Weinfreunde Gstaad-Saanenland




Degustation Neues aus dem Piemont vorgestellt von Lorenzo Picollo aus Rovereto di Gavi und Marco Porello aus Canale d'Alba zusammen mit Martin Riedi und Vinoteca Martino,
Samstag, 05. Dezember 2009, Hotel Spitzhorn, 3792 Saanen


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Das Piemont

Piemont, das Land "zu Füssen der Berge", gehört zu den führenden Weinbauregionen Italiens und kann sich rühmen, die reichste Palette an italienischen Spitzenweinen darzubieten. Mit Abstand steht Piemont qualitativ an erster Stelle. Piemont hat eine Bevölkerung von 4,5 Millionen Einwohnern. Es ist ca 25'400 km2 gross, wovon fast ein Drittel Hügelland ist. Im Norden und Westen von den Alpen, im Süden vom ligurischen Appennin umgeben, wird das Land nur nach Osten zu allmählich zur Ebene. Die Hauptstadt des Piemont ist Turin (Torino), seine Provinzen sind Torino, Alessandria, Asti, Cuneo, Vercelli und Novara. Die Rebfläche hat eine Grösse von 97000 Hektar. Die Weingärten liegen zu einem grossen Teil im Hügelgebiet nördlich und südlich des oberen Po-Tales, vor allem im Gebiet von Monferrato, sowie im Hügelgebiet nordwestlich von Novara und Vercelli. Fast jeder dieser Voralpenhügel hat ein spezielles Mikroklima und eine eigene Bodenbeschaffenheit, so dass sich die Weine in ihren charakteristischen Hauptmerkmalen deutlich voneinander unterscheiden, obwohl ihre oft sehr kleinen Anbaugebiete dicht aneinandergrenzen. Das Weinanbaugebiet des Piemont wird von rund 110000 Weinbaubetrieben bewirtschaftet, wobei etwa 80 % der Weingärten kleiner als ein Hektar sind. Daher gibt es im Piemont mehr als 70 Winzergenossenschaften, in denen 21800 Winzer also rund 20 % zusammengeschlossen sind.

Weinkundlich lässt sich das Piemont in vier grosse Weinanbaugebiete einteilen :
    1. Das erste Gebiet ist die Gegend rund um Ivrea. An berühmten Weinen stammen von dort, der dem Barolo ähnelnde rote Carema, der weisse trockene Erbaluce und der weisse süsse, weiche Caluso Passito.

    2. Das zweite Gebiet ist das Monferrat, eine Rebzone, bestehend aus einer Reihe von Hügeln, die sich südöstlich von Turin bis nach Alessandria erstrecken. Sie wird vom Fluss Tanaro geteilt. Mittelpunkt des Gebietes ist die Stadt Asti. Hier findet man an den berühmten Weinen die roten Barbera d'Asti und del Monferrato, den Schaumwein Asti Spumante, den rubinroten Grignolino del Monferrato Consalese und den weissen, möglichst jung zu trinkenden Cortese di Gavi.

    3. Das dritte Gebiet ist die Langhe, eine Anbauzone, die sich vom Monferrat im Osten bis Cuneo im Westen ausdehnt. Hier werden die vielleicht berühmtesten Rotweine des Piemont gewonnen, nämlich der Barolo und sein Zwillingsbruder Barbaresco, der Nebbiolo d'Alba der Dolcetto mit den verschiedenen Ursprungsbezeichnungen, sowie der Barbera d'Alba.

    4. Das vierte Gebiet umschliesst die Provinzen Vercelli und Novara. Hier wären an berühmten piemontesischen Weinen der hervorragende Gattinara, der rubinrote Fara, der rubinrote Boca, der granatrote, gehaltvolle Ghemme, der rubinrote, würzige Sizzano und der seltene granatrote Lessona zu erwähnen.



