Weinfreunde Gstaad-Saanenland
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Samstag, 29. Juni 2013, Palace Hotel Gstaad

Degustation und Dîner Italien ⁄Toskana Brunello di Montalcino


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Brunello di Montalcino - Der Aristokrat unter den italienischen Weinen


Als eines der interessantesten Spitzengewächse von bezwingendem aromatischem Ausdruck und von ausserordentlich hoher Qualität gehört der Brunello di Montalcino zu den berühmtesten und wertvollsten Weinen Italiens und ist schon seit einiger Zeit für Weinkenner und Experten zu einem Begriff und für Weinliebhaber zu einem Geheimtyp geworden. Er ist ein Beispiel dafür, dass erlesene italienische Weine durchaus die gleichen Vorzüge aufweisen können, wie ihre grossen französischen Konkurrenten. Der Brunello di Montalcino erhielt 1980 als erster Wein Italiens das DOCG-Prädikat, also die kontrollierte und garantierte Ursprungsbezeichnung, die mit einem staatlichen Kontrollsiegel für diese gehobenen Qualitätsweine bestätigt wird. Aber schon früher hat das Consorzio del Vino Brunelllo di Montalcino, das 92 % der Gesamterzeugung repräsentiert, für eine entsprechende Kontrolle im Weinanbau und in der Weinerzeugung, speziell für die Einhaltung der gesetzlichen Qualitätsvorschriften, und für die Ausgabe seiner eigenen nummerierten Garantiesiegel gesorgt.

Der Brunello kann noch auf keine lange Geschichte zurückblicken. Er ist die Schöpfung eines Mannes, des Winzers und Oenologen Ferruccio Biondi-Santi, der vor etwa 100 Jahren aus einem Schössling der Rebsorte Sangiovese grosso die Brunello di Montalcino-Rebe züchtete und aus ihren Trauben - im Gegensatz zu den Chianti-Rotweinen reinsortig - den Brunello zu produzieren begann. Dank der bestechenden Eigenschaften dieses neuen Weines, einzigartig in seiner geschmacklichen Qualität, vornehm im Charakter und ausserordentlich lange haltbar, konnte der Brunello sich in wenigen Jahrzehnten durchsetzen und gilt heute als Aristokrat unter den italienischen Weinen, ja vielleicht sogar als der kostbarste Wein Italiens.


Mit zunehmendem Alter geschmeidiger

Die Produktionszone des Brunello umfasst die gesamte Rebfläche der Stadt Montalcino, etwa 50 Kilometer südlich von Siena; es ist eine hügelige Landschaft zwischen den Flüssen Orga, Ombrone und Asso, die vom typischen Mittelmeerklima profitiert. Die für die Brunelllo-Erzeugung verwendeten Reben stehen dabei nur in Weingärten mit einer Grösse von rund 300 Hektar in Monokultur und weiteren 70 Hektaren in gemischter Kultur. Insgesamt sind für die Produktion des Brunello über 60 Winzerbetriebe registriert. Nach den gesetzlichen Produktionsvorschriften darf er ausschliesslich aus der Rebsorte Brunello di Montalcino hergestellt werden. Der Brunello zeigt zunächst eine rubinrote Farbe, die mit zunehmendem Alter allmählich zu Granat- oder Orangerot wechselt, der typischen Farbe vieler alter Weine. Er hat einen unglaublich reichen und bezaubernden Duft, der an Veilchen erinnern mag und der mit jedem Jahr Alterung immer ätherischer wird. In seiner Konstitution ist er kraftvoll, reich an Körper und schmeckt trocken, warm und auf Grund seines hohen Tanningehaltes zart bitter, aber dabei an sich ausserordentlich wohlausgewogen. Mit zunehmendem Alter wird er immer geschmeidiger und runder. Auf Grund seiner besonderen Kraft, seines üppigen Reichtums an Geschmackstoffen, seines ausdruckvollen Duftes und seiner ansprechenden Farbe ist der Gesamteindruck des Brunello von aussergewöhnlicher Eleganz, Rasse und samtiger Fülle. Sein Mindestalkoholgehalt beträgt 12,5°.


