Weinfreunde Gstaad-Saanenland




Degustation "Weine und Gerichte aus dem Friaul"

vorgestellt von Robert Princic, Azienda Gradis'Ciutta
Winzer aus San Floriano del Collio
zusammen mit Martin Riedi und Vinoteca Martino,

Samstag, 08. Dezember 2012, La Vinoteca, Schönried


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Das Friaul ist nicht nur Pinot Grigio

Obwohl Friaul zu den fünf kleinsten Provinzen Italiens gehört überrascht sie uns mit sehr vielfältigen kulturellen, sprachlichen und kulinarischen Eindrücken. Die Küche der Region ist so vielfältig wie ihre Mentalitäten. Als Grenzgebiet unterlag das Land im Laufe der Jahrhunderte dem Einfluss wechselnder Mächte, wurde von den verschiedensten Völkern erobert und besiedelt. Das hat das Wesen der Menschen stark geprägt. Als konservativ, ängstlich und verschlossen werden sie beschrieben. Und tatsächlich sind die Friauler bei der ersten Begegnung nicht besonders herzlich. Nirgends wird man, wie andernorts in Italien üblich, überschwänglich begrüsst und willkommen geheissen. Zurückhaltend und skeptisch sind die meisten Winzer anfangs und tauen erst während eines Gesprächs allmählich auf. "Die Menschen hier hassen Veränderungen !" sagt der Winzer. Vielleicht hängen sie deswegen so an ihrenTraditionen, halten an Altem fest und sind scheu gegenüber Fremden.

Auch Sprachen und Bräuche wechseln innerhalb von wenigen Kilometern. Während der Einfluss des Venetischen in der Provinz Pordenone noch stark zu spüren ist, sprechen die Udinesi tiefstes Friaulisch, und Slowenisch hört man umso häufiger, je weiter man nach Osten kommt. Dass sich nicht alle in der Region als Friauler sehen, erfährt man erst vor Ort. Die Bewohner der Provinz Pordenone gehören eigentlich mehr zum Veneto und die aus Gorizia und Triest sind auch keine Friauler. Tatsächlich kommt den Flüssen, welche die Region in nordsüdlicher Richtung zerschneiden, die Bedeutung natürlicher Grenzen zu. Egal ob Tagliamento, Isonzo oder Judrio : Ein jeder trennte in der Vergangenheit ganze Völkergruppen und stelllt auch heute noch eine kulturelle Barriere dar.

Es gibt hier viel zu entdecken. Der Reisende erfährt,
    dass das Friaul nicht nur Pinot Grigio ist,auch wenn man das im Ausland so sieht,
    dass Prosecco mittlerweile zu einer wichtigen Einnahmequelle für die Winzer in der Ebene geworden ist,
    dass der Friulano von der Region zwar stark gefördert wird, die Produzenten ihn aber trotzdem roden.
    Dass dafür die Ribolla Gialla gerade hoch im Kurs steht und überall gepflanzt wird, nachdem sie vor Jahren beinahe zu verschwinden drohte.

Im Friaul ist momentan einiges in Bewegung. Gerade bei den Weissweinen gibt es Veränderungen, die das künftige Bild der Region prägen werden. Wir beschäftigen uns mit den aktuellen Entwicklungen. Trotz der Vielfalt seiner Rebsorten ist das Friaul im Ausland vor allem für Pinot Grigio bekannt, der mit knapp 4.500 Hektar ein gutes Viertel der gesamten Anbaufläche einnimmt. Viele Winzer verbinden mit ihm jedoch eine Hassliebe. Einerseits brauchen sie ihn, insbesondere diejenigen, die einen hohen Exportanteil haben. Anderseits sind sie es leid, auf diese Sorte reduziert zu werden, hängt ihr Herzblut doch eigentlich mehr an Weinen wie dem Friulano, der Ribolla Gialla oder dem roten Refosco. In den 60er Jahren haben die Winzer im Friaul begonnen, auf die internationalen Sortenweine zu setzen. Damals gab es noch keinen Wein aus Argentinien, Chile, Südafrika oder Australien in Europa. Und daher auch keine grosse Preiskonkurrenz. Erst in den 80er- und 90er-Jahren begannen die Absatzprobleme mit Merlot und Cabernet. Sie haben zu spät gemerkt, dass sie sich stärker um die autochthonen Rebsorten hätten einsetzen müssen. Die internationalen Sorten sind hier so stark etabliert, dass es schwierig wird, etwas daran zu ändern. Der Friauler Pinot Grigio hingegen muss sich zusätzlich noch mit dem des benachbarten Veneto und dem des Trentino messen. Beide kommen in den meisten Fällen günstiger auf den Markt, da sie in grösseren Mengen produziert werden. Trotz allem steht Pinot Grigio noch relativ gut da, die Nachfrage in Deutschland und den USA scheint ungebrochen. Das Friaul war und ist immer noch eine arme Region, in der es wenig Industrie gibt.