Drei der besten Weissweine Italiens kommen aus dem Piemont

Die piemontesischen Weine waren bereits zu Zeiten der Römer berühmt. Im Gegensatz zu manchen anderen Weinbauregionen Italiens bringt das Piemont überwiegend reinsortige Weine hervor, die nicht nur in Italien sondern auch im Ausland bekannt und berühmt sind.
Die wichtigsten Rebsorten und ihre Anteile im Piemont sind heute:
    Weisswein - Moscato bianco, Cortese, Erbaluce

    Rotwein - Barbera, die weitest verbreitete Weinrebe, Nebbiolo (auch Spanna oder Chiavennasca genannt ; die berühmtesten Rotweine aus dieser Traube sind Barolo, Barbaresco, Nebbiolo d'Alba, Carema, Gattinara, Lessona, Boca, Fara, Ghemme, Sizzano), Dolcetto, Grignolino sowie Malvasia di Casorzo und Schierano, Brachetto, Freisa, Bonarda, Croatina, Uva rara, Vespolina.

Von der gesamten Weinernte des Piemont entfallen rund 90% auf Rotweine und nur 10% auf Weissweine, von denen neun Zehntel als Schaumwein verarbeitet werden. Drei der besten Weissweine Italiens kommen aus dem Piemont. Es sind dies der Schaumwein Asti Spumante und der süsse Moscato d'Asti, die beide aus der weissen Muskateller Traube gewonnen werden, sowie der aus der gleichnamigen Rebsorte stammende Arneis, ein eleganter, trockener Wein, der leider nur sehr selten zu bekommen ist.


Weinbaubetreiber Lorenzo Picollo

Das Landwirtschaftsunternehmen Picollo Ernesto befindet sich auf ca. 260 m Höhe in Rovereto di Gavi, dem höchsten Weingebiet Prestige Gavi der gesamten Region. Von hieraus begann vor mehreren Jahrhunderten der Anbau von Weintrauben "Cortese" sowie die Kelterung von Weisswein, die gewonnene Qualität war sehr gut. Die Weine wurden zunächst an der ligurischen Küste in Restaurantbetrieben ausgeschenkt, sein Ruhm verbreitete sich jedoch sehr schnell auch im restlichen Italien. Im Jahre 1974 wurde dem Wein die DOC-Auszeichnung verliehen und 1998 wurde der Wein-Gavi mit dem DOCG ausgezeichnet, was ihn zu einem der besten Weissweine Italiens machte und weithin für seiner Verbreitung führte. Dem Unternehmen Picollo ist es nach langer und anstrengender Arbeit und dreier Generationen gelungen, den Traum des Gründers wahrzumachen und ausgezeichnete Weine von internationaler Qualität herzustellen. Mit vielen Opfern hat sie moderne Edelstahl-Tanks sowie eine komplett neue Abfüll-Anlage errichtet. Das Verarbeitungsverfahren beruht auf der strengen traditionellen Herstellungsweise. Alles hängt jedoch davon ab, dass ein guter Wein nur aus ausgezeichneten Trauben entstehen kann. Das Unternehmen hält derzeit etwa 7 Hektar Weinberge, mit einem durchschnittlichen Alter der Reben von 25 - 30 Jahren.
Als Repräsentant des Weinbaubetriebes war an diesem Abend Lorenzo Picollo persönlich anwesend, um uns seine Weine vorzuführen. Diesmal wieder einmal auf italienisch, mit dem Kommentar und der Uebersetzung von Martin Riedi, unserem Gastgeber.


Weingut von Marco Porelli


Mitten im Tal con Canale begegnen wir, versunken zwischen den Vorzeigeortschaften Barolo und Barbaresco, einem wahren Kleinod. In den Hügeln von Guarene und Canale treffen wir auf das Weingut von Marco Porelli und dessen erstklassigen Weingärten. Vergessen von all den Weinkenner-Koryphäen gedeiht reinsortiger Roero-Arneis aus erstklassigen Hanglagen. Die heutige Bewertung im Gambero Rosso war noch nicht annähernd soweit wie heute, da war dieses bis dato völlig unbekannte Weingut bereits ein Geheimtyp. Es ist nicht eigentlich die Gläser Bewertung im Gambero Rosso, sondern die gefestigte Meinung jemanden vor sich zu haben der den meisterlichen Umgang mit den Rebsorten Roero Arneis, Barbera und Nebbiolo versteht. Auch Marco Porello führt den Betrieb jetzt schon in der dritten Generation. Er stellt für uns ein Ausnahmetalent dar. Ein Winzer, dessen Weine schon heute die der ganz Grossen überholt haben. Er hat noch eine glänzende Zukunft vor sich. Das Preis-Genussverhältnis seiner höchst authentischen Weine ist im Piemont schwerlich zu überbieten. Und das Beste für die Weinfreunde Gstaad-Saanenland: Er war heute ebenfalls ganz persönlich anwesend und präsentierte uns seine ausgezeichneten Weine.


