Weinfreunde Gstaad-Saanenland
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Samstag, 21. September 2013

Soirée "Wein & Dîne" Pinot Noir autour du monde (aus der ganzen Welt) von Frankreich (Burgund) über England nach Südafrika, Neuseeland, Chile und Kalifornien
Roberth Speth Restaurant Chesery Gstaad


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Pinot Noir


Alle grossen Burgunderweine von der Côte d'Or, (Côte de Beaune und Côte de Nuits), dem Maconnais oder dem Chalonnais werden aus der Pinot Noir Traube gemacht. Sie ist die Hauptsorte des Burgund. Sie gehört mit derjenigen des Bordelais, d.h. der Cabernet Sauvignon zu den beiden Spitzenreitern der sogenannten "Cépages nobles".

Die Pinot Noir sieht aus wie ein Kieferzapfen, von wo auch der Name stammt (abgeleitet von Pin oder Pinie). Sie war bereits den alten Galliern bekannt. Die Beeren dieser Traubensorte sind sehr klein, dafür besitzen sie sehr viel Saft und Zucker. Der genannte Saft ist ausserdem immer farblos, einer der Gründe, weshalb über 50 % aller Trauben in der Champagne aus der Pinot Noir Traube bestehen. Was der Traube an Farbe fehlt, macht sie mit anderen Qualitäten wieder gut. Wenn der Wein jung ist, erinnert man sich an Beeren, etwas später sind es Veilchen. Man nennt sie auch Blau- oder Spätburgunder. In Sachen Geschmack, Fülle und Bukett kann es kaum eine andere Weinsorte mit ihr aufnehmen. Bemühungen in Deutschland und Oesterreich zeigen ausgezeichnete Ergebnisse. Sehr gute Resultate ergaben auch Anpflanzungen in der Schweiz, Ungarn, in Kalifornien und Chile sowie in Südafrika und Australien.

Pinot Blanc und Pinot Gris sind Mutationen der Pinot Noir. Diese Traube wird inzwischen in der ganzen Welt angebaut. Eigentlich ist es überhaupt nicht richtig, wenn man von "den" Pinot Noir Weinen spricht. Der Geschmack des Weines, den man aus ihr keltert ist wohl bei keiner anderen Traubensorte so stark abhängig vom Boden der Region, oder dem entsprechenden Klima. Deshalb ist es sehr schwierig, einen Topwein aus dem Burgund mit einem anderen Wein zu vergleichen wie zum Beispiel einem Hallauer Blauburgunder oder sogar mit einem Wein aus Chile !!! Die Gemeinsamkeit findet man aber doch in einigen Kleinigkeiten wie der süssen Fruchtigkeit, der Farblosigkeit und wegen der dünnen Schale einem niedrigen Tannin und Farbstoffgehalt.

Die Traube liebt kalkhaltigen Boden, ein nicht allzu heisses Klima und mag überhaupt keinen feuchten, kühlen Boden. Ambitionierte Winzer versuchen trotzdem in der ganzen Welt immer wieder ihr Glück mit der Pinot Noir Rebe. Sie stellt aber höchste Anforderungen an die Rebbauern. In der Schweiz hat diese Traubensorte eine ganz wichtige Funktion. In der Ostschweiz inklusive Graubünden wird sie am meisten angebaut und in der Westschweiz meistens mit der Gamay - Traube zu einem "Dôle" verschnitten. In Spanien und Norditalien wird die Pinot Noir eingesetzt zur Herstellung von Schaumwein, sie heisst dort Pinot Negro oder Pinot Nero. In der neuen Welt versuchen mutige Winzer die Schwierigkeiten mit der Pinot Noir Traube anzugehen und verdanken ihr jetzt schon eine dadurch erworbene grosse Hochachtung oder wurden sogar schon berühmt. Es gibt wenige Traubensorten, die die Spitzenqualität der Pinot Noir erreichen, speziell wenn man in der Lage ist, nur kleine Mengen tragen zu lassen, was natürlich zu einer hervorragenden Bewertung führen muss.



