Weinfreunde Gstaad-Saanenland




"Gastronomie im Künstlerhaus"
Degustation von Walliser Wein mit Marie-Bernard Gillioz, Grimisuat
Sonderanlass von Niki Rommel

Montag, 21. Mai 2012 Restaurant 16 Art Bar, Mittelgässli 16, Saanen


* * * * * * * * * * * * *

Das Wallis ein Winzerkanton

Das Wallis ist der Grösste und wohl vielfältigste und interessanteste Deutschschweizer Weinbaukanton. Er bringt 30 % aller Weine des Landes hervor. Die Rebflächen erstrecken sich entlang der Rhône vom deutschprachigen Oberwallis bis ins französischsprachige Unterwallis. Bis zu 60 verschiedene Sorten werden hier angepflanzt, darunter viele Spezialitäten. Das Wallis darf sich demnach zu Recht rühmen, ein Winzerkanton zu sein. Bei den weissen Sorten dominiert der Chasselas aus ca 22 % der gesamten Fläche immer noch, obwohl sein Anteil innerhalb von zehn Jahren um einen Viertel geschrumpft ist. Er wird gefolgt vom Sylvaner oder Rhin, im Wallis Johannisberg genannt, der auf 4 % der Rebbaufläche wächst. Bei den roten Rebsorten nimmt der Pinot Noir mit 34 % der Fläche den ersten Rang ein, gefolgt vom Gamay mit ca 15 %.

Von den steilen Hängen der Visperterminen (dem mit 1100 m Höhe höchsten Rebberg Europas) bis hinunter nach Vouvry bietet das Wallis ein aussergewöhnliches Mosaik verschiedener Expositionen und Terroirs. In der Region von Sierre und im gesamten Zentralwallis dominieren eher kalkhaltige Böden. Ab St. Leonard, dem Rhonelauf entlang, sind die Böden zunehmend mit Gips, Quarz und Schiefer vermischt. Eine riesige Vielfalt von Böden und Unterböden also, aufgeteilt in unzählige Parzellen, verstreut auf den steilen Hängen, so präsentiert sich die Walliser Weinlandschaft, die gleichzeitig ein lebendiges Vivarium von sehr alten Rebsorten bildet. Bei den weissen Sorten sind dies etwa Amigne, Petite Arvine, Humagne blanche, Traminer alias Heida oder noch schwerere wie Lafnetscha oder Humbertscha, bei den Roten Humagne rouge und Cornalin. Das Walliser Weinbaugebiet ist gewissermassen auch ein Versuchslabor für die Zukunft, haben sich hier doch zahlreiche Rebsorten bestens anklimatisiert. Nennen wir allen voran die grossen Rhonesorten Syrah und Marsanne. Das Wallis darf tatsächlich als das erste Weingebiet der Rhone bezeichnet werden. Im Ganzen werden hier sehr viele verschiedene Rebsorten kultiviert, die von dem heissen und trockenen Klima profitieren.


Madeleine Gay Winzerin des Jahres

Winzerinnen aus dem Wallis befinden sich im Aufwind. Madeleine Gay wurde als "Schweizer Winzerin des Jahres ausgezeichnet und im Walliser Bücherdorf Saint Pierre de Clages präsentierte Josiane Chevalley gerade ihr neues Buch "Vigneronne passionnement" auf Deutsch: Winzerinnen aus Leidenschaft. Schon seit je war das Wallis durch Landwirtschaft und Weinbau geprägt, aber dass im patriarchisch angehauchten Kanton ausgerechnet Frauen eine wichtige Rolle beim steilen Anstieg der Weinqualität spielen, ist schon erstaunlich. Es ist gar noch nicht so lange her, da wurden die Walliser Weine Fendant und Dole abfällig als saures und dummes Gesöff, wovon es erst noch zu viel gab, bezeichnet. Inzwischen startete die Walliser Weinzunft zu einer wahren Rebensaft-Renaissance durch, heute heimst der südliche Kanton Auszeichnungen und internationale Preise am Laufmeter ein, und nicht selten sind es die ausgezeichnete Nase und das goldene Mischhändchen weiblicher Oenologen oder Weinmacherinnen welche ihm diese Ehre bescheren.