Dekantieren und lange atmen lassen

Wie alle Weine, die eine lange Reifezeit benötigen, ist auch der Brunello als junger Wein recht herb, gerbesäurereich und hart. Deshalb darf der Brunello von Gesetzes wegen überhaupt erst nach 4 jähriger Lagerung (davon mindestens 3 1/2 Jahre in Eichen- oder Kastanienholz-Fässern) in den Handel gebracht werden, in welcher Zeit er einen bemerkenswerten Prozess der Harmonisierung durchmacht. Nach einer 5-jährigen Lagerung darf er das Prädikat "Riserva" führen. Kleinere Weinproduzenten können da oft nicht mithalten und füllen den Brunello schon sehr rasch ab. Diese Weine kommen heute als Rosso di Montalcino in den Handel. Ihnen fehlt zunächst die samtige Fülle, die gerade einen nach den gesetzlichen Herstellungsvorschriften gelagerten Brunello von vornherein auszeichnet. Man sollte unbedingt noch einige Jahre warten, dann wird man merken, dass sie sich qualitativ immer mehr dem echten Brunello annähern. Damit beim Brunello Duft und Aroma voll zur Geltung kommen, braucht er eine lange Einwirkung des Sauerstoffes. Deshalb gilt die Regel, dass man eine Flasche Brunello so viele Stunden vor dem Trinken öffnen sollte, wie er Jahre alt ist. Ist sein Alter 10 Jahre, so sollte die Flasche 10 Stunden vor dem Einschenken geöffnet werden. Als höchste zulässige Zeitspanne für das Entkorken vor dem Kredenzen gilt aber 15 Stunden, selbst bei noch älteren Weinjahrgängen. Es empfiehlt sich auch, einen Brunello immer nach dem Oeffnen zu dekantieren. Schliesslich sei noch erwähnt, dass die beste Trinktemperatur des Brunello zwischen 18 und 19°C liegt.


Tenuta Fanti, Montalcino

Die ältesten Jahrgänge des Brunello - bis zurück zum Jahr 1888 - besitzt der Nachfahre des Brunello-Erfinders, Dr. Franco Biondi-Santi, im Weingut Greppo.

Heute Abend wurden den Teilnehmern die Weine von der Tenuta Fanti, Località Palazzo, 14 Castelnuovo dell'Abate aus Montalcino in der Toskana, Italien, vorgestellt. Die Familie Fanti ist bereits im 18. Jahrhundert, zwei Jahrhunderte vor dem Entstehen des Brunello, nach Montalcino gekommen. Besitzer ist jetzt unser heutiger Gast, Filippo Fanti. Dessen ebenfalls anwesende Tochter Elisa kümmert sich um die Weinberge. Die Domaine erstreckt sich über 2300 ha, von denen jedoch nur 52 ha mit Reben bestockt sind. Für den Weinbau wurden grundsätzlich nur nach Süden liegende Parzellen ausgewählt. Nur der geringe Teil wird für die Produktion des Brunellos genutzt. Trotz der relativ grossen Anbaufläche werden so selbst in excellenten Jahren maximal 70'000 Flaschen Brunello erzeugt. Hier in Castelnuovo dell'Abate, dem südöstlichen Teil Montalcinos, ist man direkter Nachbar der bekannten Weinberge von Sassetti und Poggio di Sotto. Die Weinberge liegen im Schnitt über 250 m hoch und sind somit auch in heissen Jahren ein Garant für Qualität. Lehm- und Schieferböden tun ihr übriges hinzu und so ist man hier in der Lage fruchtbetonte Weine zu produzieren, ohne zwangsläufig an Kraft und Eleganz einbüssen zu müssen.

2004 wurde ein neuer Keller gebaut, um die hohen Ansprüche an sich selbst noch besser umsetzen zu können. Trauben und Weine werden nun durch Gravitation innerhalb des Kellers bewegt. Genau diese Kombination von hervorragenden Weinbergen und sanfter Kellerarbeit macht die Brunelli von Fanti aus. Sie vereinen alle Aspekte toskanischen Spitzenweins in sich. Das Klima hier ist einzigartig (untertags warm durch die starke Sonneneinstrahlung, nachts kühl durch die Winde die vom nahegelegenen Berg "Monte Amiata" stammen) und eignet sich besonders gut für elegante Weine mit vollem Körper. Unter der Aegide vonFilippo Fanti erlebte das Consorzio Brunelllo di Montalcino einen ungeheuren Zulauf. Inzwischen sind diesem Schutzverband so viele Erzeuger angeschlossen, wie keinem anderen in der Art in Italien - ein untrügliches Indiz für die Popularität , die der alte und inzwischen wieder gewählte Präsident in der gesamten Anbauzone geniesst. Elan hat Fanti wirklich genug. Und so kommt auch sein eigenes Unternehmen niemals zu kurz, obwohl es in den letzten Jahren durch Zukäufe von Gelände, das inzwischen komplett bestockt ist und grösstenteils schon in Produktion ist, vergrössert wurde. Im Keller hat sich ebenfalls einiges getan. Stetig wachsen die Bestände an Barriques die Fanti zum Ausbau der Weine klar favorisiert, und neue rational angelegte Räumlichkeiten haben die Arbeitsbedingungen erheblich verbessert. Die jüngste Etikettenriege bestätigt erneut die Solidität des Betriebes. Auch an diesem Abend brachten die Fantis die meisten für diesen Anlass gebrauchten Spezialitäten und Lebensmittel direkt aus Montalcino mit. Die uns zu dem zusammengestellten toskanischen Menu (von Peter Wyss, dem grossen Küchenchef des Palace Hotels Gstaad) servierten Weine, zeigen die einzigartige Palette von Produkten der Tenuta Fanti aus Montalcino.


