Weinfreunde Gstaad-Saanenland




Wine & Dîne sowie Degustation unter dem Titel
"Der Walliser Wein und seine Winzerinnen"
Samstag, 19. September 2009 im Restaurant Chesery Gstaad


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Winzerinnen im Aufwind

Winzerinnen aus dem Wallis befinden sich im Aufwind. Soeben wurde Madeleine Gay als "Schweizer Winzerin des Jahres" ausgezeichnet und im Walliser Bücherdorf Saint Pierre de Clages präsentierte Josiane Chevalley gerade ihr neues Buch "Vigneronne passionnement" auf Deutsch: Winzerinnen aus Leidenschaft. Schon seit je war das Wallis durch Landwirtschaft und Weinbau geprägt, aber dass im patriarchisch angehauchten Kanton ausgerechnet Frauen eine wichtige Rolle beim steilen Anstieg der Weinqualität spielen, ist schon erstaunlich.


Es ist gar noch nicht so lange her, da wurden die Walliser Weine Fendant und Dole abfällig als saures und dummes Gesöff, wovon es erst noch zu viel gab, bezeichnet. Inzwischen startete die Walliser Weinzunft zu einer wahren Rebensaft-Renaissance durch: Heute heimst der südliche Kanton mit der grössten Weinproduktion der Schweiz Auszeichnungen und internationale Preise am Laufmeter ein, und nicht selten sind es die ausgezeichnete Nase und das goldene Mischhändchen weiblicher Oenologen oder Weinmacherinnen, welche ihm diese Ehre bescheren.



Trendsetterin Madeleine Gay

Ganz ausgedient haben die früher traditionell angebauten Rebsorten wie Chasselas, Pinot noir und Gamay zwar nicht, aber sie werden sukzessive durch exotischere , jedoch ebenso autochtone oder heimische Traubensorten wie Cornalin, Syrah, Humagne rouge, Petite Arvine, oder Heida ersetzt. Der Wein dieser alten Rebsorten besticht durch würzige, deliziöse Kräuter, erdig mineralische Wohlgerüche und ein subtiles bis intensives Duftbukett.

Trendsetterin ist die neue Winzerin des Jahres Madeleine Gay. Anfang der achtziger Jahre trat sie als junge einheimische Oenologin eine zuerst mühselige, doch schon bald steile Karriere bei der grössten Weingenossenschaft Provins in Sitten an. "Mit meinem Diplom der Ingenieurschule noch druckfrisch in der Tasche, schrieb ich 1982 einen flammenden Bewerbungsbrief an die Direktion, worin ich bedauerte, wie einstige Walliser Weinspezialitäten immer mehr in Vergessenheit gerieten. Von rund 52 (!) Rebsorten in unserem Kanton wollte ich wenigstens einige wieder aufleben lassen", erzählt des Wallis erste weibliche Weinmacherin.

Die Weinbauern des Wallis haben ihre Hausaufgaben sorgfältig gemacht: Waren früher Weissweinschwemme und Ueberproduktion arge Reizworte, so werden heute nur noch 1,4 kg Chasselas Trauben (Fendant) und 1,2 kg der übrigen Rebsorten pro Quadratmeter angebaut. Dadurch wurde die Weinschwemme abgebaut und eine erhebliche Qualitätssteigerung erreicht. Oenologin Madeleine Gay trug durch Neupflanzung vieler Rebberge massgebend dazu bei, das walliser Weinerbe mit regionalen, vom Terroir geprägten Rebsorten wieder aufleben zu lassen.

Die Abstimmung zwischen Boden, Bepflanzung und Lage spielt eine wichtige Rolle. Weil die Alteingesessenen ihr Rebgärtchen oft partout nicht verkaufen wollten, schliesst Provins mit ihnen Rebarten-Mietverträge über 20 Jahre ab. Während dieser Zeit bepflanzt und bewirtschaftet Frau Gay das angemietete Rebland mit dort am besten geeigneten Rebsorten.

Unabhängige Winzerinnen

Zurzeit sind im Wallis rund 800 professionelle Winzer in der Weinproduktion tätig, oft in Familienbetrieben. Dort legten Frauen schon immer mit Hand an, aber bis vor kurzem eher im Hintergrund. Marie Therese Chappaz und Marie Bernard Gillioz sind die einzigen unabhängien Winzerinnen, erzählt Corinne Clavien , auch sie als ausgebildete Weinfachfrau tätig und zwar als Oenologin des Walliser Landwirtschaftsamtes. Sie rühmt die Solidarität unter den Winzerinnen, welche sich als "Artisanes de la vigne et du vin" zusammengeschlossen haben. Gemeinsam hoben sie auch das Buch über ihr Schaffen mit zauberhaften Photografien von Stefania Gross Villa aus der Taufe. Die Weinfreunde hatten heute die Gelegenheit mindestens von einem Teil der obenerwähnten Winzerinnen einen Wein degustieren zu können. Es handelt sich hierbei um die Damen Madeleine Mabillard-Fuchs aus Venthone, Véronyc Mettaz, Fully, Marie-Bernard Gillioz, Grimisuat, Fabienne Cottagnoud, Cave des Tilleuls, Vétroz und Isabelle Dupont aus Saxon. Seit den achtziger Jahren engagiert sich das Wallis für Anbaumethoden, die dem natürlichen Lebensraum der Rebe Rechnung tragen. Als eigentliche Pioniere gelten unter anderem auch die Winzerinnen, welche mit sehr viel Erfolg einen umweltfreundlichen Weinbau betreiben.