Ganz ausgedient haben die früher traditionell angebauten Rebsorten wie Chasselas , Pinot noir und Gamay zwar nicht, aber sie werden sukzessive durch exotischere , jedoch ebenso autochtone oder heimische Traubensorten wie Cornalin, Syrah, Humagne rouge, Petite Arvine oder Heida ersetzt. Der Wein dieser alten Rebsorten besticht durch würzige, deliziöse Kräuter, erdig mineralische Wohlgerüche und ein subtiles bis intensives Duftbukett. Seit den achtziger Jahren engagiert sich das Wallis für Anbaumethoden, die dem natürlichen Lebensraum der Rebe Rechnung tragen. Als eigentliche Pioniere gelten unter anderem auch die Winzerinnen, welche mit sehr viel Erfolg einen umweltfreundlichen Weinbau betreiben.


Winzerin Marie-Bernard Gillioz aus Grimisuat

Eine der Trendsetterinnen ist die Winzerin Marie-Bernard Gillioz aus Grimisuat. Sie ist eine der wenigen unabhängigen Winzerinnen des Wallis. Die Weinfreunde hatten heute die Gelegenheit einen grossen Teil der Weine dieser ausgezeichneten Winzerin zu verkosten. Sie war persönlich anwesend und stellte zusammen mit Niki Rommel sämtliche degustierten Weine vor. Am 19. September 2009 liess uns (d.h. die Weinfreunde Gstaad-Saannenland anlässlich eines unserer Anlässe) in der Chesery Sommelier Yvan Letzter, jetziger Pächter des Restaurant Rialto in Gstaad, zu einem von Robert Speth zubereiteten Gericht blind einen Wein kosten, den er anschliessend als einen der besten ihm bekannten Dôle - Weine identifizierte. Es war Marie-Bernard's Dôle de Sion. Marie-Bernard Gillioz wurde am 20. August geboren, am Tag des Hl. Bernard, den ihre Eltern als Vornamen wählten. Sie ist mit dem Arzt Gérard Praz verheiratet und zählt zu den 10 weit bekannten Walliser Winzerinnen die im Buch "Vigneronnes passionnément" von Josyane Chevalley, illustriert von Stéphane Gross mit viel Einfühlung und schönen Bildern beschrieben wurde. Marie Bernard wurde in Changins als Oenologin ausgebildet. In der eigenen Weinkellerei in Grimisuat baut sie ihre Weine teils in modernen Stahltanks, teils in Eichenfässern aus. Von sich sagt sie "Ich bin keine Romantikerin sondern eine mit dem Boden verwurzelte Winzerin".


16 Art Bar Restaurant in Saanen, Nik & Simon Buchs

Den diesjährigen Sonderanlass konnten die Weinfreunde im 16 Art Bar Restaurant in Saanen durchführen. Die Gastgeber sind Nik & Simon Buchs, vielen bekannt als Wirte im Berghaus Wasserngrat. Im letzten Herbst eröffneten sie ihr eigenes Restaurant im 1731 erbauten Haus am Mittelgässli 16 in Saanen. Von 1819 bis 1964 wurde dort eine Glockengiesserei betrieben. Ihr Vater, der Künstler Herbert Buchs, konnte vor einigen Jahren dieses Haus erwerben, um hier seine Gstaader Galerie neu zu beheimaten. Der Umbau brauchte viel architektonisches Geschick, um die fast 300-jährigen Strukturen den Anforderungen eines modernen Gastronomie-Betriebes anzupassen. Dank dem Talent von Herberts Gattin Sophie, die neben dem Architekten hauptsächlich für die Gestaltung der Räume verantwortlich war, ist das 16, so benannt nach der Hausnummer, ein Bijou geworden.