Eine Angelegenheit des Herzens

Vielleicht ist die Pinot Noir Traube auch eine Angelegenheit des Herzens. Man muss sie einfach lieben. Sie fordert den Weinbauern, aber auch die Weingeniesser. Die Traubensorte ist launenenhaft, eher unberechenbar und sehr ausgefallen. Jancis Robinson seufzt in ihrem Buch "Weinkurs" : "Wer Pinot Noir anbaut, hat kein leichtes Leben". Es gibt aber immer noch genügend Gründe zum Anbau dieser Traubensorte, so sagt die Autorin. "Der Pinot Noir ist imstande, himmlisch duftende, prachtvoll fruchtige Weine hervorzubringen". und weiter "in jungem, burgundischem Pinot Noir finden sich Nuancen von Himbeeren, Erdbeeren, Kirschen und Veilchen, die sich im Alter zu einem Bukett von Wald, Süssholz sowie herbstlichem Boden verdichten".



Die Kochkunst von Robert Speth

Schon war es wieder soweit. Ein weiteres Mal war eine "Soirée Wine & Dine" mit Degustation im Restaurant Chesery in Gstaad angesagt. Unser Gastgeber, Robert Speth haben wir in unseren Berichten schon ausführlich vorgestellt. Seine Kochkunst hat mittlerweile nochmals stark an Anziehungskraft zugenommen. Die Philosophie der Küche von Robert lautet wie folgt : Für ihn ist in der Küche nur das Beste gut genug. Wenn es um Grundzutaten geht, ist Robert Speth äusserst anspruchsvoll. Selbst das Brot wird täglich zwei Mal frisch in der Chesery Küche gebacken, das Fleisch kommt oft direkt vom Bauern und die Fische vom Wildfang, welche immer rarer werden. Beeren und Pilze kommen aus der Region. Seine Küche zeigt von Grosszügigkeit und Schnörkellosigkeit. Höchst gekonnt verbindet er einfachste mit edelsten Produkten, beherrscht die italienische ebenso wie die französische Küche und macht raffinierte Anleihen bei der asiatischen Kochkunst, wobei seine vorliebe Fisch und Krustentieren gilt. Er pflegt die Kunst der Einfachheit auf höchstem Niveau : keine unnötigen Dekorationen oder komplizierten Kombinationen, sondern der unverfälschte Eigengeschmack des Produktes steht im Mittelpunkt.