Zu Gast in der Chesery

Endlich war es wieder soweit. Der Traum vieler unserer Weinfreunde ging nochmals in Erfüllung: Wir durften eine Degustation im Restaurant Chesery in Gstaad geniessen. Seit 1984 ist Roberth Speth im Restaurant "Chesery" in Gstaad. Heute wieder unser Gastgeber. Er hat sich stetig und beharrlich auf höchstes Niveau hinaufgekocht : 1998 wurde er mit einem Michelin Stern ausgezeichnet, 2005 wurde er von Gault/Millau zum "Koch des Jahres" ernannt. Seine Küche zeugt von Grosszügigkeit und Schnörkellosigkeit. Höchst gekonnt verbindet er einfachste mit edelsten Produkten, beherrscht die italienische ebenso wie die französische Küche und macht raffinierte Anleihen bei der asiatischen Kochkunst, wobei seine Vorliebe Fisch und Krustentieren gilt. Er pflegt die Kunst der Einfachheit auf höchstem Niveau: keine unnötigen Dekorationen oder komplizierten Kombinationen, sondern der unverfälschte Eigengeschmack des Produkts steht im Mittelpunkt. Kulinarische Höhenflüge und dennoch ganz reell, bodenständig und auch für Hobbyköche- und Köchinnen nachvollziehbar. Robert Speth kocht ohne Schnickschnack, dafür mit beeindruckender Präzision. Er beherrscht die bodenständige regionale Küche genauso wie die Haute Cuisine. Mal kocht er rustikal, mal aufwendig - aber stets brillant. Und er wird mit dem Alter immer besser. Dies die Worte von Urs Heller von GaultMillau Schweiz.


Von der Theorie zur Praxis
Insgesamt -21- Weinfreunde waren an diesem Abend anwesend, und wurden, wie beim letzten Mal, sehr herzlich begrüsst von unserem Gastgeber Robert Speth. Ivan Letzter, "Sommelier des Jahres 2008" Gault/Millau und Oberkellner im Restaurant Chesery Gstaad begleiteten uns wie immer sehr gekonnt und fachkundig durch den Abend. Als überaus grosser Kenner der Weinszene suchte er die Weine für die diesjährige Degustation wieder ganz persönlich für uns aus. Alle anwesenden Mitglieder der Weinfreunde Gstaad-Saanenland waren überaus zufrieden mit seinen präzisen Ausführungen. Er erklärte die Weine, sprach über die Weingüter sowie die Winzerinnen in einer sehr gut verständlichen Sprache und nicht mit einem von vielen Spezialistenausdrücken gespickten Vortrag. All dies kam in hervorrgender Art und Weise daher, kurz und bündig. Die Kommentare zu den verschiedenen Speisegängen und über die degustierten Weine waren absolut klar. Dazu gab er uns wie schon üblich viele gute Anregungen zu den servierten Produkten. Das Menu von Robert Speth für die Weinfreunde sah am heutigen "Wine and Dine " wie folgt aus :

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    Apéritif au Bar mit einem reinen Chasselas, Les Carles von Madeleine Mabillard-Fuchs, 2008.

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    Les Coquilles St. Jacques/Crevettes marinées mit Petit Arvine "Les Mures", Véronique Mettaz, Fully .

    La truite du Lac de Neuchatel et Beurre blanc mit demselben Grand Cru aus Fully, Jahrgang 2008

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    Les délices de porc de la montagne roti au four sur choucroute à la Crème zusammen mit einem blind degustierten Rotwein, welcher sich nach langen Diskussionen über die Rebsorte wie z.B. Humagne Rouge, Cornalin oder Syrah als ein Dole entpuppte, d.h. 51 % Pinot Noir, 43 % Gamay und 6 % Diolinoir und zwar vinifiziert von Marie Bernard Gillioz, vigneronne, encaveuse aus Grimisuat, Sion, AOC Valais. (Die Aufnahme dieser neuen Rebsorte in den Bestand geschah, um den Weinbauern einen Rebstock zu bieten, der unter Schweizer Breitengraden ausreift und gleichzeitig eine konzentrierte Struktur aufweist, mit Tanninen und einer guten Farbintensität, d.h. Kreuzung der Traubensorten Rouge de Diolly sur Sion mit Pinot Noir, Neuzüchtung aus dem Jahre 1970) .

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    La tarte aux pêches à la Glace Pandan, serviert mit einem Amigne flétri de Vétroz, zubereitet von Fabienne Cottagnoud, Cave des Tilleuls, aus Vétroz. Jahrgang 2006, Apellation d'origine Valais.

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    Les Friandises, dazu kam die Ueberraschung in Form eines Eau de vie d'abricot de Saxon, Jahrgang 2005, Produit naturel, hergestellt von Isabelle Dupont in Saxon, Alkoholgehalt 45 % vol. Bei der Degustation von Italienischen Weinen haben wir normalerweise am Schluss noch einen Grappa erhalten. Ivan Letzter wollte uns mit dem Eau d'Abricot sozusagen einen kleinen Ausgleich schaffen,was sämtliche anwesenden Weinfreunde natürlich enorm zu schätzen und zu geniessen wussten.
Wir waren allesamt wahnsinnig begeistert vom Gebotenen. Sämtliche Gänge waren hervorragend. Ich möchte hier nur "Les délices de Porc de montagne" aufführen, welches für mich einfach mehr als nur Spitzenklasse war. Robert Speth und seine Mannschaft haben erneut bewiesen, warum sie ihr hohes 18 Punkte Niveau von Gault/Millau immer wieder erhalten. Das wohl schönste Lob an einen Gastgeber ist, wenn jeder Teilnehmer sagen kann : "Wir kommen wieder"! Das haben die Weinfreunde Gstaad-Saanenland natürlich auch im Sinn und sicher finden wir im Herbst 2010 wiederum ein allen Weinfreunden gut passendes Datum.

Degustierte Weine


Bilder des Abends

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© 2009 Hans Liechti