Weinfreunde Gstaad-Saanenland




Degustation Neues aus dem Unterwallis
vorgestellt von Philippe Darioli, Topwinzer aus Martigny
zusammen mit Martin Riedi und Vinoteca Martino,
Samstag, 04. Dezember 2010 im Hotel Spitzhorn, Saanen


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Die Römer brachten die Reben ins Wallis

Das Wallis ist der grösste, vielfältigste und wohl interessanteste Weinbaukanton der Schweiz. Er bringt 30 % aller Schweizer Weine zusammen hervor, hat ca 5100 Hektaren angebautes Rebland. Das Gebiet erstrecket sich entlang der Rhône vom Oberwallis (deutschsprachig) bis ins Unterwallis, welches französischsprachig ist. Insgesamt werden 47 Sorten angepflanzt unter anderem auch viele Spezialitäten wie wir sie heute Abend geniessen durften wie z.B. den Petite Arvine, den Païen, den Ermitage, Humagne Rouge, den Cornalin und auch den Flétri, ein dunkler, süsser Spätlesewein. Er wird, wie Süsswein (z.B. Sauternes/Beerenauslese) aus überreifen, teilweise rosinenartig getrockneten Trauben mit hoher natürlicher Restsüsse erzeugt. Der Ursprung der Reben kommt vermutlich aus der Region zwischen Euphrat und Tigris, dem Zweistromland. Der Rebbau verbreitete sich rasch zu den Etruskern und den Römern, und eben diese brachten, wie sollte es anders sein, die Reben ins Wallis. Einige Rebsorten tragen noch immer lateinische Namen wie z.B. Amigne und Arvine. Ein erstes Dokument, welches im Kloster St. Maurice aufbewahrt wird, stammt aus dem Jahre 516. Erst im 11, Jahrhundert werden die Rebberge wieder erwähnt, d.h. Fully, Leuk und Visp.

Zu dieser Zeit wusste man im Wallis nicht ganz, welche Traubensorte man anpflanzen sollte. Von zurückkehrenden Söldnern wurden Ermitage, Sylvaner, Riesling, Malvoisie und Pinot Noir mitgebracht. Der Chasselas, welcher in der Region Genf als Tafeltraube angepflanzt wurde, begann dann einen triumphalen Einzug im Wallis. Das Wallis, welches eines der schönsten und eigenwilligsten von Europas Weingebieten ist, hat vom Gletscher in den Alpen bis hin zum mediterranen Klima sehr viel zu bieten. Das Walliser Klima ist für seine extreme Hitze und starke Besonnung berühmt, wie auch für seine grosse Trockenheit. Tatsächlich gibt es hier mehrere Jahre mit ausgezeichneten Ernten und dann auch wieder viele mit nur sehr bescheidenem Erfolg. Der Boden im Wallis ist reich an Schlamm, Sand und Kies, erwärmt sich rasch und hält das Wasser gut zurück.

Philippe Darioli, Martigny

Einer der ganz grossen Winzer im Unterwallis ist Philippe Darioli aus Martigny. Er ist ein begnadeter Produzent, macht sehr viel Wein, immer von einer Spitzenqualität. Vor allem das Unterwallis produziert den Chasselas respektive Fendant in höchster Qualität. Fein, gediegen und sehr natürlich. Ein zweiter Weisswein ist der Johannisberg. Aus der Rieslingtraube entsteht ein reiches Bouquet. Mit seinem leichten Muskatton hat er einen umwerfenden Charakter. Einer der bekanntesten Rotweine ist der Dôle, zusammengesetzt aus Gamay und Pinot Noir. Der Wein hat eine bemerkenswerte Harmonie und gilt weltweit als ausgeglichen, körperreich und rund. Der Pinot hat Rasse und viel Körper, d.h. Bouquet. Der Gamay bringt seine Fruchtigkeit und Robustheit. Daneben hat es im Wallis sehr viele Spezialitäten, die die Walliser Weinproduktion ausgezeichnet ergänzen. Diese werden in sehr geringem Masse angepflanzt und die Produktionsmengen sind sehr knapp. Diese Weine trinkt man meistens nur in speziellen Momenten wie an Geburtstagen, Festen etc.Es sind mit kleinen Ausnahmen praktisch alles nur Weissweine. Ihre Namen sind Amigne, Arvine, Gwäss, Heida, Himbertscha, Humagne, Lafnetscha und Muscat. Unter den alten Traubensorten fällt die Humagne Rouge besonders auf, die nicht mit der weissen Humagne verwandt ist. Nach Meinung von Fachleuten handelt es sich um die Sorte Oriou aus dem Aosta Tal. Sie, liefert robusten, angenehm tanninreichen und appetitanregenden Landwein. Cornalin wird selten mehr angebaut, , weil diese Traube durch unregelmässige Erträge und launische Art für kommerzielle Erzeuger sehr riskant ist. Sie findet aber bei Weinliebhabern wegen ihrer tiefroten Farbe und der phantastischen Frucht mit viel Tanningehalt ein sehr starkes Interesse. Vielleicht kann man noch die erst vor kurzem eingeführte Traubensorte Syrah erwähnen, welche vor allem um Chamoson herum sehr gut gelingt. Es wird sogar noch etwas Nebbiolo angebaut. Die Marsanne Traube von der Rhône nennt sich hier Ermitage. Der Name Malvoisie ist wohl etwas bekannter für Pinot gris (Grauburgunder). Seit dem 16. Jahrhundert wird im Wallis bereits der Muskateller angebaut, welcher meistens trocken vergärt wird und demzufolge eigentlich einem Muscat d'Alsace gleichkommt. Das Wallis pflegt auch noch ganz kleine Bestände von Gewürztraminer, Riesling, Alligoté, Chardonnay, Chenin und Pinot blanc.