Gegessen wird was auf den Tisch kommt

Kein Sterne-Schnickschnack und viel kreative Freiheit, so könnte man das Motto für dieses Restaurant bezeichnen. Nik Buchs meint "etwas Neues hat begonnen". Er hat seine Ausbildung Im Restaurant des "Le Grand Chalet" absolviert. Er erfüllt sich hier wohl ganz nebenbei auch seinen persönlichen Küchen-Traum. Die Brüder gönnen sich hier die ersehnte kreative Freiheit. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt, weil gekocht wird, zu was die beiden gerade Lust haben. Deshalb kann die Abendkarte im neuen Saaner Restaurant unter Umständen jeden Tag anders aussehen. Und endlich war es soweit. Ein Wunsch vieler unserer Mitglieder d.h. der Weinfreunde ging wieder In Erfüllung. Wir durften eine Degustation im Restaurant 16 in Saanen geniessen.

Insgesamt -45- Teilnehmer waren an diesem Abend anwesend, und wurden sehr herzlich begrüsst. Die Winzerin, Frau Marie-Bernard Gillioz zusammen mit Organisator Niki Rommel begleiteten uns ausserordentlich gekonnt und fachkundig durch den Abend. Die Zusammenstellung des Menus mit den Weinen ist hervorragend gelungen. Alle anwesenden Mitglieder der Weinfreunde Gstaad-Saanenland waren überaus zufrieden mit den präzisen Ausführungen. Sämtliche Weine wurden uns erklärt, es wurde über das Weingut und die Winzerin in einer absolut verständlichen Sprache gesprochen. All dies kam in hervorrgender Art und Weise, kurz und bündig. Die Kommentare zu den verschiedenen Speisegängen und über die degustierten Weine waren absolut klar. Das Menu von Nik Buchs für die Weinfreunde sah am heutigen Sonderanlass wie folgt aus :

* * * * * * * * * * * * *

    Apéritif im ersten Stock mit einem rassigen Fendant (Chasselas), Jahrgang 2011.


* * * * * * * * * * * * *

    Spargel - Sabayon mit einem Muscat 2011


* * * * * * * * * * * * *

    Rauchlachs zusammen mit einem Petite-Arvine 2011


* * * * * * * * * * * * *

    Orecchiette - Schweinswurst -Saubohnen und Dôle (Pinot Noir und Gamay) Jahrgang 2010.Nach Meinung der Teilnehmer, auch vom anwesenden Yvan Letzter, handelt es sich hier um einen der besten vinifizierten, d.h. von uns je degustierten "Dôles". Die grosse Sensation.


* * * * * * * * * * * * *

    Cote de Boeuf -Sellerie und als Begleitung den Wein aus Syrah, 2007 und 2011 vom Barrique


* * * * * * * * * * * * *

    Käse aus Etivaz - Rubloz, Früchtebrot zu einem Ermitage 2005 (Walliser Name für Marsanne)


* * * * * * * * * * * * *

    Fotzelschnitte, Erdbeeren und Haselnussglace zu einem Petite Arvine 2008, schon leicht süsslich


Ein gelungener Anlass

Sämtliche Teilnehmer waren stark begeistert vom Gebotenen. Die diversen Menugänge waren ausgezeichnet. Speziell überrascht haben die rustikalen Orecchiette mit Schweinswurst und natürlich das Dessert bestehend aus einer gewöhnlichen Fotzelschnitte ohne Schnick-Schnack. Es war aber ein ganz spezieller Gaumenschmaus und der Wein, ein Ermitage 2005, passte wirklich vorzüglich. Hiermit möchten wir allen Beteiligten , d.h. Frau Gillioz, Niki Rommel, Nik Buchs und den sehr aufmerksamen Mitarbeitern des Restaurant 16 in Saanen herzlich danken. Es war wiederum ein äusserst gelungener Anlass, dazu noch fast ein Besucherrekord punkto Teilnehmer, ein Drittel davon unter 30 Jahre alt. Es ist zu hoffen, dass auch in Zukunft so viele Junge an unseren Anlässen teilnehmen werden.


Degustierte Weine


Bilder des Abends


zurück  

© 2012 Hans Liechti