Weinfreunde Gstaad-Saanenland




Hauptversammlung vom Samstag, 17. März 2012, Hotel Le Grand Chalet
Bordeaux "Les Coups de coeur"


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Auch dieses Jahr konnte der Präsident Hans Liechti am 17. März 2012 die Hauptversammlung der Weinfreunde Gstaad-Saanenland durchführen.


Mitglieder
Im Bericht des Präsidenten sahen wir eine Abnahme bei der Anzahl unserer Mitglieder, nämlich nur noch -47-, bei 4 Austritten und 1 Eintritt insgesamt. Die Anlässe der Weinfreunde erfreuen sich noch immer grosser Beliebtheit. Die effektive Teilnehmerzahl pro Anlass verblieb bei durchschnittlich -30- oder 65 % aller heute bestehenden Mitglieder. Dies ist darauf zurückzuführen, dass auch dieses Jahr fünf Anlässe auf dem Programm standen. Wir suchen noch immer nach neuen Mitgliedern, natürlich solche, welche dann auch regelmässig an unseren Anlässen teilnehmen können. Der weiterhin als Degustation durchgeführte Stamm, mit Einladung, fand auch im Jahr 2012 statt und ist nach wie vor sehr geschätzt.


Jahresrechnung
Die Jahresrechnung schloss 2012 mit einem Gewinn von Franken 321.45. Das Vermögen beträgt jetzt Franken 4'696.20. Dies vor allem, weil auch dieses Jahr kein Ausflug durchgeführt wurde, welcher normalerweise durch die Vereinskasse gesponsort wird.


Genehmigung der Anlässe 2012
Das Programm 2012 wurde von den insgesamt 22 Teilnehmern der Hauptversammlung und der anschliessenden Degustation ohne Gegenstimme bewilligt und sieht im Detail mit diesmal insgesamt -7- Anlässen wie folgt aus :


Samstag, 17. März 2012,
Hauptversammlung, Bordeaux "Les Coups de Coeur", Le Grand Chalet

Montag, 21. Mai 2012,
Sonderanlass Degustation und Nachtessen 16 Art Bar Restaurant

Samstag, 30. Juni 2012,
Italien/Sardinien. Stamm/Degustation, Palace Hotel, Gstaad

Samstag, 25. August 2012,
Delegiertenversammlung Schweizerische Weinfreunde, Schaffhausen

Samstag, 15. September 2012,
Wine & Dîne, Roberth Speth, Restaurant Chesery Gstaad

Samstag im Dezember 2012,
Ueberraschung, Martin Riedi, Stamm Degustation, Details folgen

Samstag, 16. März 2013,
Hauptversammlung, Burgunder, Le Grand Chalet, Restaurant Le Grand Cru


Einladungen via E-Mail
Nach wie vor haben wir 40 Mitglieder, die sich via E-Mail einladen lassen. Heute muss immer noch ein Teil unserer Mitglieder per Brief angeschrieben werden, es fehlen noch ca 20 %.


Ausflüge
Wir verzichten auch für das Jahr 2012 auf die Durchführung eines Ausfluges, ebenfalls auf Destinationen innnerhalb der Schweiz, mangels Teilnehmer.


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Nach der Versammlung konnten die Teilnehmer mit dem Nachtessen und der Degustation beginnen.



3000 "Châteaux"

Gemäss "Wikipedia" ist das Bordeaux Weinbaugebiet das grösste zusammenhängende Anbaugebiet der Welt für Qualitätswein. Es gibt etwa 3000 "Châteaux" genannt Weingüter, die die weltberühmten Weine erzeugen. Ein spezielles System von regionalen und kommunalen Klassifikationen schafft eine qualitative Hierarchie. Einzelne Lagen spielen eine untergeordnete Rolle. Deren Stelle nimmt das "Chateau" ein. Typisch sind die trockenen, langlebigen Rotweine, die im Médoc fruchtiger und in St. Emilion und Pomerol sanfter und voller ausfallen. Im Bordeaux werden ca 20 % Weisswein erzeugt, Die besten davon sind die Edelsüssen aus der Region von Sauternes und Barsac. Der Bereich Graves produziert die charaktervollsten trockenen Weissweine.