Die Degustation mit Menu

Auch diese Jahr musste Martin Riedi wiederum den Uebersetzer spielen, diesmal vom Französischen ins Deutsche. Trotzdem widmete er sich natürlich auch der Küche, was dem Abend so nebenbei noch den letzten Schliff gab. Die Gänge, die zu den einzelnen Weinen serviert wurden, waren genau abgestimmt und ich wiederhole mich aus den letzten Jahren: das Dîner war einfach ein einziger Traum, aus dem man wohl erst am nächsten Morgen wieder erwachte, so phantastisch haben wir gegessen. Das traditionell wiederum aus acht Gängen bestehende Dîner war einiges mehr Wert als die seit Jahren bestehenden Punkte bei Gault et Millau. Insgesamt -36- Weinfreunde waren an diesem Abend dabei und freuten sich wie gewohnt am Dargebotenen.

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    Wie immer wurde das Apéro im Seminarraum des Hotels, d.h. im Untergeschoss serviert. Es gab also Trockenfleisch, Würste und Walliser Brot (vom Referenten selbst ausgesucht und mitgebracht) mit einem Petite Arvine aus Leytron/Chamoson.


Die übrigen Gänge durften wir im wiederum gefüllten Restaurant des Hotels Spitzhorn einnehmen. Die Stimmung war einfach einzigartig und die Atmosphäre war perfekt. Die einzelnen Gänge des Menus wurden den Weinen angepasst. Dies ist ein Kunstwerk, da eine so gute Zusammenstellung Wein/Essen nicht einfach ist, besonders wenn man sich mit solchen Spitzenweinen auseinandersetzen darf, wie heute Abend.


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    Zu einem Tartar aus der Omble Chevalier (Saibling) tranken wir einen Pinot blanc aus Leytron.



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    Anschliessend servierte uns Martin Riedi als Gastgeber ein kleines Raclette mit Kartoffeln und weissem Trüffel, eine Delikatesse, welche man selten so perfekt geniessen kann. Das war sicher einer der Höhepunkt des Abends, vor allem weil die Trüffel richtig zur Geltung kamen. Der passende Wein, d.h. es waren sogar zwei, nämlich ein Païen (Heida) aus Leytron und ein Ermitage (Johannisberg) aus derselben Gemeinde.

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    Eine weitere Spezialität folgte, d.h. ein Risotto mit Safranfäden und Lauch. Einfach eine wahre Gaumenfreude, dazu ein Humagne Rouge wiederum aus Leytron bzw. Chamoson.

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    Der Hauptgang bestand aus einem Lammcarré auf urchigem Gemüse mit einem Cornalin aus Leytron. Das war die Spitze der Kochkunst. Ein solches Lamm habe ich noch kaum je genossen. Wir haben es hier wirklich mit einem Spitzenkoch zu tun.

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    Der Käse, aus dem Turtmannstal importiert, zusammen mit einem Birnencoulis und einer Magnumflasche eines Weines genannt Dariolo aus Chamoson. (Assemblage Cabernet franc und Merlot). Der Wein ist ein Reisser, besonders aus der Magnumflasche, ein Kommentar folgt wie üblich unter den degustierten Weinen.

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    Kurz vor Schluss schlemmten die Teilnehmer an einer Tarte Tatin mit Vanille-Eis sowie dem wirklich ausgezeichnet passenden Süss/Dessertwein "Vent d'Anges, Assemblage, Grain nobles, aus Leytron.

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    Natürlich durfte zu Kaffee und Friandises ein Digestiv, diesmal in Form eines Williamine und eines Abricotine, nicht fehlen.



Herzlichen Dank an alle Beteiligten

Wir durften auch heute wiederum einen sensationellen Abend nur mit kulinarischen Höhepunkten erleben. Hiermit danken wir unserem Vorstandsmitglied Martin Riedi und seiner Frau, Herrn Darioli und seiner Familie aus Martigny und den vielen hilfreichen Diensten des Restaurant Spitzhorn in Saanen herzlich für ihren riesengrossen Einsatz. Zu einem gelungenen Abend gehört auch der Service, welcher heute einmal mehr auf dem Höhepunkt stand, wirklich sehr aufmerksam und dienstbereit. Merci.



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Degustierte Weine



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© 2010⁄2011 Hans Liechti