noch besser als das letzte Mal.

Degustierte Weine


Bilder des unvergessenen Abends

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© 2008 Hans Liechti