Die Degustation


Beide Winzer führten uns gekonnt durch den Abend und ihre phantastischen Weine. Glücklicherweise liegt das Piemont nicht am Ende der Welt, so dass die beiden sich einen Ausflug ins Saanenland leisten konnten. Damit kamen die Weinfreunde in den Genuss einer überaus eindrucksvollen Präsentation von grossartigen Weinen aus dem Piemont.

Trotz seiner Uebersetzungsarbeit konnte sich Martin Riedi der Küche widmen und wie: Was zu den einzelnen Weinen serviert wurde, war einfach gesagt ein Traum, und das schon fast traditionell wiederum aus acht Gängen bestehende Dîner war immer noch auf dem Niveau seiner seit 2 Jahren bestehenden Punkte bei Gault et Millau. Insgesamt 42 Weinfreunde waren an diesem Abend dabei und freuten sich wie gewohnt am Dargebotenen. Wie immer wurde das Apéro im Seminarraum des Hotels, d.h. im Untergeschoss serviert.
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    Es gab also Salumi e Grissini Piemontesi (von den beiden Referenten selbst im Piemont ausgesucht und mitgebracht) mit Rove Rina, Spumante von Ernesto Picollo.

    Die übrigen Gänge durften wir im prall gefüllten Restaurant des Hotels Spitzhorn einnehmen. Die Stimmung war einzigartig und die Atmosphäre war mehr als nur perfekt. Die einzelnen Gänge des Menus wurden den Weinen angepasst, was meist ein kleines Kunstwerk für sich selbst bedeutet.

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    Zu Involtini di peperoni con mousse di tonno erhielten wir den berühmten Gavi di Gavi von Ernesto Picollo.

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    Anschliessend durften wir Carnaroli di Acquerello al tartufo bianco mit einem Roero Arneis Camestri von Marco Porello geniessen. Das war vielleicht schon fast der Höhepunkt des Abends, vor allem weil die Trüffel dazu wiederum so richtig schmeckten.

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    Damit war aber noch nicht genug der Spezialitäten. Es ging weiter mit Agnoletti al burro e salvia, dazu ein Mugreigu, Rotwein von Ernesto Picollo.

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    Als Hauptgang servierte man uns Tagliata di manzo con funghi e verza zusammen mit einem Barbera Filatura von Marco Porello, vielleicht der beste Wein am heutigen Abend.

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    Zu den Formaggi Piemontesi (diese wurden von den beiden Weinbauern persönlich ins Saanenland gebracht) schmeckte der aus Nebbiolo Trauben stammende Rotwein Roero Torretta von Marco Porello riesig und begeisterte die Teilnehmer.

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    Zum Dessert erhielten wir ein Tiramisu al mascarpone e marroni, das zusammen mit dem unbekannten Rotwein Birbet, Bracchetto von Marco Porello aufgetischt wurde.

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    Zu Caffé und Amaretti durfte der Grappa nicht fehlen, nochmals ein Produkt von Ernesto Picollo. Dieses wurde gemäss italienischem Gesetz abgefüllt durch die Firma Lorenzo Inga, San Salvatore Monferrato, Piemont.



Wir durften auch heute wiederum einen phantastischen Abend mit einer Menge kulinarischer Höhepunklen geniessen. Hiermit danken wir unserem Vorstandsmitglied Martin Riedi und seiner Frau, den beiden Herren Picollo und Porello aus dem Piemont sowie den vielen hilfreichen Diensten des Restaurant Spitzhorn in Saanen herzlich für ihren riesengrossen Einsatz. Zu einem gelungenen Abend gehört auch der Service, welcher heute wirklich sehr diskret und aufmerksam war. Die Weine der Degustation werden wir wie immer, am Schluss unserer Ausführungen wieder kommentieren.

Degustierte Weine


Bilder des Abends

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© 2010 Hans Liechti