Filippo und Elena Fanti

Diesmal klappte es, Filippo und seine Tochter Elena Fanti waren persönlich anwesend und gleichzeitig war es ihnen ein Vergnügen, zusammen mit Martin Riedi, die einzelnen Gänge des Menus, aber auch die Weine selbst zu kommentieren. Die nötigen Fachkenntnisse und die Erfahrung brachten alle Beteiligten jedensfalls mit. Signor und Signora Fanti führten die Weinfreunde ausgezeichnet und mit richtigem italienischem Charme und enorm viel Enthusiasmus durch den Abend. Der Kommentar zu den verschiedenen Weinen war ganz genau auf unsere Bedürfnisse ausgerichtet, nicht zuviel, aber auch nicht zu wenig. Dazu kamen aber noch die uns von Martin Riedi vermittelten Informationen zu den mit jedem Gang servierten Spezialitäten aus der Toskana respektive Montalcino. Wir hatten wiederum die Möglichkeit, die Weine der oben erwähnten Produzenten im Restaurant Gildo des Palace Hotels in Gstaad bei einem 7-Gang Menu geniessen zu dürfen. Durch den Abend geleiteten uns, wie bereits erwähnt, Elena und Filippo Fanti sowie Martin Riedi mit wirklich ausgezeichneten, aus der Praxis kommenden, enormen Fachkenntnissen.

Die gesamte Uebersetzung aus dem Italienischen wurde von Martin Riedi zur grossen Zufriedenheit aller -32- Teilnehmer übernommen. Die auch am heutigen Abend wieder sehr zahlreich erschienen Teilnehmer konnten wie immer, einen ausgezeichnet gelungenen Abend im Palace Hotel in Gstaad verbringen. Die Kontakte wurden von unserem Vorstandsmitglied, Martin Riedi, Ristorante La Vinoteca, Schönried, vermittelt, welcher auch im Hintergrund den ganzen Abend unauffällig dirigierte.


Das 7-Gang-Menu

Der Apéro wurde dieses Jahr, da das Wetter leider nicht mitmachen wollte, im Restaurant des Hotels Palace in Gstaad serviert. Der restliche Abend fand traditionsgemäss in der "Bar au Grill" statt, d.h. im Restaurant "Da Gildo", von welchem wir mit seinen Mitarbeitern wie jedes Mal wirklich enorm verwöhnt wurden. Die feine Einrichtung bietet eine harmonische, überaus gemütliche Umgebung und erlaubt jederzeit ein wunderbares Abendessen so richtig zu geniessen. Die Weine wurden von den Winzern, dem Küchenchef, Gildo und Martin Riedi speziell ausgesucht. Der Sommelier, Andrea Maffei trägt auch dieses Jahr dazu bei, dass der Anlass einen guten Verlauf nimmt. Er hält sich aber immer im Hintergrund auf, bereit sofort mit seinem Fachwissen einspringen zu können.

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    Zum Apéro präsentierten uns Elena und Filippo Fanti einen Rosato Toscano, aus roten Sangiovese Trauben, dies zusammen mit Salame, verdura in tempura fritta und pane con olio d'oliva.


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    Zum Insalatina di mare tiepida erhielten wir einen einheimischen Weisswein, den Soralisa Sant Antimo DOC Bianco, zusammengestellt aus Traubensorten wie Vermentino, Trebbiano Toscano, Viognier und Malvasia Toscana. Der erste Eindruck der Teilnehmer war denn auch sehr positiv. Die Fanti hatten es gewagt, einen Rosé zu servieren, respektive einen solchen auch zu produzieren. Man sagt, die Herstellung eines Roséweines sei eine der schwersten Aufgaben für einen Winzer. Für mich heisst das, Aufgabe mehr als nur erfüllt.