Die Menschen mussten hier immer um ihr Ueberleben kämpfen. Sie haben einfach das angebaut, was sich am besten verkaufen liess und die höchsten Erträge versprach : So ist etwa Merlot viel pflegeleichter als beispielsweise Schioppettino. Prosecco gibt höhere Hektarerträge als Friulano. Nach und nach sind darum die autochthonen Sorten immer mehr zurückgegangen. Viele der heimischen Rebsorten waren ausserdem sehr unzugänglich, z.B. der rote Pignolo, deshalb wurden sie durch die gefälligeren Internationalen ersetzt. Erst mit der Einführung von Vinifikationsmethoden, die für diese Sorten besser geeignet sind, hat sich das wieder geändert. Hätte man im Anbaugebiet des Friaul den autochthonen Traubensorten die Treue gehalten, wäre der Weinbau höchstwahrscheinlich verkümmert.



Winzer Robert Princic, von der Azienda Gradis'ciutta

Dieses Jahr konnten wir den Winzer Robert Princic, von der Azienda Gradis'ciutta für eine Degustation gewinnen. Zusammen mit Martin Riedi führte er persönlich durch den Abend, und dies zu unser aller Freude auf Deutsch. Martin musste relativ wenig übersetzen. Gradis'ciutta heisst der ländliche Ort in der Gemeinde San Floriano di Collio, wo die historischen Weinberge liegen. Der frühere Name von Gradis'ciutta war Monsvini-Monvinoso, enthielt also das italienische Wort für Wein, was viel über die lange Tradition dieses Hügellandes aussagt.

Robert Princic entstammt einer Familie, die schon mindestens drei Generationen im Weingebiet tätig ist. Als er sich 1969 für das Oekologiestudium entschied, war die Familie gerade dabei, ihr Besitztum durch Ankauf einer herrlichen Anhöhe in der Gegend zu vergrössern. Seit der ersten Abfüllung 1997 ging es hier ständig bergauf. Die Rebflächen verteilen sich über verschiedene Anbauzonen des Collio, wobei man die Pflege der Bodenbeschaffenheit, Ausrichtung und die jeweilige Eignung der Stöcke berücksichtigt. Das Weingut Gradis'ciutta ist ein Familienbetrieb. Sie wollen für Hanglage typische Weine produzieren, die sich durch grosse Eleganz und Harmonie auszeichnen. Weine die auf ehrliche Weise die Eigenheiten des Landes wiedergeben, in dem sie gedeihen und die seine Natur unverfälscht umsetzen. Jahresproduktion 60'000 Flaschen, Rebfläche 17 Hektar. Mit sehr viel Eifer, Tatendrang sowie ausgezeichnetem Fachwissen leitete Robert Princic die ganze Degustation.



Das Menu direkt aus dem Friaul

Da wir normalerweise immer die Speisen der Region zusammen mit den passenden Weinen servieren, hatten wir an diesem Degustationsabend insgesamt acht Gänge mit so vielfältigen Gerichten und Speisen wie
    Stuzzichini (Häppchen) Frittata del Collio, Prosciutto d'Osvaldo e salame di Dorce,
    Carpaggio die cervo (Hirsch) con rucola,
    Ravioli di zucca (Kürbis) con il suo ragout e gambero,
    Cotechino in crosta di pane (Kochwurst aus Schweinefleisch im Teig),
    Stinco di vitello (Kalbshaxe), con polenta e verza con porcini (Wirsing/Kohl),
    Formaggi Friulani,
    Gubana di Gorizia (Gebäck mit Früchten, Rosinen, Nüssen und etwas Grappa),
    Caffé e biscottini.
Die meisten Waren wurden aus dem Friaul direkt importiert, speziell der Schinken und das Gebäck (Gubana) und natürlich auch der Grappa dello Zio, welcher bei einer Degustation von italienischen Weinen bei den Weinfreunden nicht mehr fehlen darf. Zu jedem einzelnen Gang wurde der entsprechende Wein serviert. Die Liste wird wie üblich mit Kommentar am Ende dieses Berichtes veröffentlicht. Die Weine von Robert Princic sind noch sehr preiswert. Man merkt, dass die Familie Princic sich dem Ausbau des Weines verpflichtet. Das Dîner enthielt viele Spezialitäten des Friaul. Das vielleicht beste Gericht waren die "Ravioli di zucca mit ragout und gambero",wirklich traumhaft. Aussergewöhnlich auch die Kalbshaxe, welche ohne Knochen serviert wurde. Martin Riedi wird diese Speisen sicher in die Menukarte des neuen Restaurants Vinoteca in Schönried aufnehmen. Dieser Anlass bot den Weinfreunden wie immer sehr viele kulinarische Höhepunkte. Genauso sind wir es von Martin Riedi und seiner Küche ja gewöhnt. Ein richtiger Abend für Geniesser von guten Weinen und ausgezeichnetem Essen.




Premiere im neuen Restaurant von Martin Riedi,"La Vinoteca" in Schönried

Diese Degustation hat das erste Mal im neuen Restaurant von Martin Riedi,"La Vinoteca" in Schönried stattgefunden. Hier in einen Raum waren die Weinfreunde unter sich, mit genügend Platz. Das Essen und die Degustation waren auf Sechser-Tischen verteilt, so dass die Weinfreunde ganz eindeutig mehr Kontakt zueinander finden konnten, was sicher von Vorteil ist. Die rustikale, heimelige, aber auch sehr romantische Atmosphäre trug viel zum guten Gelingen des Abends bei. Hiermit möchte ich Herrn und Frau Riedi, dem Winzer und dem Servicepersonal sowie der Küche für ihren maximalen, herausragenden Service herzlich danken.

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Degustierte Weine


Bilder des Abends
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© 2012⁄2013 Hans Liechti