"Cuvées"

Die Landschaft des Bordelais liegt auf einem grossen Kalksteinsockel und ist zumeist von Ablagerungen aus Kies und Sand belegt. Der Atlantik sorgt für das milde, ausgeglichene Klima mit sehr wenig Temperaturschwankungen. Die Flüsse und der Wald wirken dazu noch sehr ausgleichend. Die Weine aus Bordeaux sind üblicherweise sogenannte "Cuvées" aus mehreren einzeln vinifizierten Parzellen und Rebsorten. Der Weinstil des "Châteaus", d.h. auch die sogenannte "Assemblage" dient dazu den speziellen Charakter des Terroirs hervorzuheben. Es sind mindestens zwei Rebsorten die für einen Wein gebraucht werden. Der berühmte Wein von Bordeaux wird vorwiegend aus drei Rebsorten verarbeitet. Es sind dies der Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und der Merlot. Dazu kommt noch etwas Petit Verdot und Malbec. Früher verwendete man noch die Carmenère Traube, von welcher die beiden Cabernets und auch der Merlot jedoch abstammen sollen, so dass diese heute kaum mehr gebraucht wird. Die Weissweinsorten nennen sich Sémillon, Sauvignon Blanc sowie Muscadelle und Colombard.


50 Appellationen

In Bordeaux gibt es ein ausgeklügeltes System mit über 50 Appellationen. Man unterscheidet grob etwa drei Stufen, d.h. regional Bordeaux und Bordeaux Supérieur, subregional Médoc, Haut-Médoc Graves, Entre-Deux-Mers und Côtes de Bordeaux wie Côtes de Bourg,. Côtes de Blaye, Premières Côtes de Bordeaux, Saint Macaire, Castillon und Côtes de Francs. Die besten sind die kommunalen Appellationen, die sich jeweils auf eine Gemeinde beziehen. Hiervor kommen die berühmten und auch teuren Weine allesamt. Es sind dies so bekannte Namen wie Margaux, Listrac, St. Julien, Pauillac, Saint-Estèphe und Saint-Emilion, Lalande de Pomerol, Fronsac, Canon-Fronsac, Pessac-Léognan. Für edelsüsse Weissweine gelten Namen wie Sauternes, Barsac, Cérons, Cadillac, Loupiac, Sainte-Croix-du-Mont und Sainte-Foix-Bordeaux. Im Jahre 1855 wurde anhand langjähriger, erzielter Verkaufspreise eine offizielle Klassifikation der Rotweine des Médoc und der Süssweine von Sauternes errichtet. Seither gab es nur eine einzige Revision, d.h. 1973 wurde Château Mouton- Rothschild von der zweiten in die erste Klasse befördert.1955 erfolgte die Klassifikation der Güter von Saint-Emilion und 1959 wurde die Gegend um Graves eingeteilt. Pomerol bleibt die einzige Spitzenappellation ohne Klassifizierung. Die so ausgezeichneten Weine dürfen sich Grand Cru Classé (auf Deutsch Grosse Gewächse) nennen. Viele Crus Bourgeois stehen heute den Crus classés an Qualität und Konstanz nicht mehr nach. Dasselbe trifft auf die Zweitweine führender Güter zu. In den Neunzigerjahren kamen dann noch die sogenannten Garagenweine, ausgezeichnet durch eine starke Selektion der Trauben und mit Einsatz von neuen Barriquefässern. Erst die Zukunft wird zeigen, ob sich diese Weine auf höchstem Niveau durchsetzen können. Heute erreichen die Preise im Bordeaux Gebiet für erstklassige Weine weitere Rekordniveaus, die Werte für Fasswein können aber nicht mehr gehalten werden. Sie sinken wegen einer immer kleiner werdenden Nachfrage und harter Konkurrenz von Ländern wie Argentinien, Chile, Südafrika und Australien.


"Les Coups de Coeur"

Durch diesen Abend führte uns Pedro Fereira, Gastgeber und Weinexperte im "Geniesserhotel" Le Grand Chalet. Als ausgewiesener Gastronomiefachmann ist er für eine Präsentation von Weinen aus dem Bordeaux Gebiet sehr geeignet. "Les Coups de Coeur" bedeutet eigentlich, die uns stark am Herzen liegenden Bordeaux Weine. Wir versuchten an diesem Abend eine kleine Palette von ganzen sechs, allesamt sehr bekannten und ausgezeichneten Weinen aus den Côtes de Castillon, Médoc, St. Julien und Fronsac aufzuzeigen und diese quasi mit den Speisen zu verheiraten, was auch wirklich ausgezeichnet gelang. Die Unterschiede der verschiedenen Bordeaux Weine stammen von der für jedes Château speziell angewandten Aufteilung der Prozente in verschiedene Rebsorten wie Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Weitere. Siehe wiederum den Beschrieb der degustierten Weine am Ende dieses Berichtes. Diese waren auf die kulinarischen Köstlichkeiten abgestimmt. Zu jedem Gang wurde ein anderer Cru serviert, zum Hauptgang als Vergleich sogar Zwei. Die Weine passten wie immer wirklich ausgezeichnet zum Essen und so konnten wir folgende Speisenfolge mit den entsprechenden Weinen degustieren :



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Das Apéritif, wurde im Entrée des Hotels serviert und dieses Jahr durften die Weinfreunde in der südseitig angebauten Verandah in wohliger Wärme die grandiose Aussicht geniessen. Der Gesprächsstoff fehlte nicht, wurden die zu degustierenden Weine bereits vorher durchgegangen. Pedro Fereira stellte uns die neuesten Erkenntnisse zur Verfügung. Aus der Zeitschrift "Falstaff" die Top 100 Bordeaux Weine, ihre Preise sowie die heutige Benotung von Experten, wie Parker.