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    Zu Taglioline con ceci, pomodoro, fave e rosmarino (Erbsen, Bohnen) kam der erste Rotwein, nämlich der Sassomagno Sant Antonio, bestehend aus den Traubensorten Sangiovese, Merlot, Syrah und Cabernet Sauvignon.


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    Zum dritten Gang gab es Pici al ragu d'agnello piccante (Spezialität aus Montalcino mit Lamm) und als Wein einen ganz jungen Rosso di Montalcino. Dies ist der kleine Bruder vom Brunello, hat weitgehend die gleichen gesetzlichen Erfordernisse, kann jedoch praktisch sofort abgefüllt und verkauft werden, was bedeutet, dass er um einiges billiger zu haben ist wie der famose Brunello di Montalcino, was aber nicht heisst, dass er nicht ausserordentlich sein kann. Die einzelnen, degustierten Weine werden wie üblich, am Ende dieses Berichtes noch genauer erklärt.


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    Der Hauptgang wurde vom Chefkoch, Peter Wyss wie folgt zusammen gestellt: La vera Fiorentina di manzo alla brace e listarelle di trippa, salsa al Brunello con scalogno candito, fondo di carciofo con spinaci e pinoli (Florentiner Steak, Porterhouse Steak, T-Bone Steak, Klassiker aus der Toskana mit Roastbeef und Filetanteil vom Chianinarind). Traditionellerweise wird dieses Fleisch im Chiantigebiet mit Kuttelstreifen serviert, was Peter Wyss ausgezeichnet gelungen ist, haben doch die meisten von uns ausgegessen! Das Fleisch ist sehr schwierig zu bearbeiten, bietet aber neben dem Charolais-Rind aus Frankreich und unserem Rind aus dem Simmental eine grosse Alternative. Dazu hatten wir endlich Gelegenheit, den so sehr erwarteten Brunello di Montalcino zu degustieren. Dies eigentlich zweimal, Jahrgänge 2007 und 2008. Als wirklich grosser Hit erwies sich dann allerdings der Brunello die Montalcino, Riserva 2007. Bevor einer dieser Weine in den Verkauf kommt muss er mindestens 35 Tage in Stahltanks gären, 36 Monate in Holzfässern lagern (300 und 500 Liter) und dann nach der Abfüllung noch mindestens 2 Jahre in der Flasche. Das alles ergibt dann wirklich ein Meisterwerk, das seinesgleichen sucht !


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    Zum obligaten Schafskäse aus der Region wurden anschliessend die bereits degustierten Rotweine noch nach Gusto des Teilnehmers ausprobiert.


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    Das Dessert bestand aus Semifreddo al cioccolato e mascarpone accompagnato da frutti di bosco. Der Vin Santo, wiederum ein traditioneller Wein aus der Toskana wurde dazu gereicht, zusammen mit selbstgemachten Cantuccini.


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    Zum Kaffee erhielten wir, wie jetzt bereits üblich bei Weinen aus Italien, einen Grappa, ebenfalls von der Tenuta Fanti, allerdings gemäss italienischem Gesetz nicht selbst gebrannt, der Trester muss zu einem Spezialisten gebracht werden.



Herzlichen Dank an alle

Nun möchte ich wieder erwähnen, dass der ganze Anlass grossen Eindruck hinterlassen hat, z..B. einfach das ganze 7-gängige Menu mit Spezialitäten aus der Toskana/Montalcino oder das persönliche Erscheinen von Elena und Filippo Fanti. Das Küchenteam des Palace Hotels unter der Leitung von Peter Wyss, welcher es sich nicht nehmen liess, am Schluss des Abends kurz vorbeizuschauen. Der Applaus war ihm sicher. Sämtliche Spezialitäten wurden wieder mit dem bekannten Qualitätsstandard zubereitet. Die Weinfreunde waren begeistert und möchten hiermit allen Beteiligten des Palace Hotels in Gstaad herzlich für die einfach perfekte Leistung gratulieren.



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Degustierte Weine im Detail

Eindrücke in Bildern von Niki Rommel



Weil der Foto-Akku unseres Präsi nicht funktionierte, musste Manuela′s iPad herhalten. Die Bilder sind nicht gerade berauschend, da ohne Blitz.
Viel Spass




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© 2013 Hans Liechti