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Als Amuse bouche erhielten wir ein raffiniertes Wachtelei serviert mit dem ersten Rotwein, dem Château Brisson, Côtes de Castillon, Jahrgang 2008.

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Zum Salade Landaise, avec Canard Fumé et Foie Gras erhielten wir einen Clos Puy Arnaud, ebenfalls Côtes des Castillon, Jahrgang 2008. Seit diesem Jahr nennt sich diese Appellation neu Côtes de Bordeaux, in welcher Weine wie Côte de Francs, Côte de Blaye, Côtes de Castillon und Cadillac zusammengefügt wurden. Es entstehen ähnliche Weine wie in St. Emilion. Haben Alterungspotential und eine warmen, vollen runden Stil. Vom Merlot dominiert.

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Einem Gourmet schlägt das Herz höher, wenn er eine Taube erhalten kann. Genau das, nämlich ein Demi Pigeon Rôti sur Fricassé de Champignons, gespickt mit einer luftigen Lebermasse, durften wir als Mittelgang geniessen. Der passende Wein dazu war ein Château Rollan de By, Cru Bourgeois-Médoc, Jahrgang 2006.

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Als Hauptgang hat die Küchenequipe des Hotels Le Grand Chalet "Entrecòte Double de Boeuf" grillée à la Bordelaise zubereitet, wiederum ein echter Gaumenschmaus. Die dazugehörigen Weine : ein Château St. Pierre, 4ème Grand Cru Classé, St. Julien, Jahrgang 2004 und ein Château Gruaud-Larose, 2ème Grand Cru Classé, aus derselben Gemeindeappellation im mittleren Médoc, Jahrgang 2006. welche 1855 in die Klassifizierung aufgenommen wurde. Es ist der Inbegriff eines harmonischen, duftenden und würzigen Rotweins.

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Ein grosses Wagnis ist es, wenn zum Dessert ein trockener Rotwein serviert wird. Zu "La Mousse au Caramel" passte allerdings der gereichte Tropfen, ein Château Moulin Haut-Laroque aus Fronsac, Jahrgang 2005 ausgezeichnet.

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Hier finden Sie Details zu den degustierten Weinen


Bilder von Nicki Rommel


Weitere Bilder von Hans Liechti




Der heutige Zweck unseres Anlasses war, den Weinfreunden die grosse Weinkultur in Frankreichs bestem Weingebiet etwas näher zu bringen. Ich glaube, das ist uns gelungen. "Les Coups de Coeur" haben das gebracht, was wir wollten. Die degustierten Weine gingen den Weinfreunden sehr zu Herzen und manch einer wird sich den einen oder anderen Tropfen für seinen Keller reservieren. Die Teilnehmer waren überaus zufrieden mit dem Gebotenen. Menu und Weine haben alle wiederum fasziniert. Dazu die einmalige Atmosphäre auf der neuen Verandah. Man möchte am liebsten sofort wieder ins Hotel Le Grand Chalet zurückkehren um auch privat das eben Erlebte nochmals geniessen zum können. Es ist sehr selten, dass man so viele, ausgezeichnete Weine zum Degustieren erhält.


Herzlichen Dank an Pedro Fereira und seinem Team

Pedro Fereira, welcher mit seinem Referat über die zu degustierenden Weine eine phantastische Arbeit geleistet hat und gleichzeitig trotzdem noch Zeit fand, die Service Equipe so zu dirigieren, dass keine Wünsche offen blieben. Um uns diese wirklichen Spezialitäten oder Raritäten zeigen zu können, hat er sogar einige seiner letzten privaten Flaschen Bordeaux für die Weinfreunde geopfert. Merci auch dem seit langem eingespielten Küchenchef Steve Willié, welcher zu unserer Freude im Sommer 2011 beim Schweizer Hotelrating des "Bilanz-Magazins" als Hotelkoch des Jahres geehrt wurde. Und natürlich einen riesigen Applaus für alle Mitarbeiter, welche dank ihrem einzigartigen Einsatz für einen gelungenen Abend der Weinfreunde gesorgt haben.



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© 2012 Hans Liechti