Pinot Noir Autour du Monde

Insgesamt -21- Weinfreunde wollten an unserer Degustation mit Nachtessen teilnehmen. Wie üblich wurden alle vom Gastgeber persönlich begrüsst. Wie schon letztes Jahr wurden wir vom "Sommelier" des Hauses, Herrn Jerôme Lucas, durch den Abend geführt. (er hat bereits letztes Jahr bewiesen, dass er etwas von seinem Fach versteht) Er kennt sich überaus gut aus in Sachen Wein und kann auf jede noch so gewagte Frage eine fachtechnisch ausgezeichnete Antwort geben. Man bemerkt auf den ersten Blick, dass er seine Arbeit liebt und vom Thema begeistert ist. Er hat selbst das Motto des Abends "Pinot Noir Autour du Monde" ausgesucht. Er beschrieb uns die vorgestellten Weine auf eine ausserordentliche Art, nämlich wirklich ganz einfach, ohne Schnörkel, wie das auch die Philosophie des Restaurants vorsieht. Aber jeder konnte nachher sagen ob der degustierte Wein gefallen hat und warum. Die Weinfreunde gaben ihm auch sehr oft zu verstehen, dass sie mit seiner Arbeit überaus zufrieden waren. Dieses Jahr war es noch eine Spur anders, als die Jahre zuvor. Irgendwie hatte man das Gefühl, einer Art Sternstunde der Weindegustation beizuwohnen. Sämtliche Weine übertrafen unsere hohen Erwartungen. Die Weinfreunde waren hingerissen, d.h. auch entflammt, hatten Feuer gefangen, waren irgendwie berauscht, manche sprachen sogar von "ausgeflippt". Meine Meinung : "Eine der besten Degustationen der Weinfreunde Gstaad-Saanenland, welche immerhin bereits seit 18 Jahren Veranstaltungen organisieren.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich zuerst noch die Küche rühmen, da durch die verschiedenen, gelungenen Speisenfolgen der ganze Abend erst recht zu einem richtigen Ereignis wurde. Wie schon mehrmals zitiert, geben die Weinfreunde dem Restaurant "Chesery" von Robert Speth bereits 19,50 Punkte Gault et Millau. Das Essen war so gut, so herausragend, dass wir nach wie vor der Meinung sind, es geht nicht mehr allzu lange, bis dass dieses grosse Resultat gefeiert werden kann. Die Weinfreunde sind Gourmets, d.h. feinschmeckerisch überaus stark verzogen, sprich wählerisch, auf jeden Fall nicht unbescheiden. In diesem Restaurant wird alles richtig gemacht. Die Stimmung in der Chesery ist einfach gemütlich und behaglich. Sämtliche Dienstleistungen sind ausgezeichnet, die Küche beispielhaft und vorzüglich. Die Weine bringen nun noch die Vollkommenheit, die Brillanz und die Meisterschaft, ergänzen das Essen und geben dem gesamten Anlass natürlich den letzten Schliff. Wir dürfen gemäss Robert Speth auch im nächsten Jahr hier wieder einen Anlass durchführen. Die Weine werden wir wie üblich am Schlusse dieser Berichterstattung im Detail besprechen und kommentieren.

Dieses Jahr sah die Speisekarte inklusive den passenden Weinen wie folgt aus :

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    L'Amuse bouche" mit der ersten riesengrossen Ueberraschung, nämlich einem Schaumwein nach Champagner Art aus dem Camel Valley, Pinot Noir Rosé Brut, Cornwall, England, Jahrgang 2010. Allein wegen diesem Wein, war meiner Meinung nach der ganze Abend einfach Klasse. Hat jemand schon einen reinen Wein aus England getrunken. wir schon, er war sogar ausserordentlich angenehm und qualitativ sehr hochstehend. Der Anlass startete also schon mit etwas ganz Speziellem.


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    "Le Rock Lobster d'Afrique du Sud aux Herbes de Citron et Gingembre" war der nächste Gang. Dazu tranken wir den einzigen nicht reinrassigen Pinot Noir, nämlich einen "Haute Cabrière" Chardonnay/Pinot Noir, weiss, aus Franshoek, Südafrika, Jahrgang 2013, da dort Im Winter Sommer ist und der Wein also viel früher abgefüllt wird als bei uns in Europa.


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    Zum "Vitello d'Agneau tiède avec Peperonata" servierten die eifrigen Dienste des "Chesery" den Rotwein Villa Maria, Pinot Noir aus Marlborough, New Zealand, Jahrgang 2010. Neuseeland ist sehr bekannt für seine ausgezeichneten Rotweine, speziell dem Pinot Noir. Dieser Wein passte ausgezeichnet zum Lammfleisch, welches in der Art von "Vitello tonnato" serviert wurde. Der Name allein liess die Weinfreunde heftig diskutieren. Das Ganze bleibt aber eine Spezialität vom Chefkoch Robert Speth.


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    Nun kam ein Prachtsstück, nämlich die Poularde de Bresse Façon "Coq au Vin". Ein Gaumenschmaus, den wir uns sehr gerne auftischen liessen. So etwas bekommt man auf jeden Fall nicht jeden Tag vorgesetzt, auch nicht bei Robert Speth. Der passende Wein dazu war aus Chile, Vina Falernia Reserva, Pinot Noir, Elqui Valley, Jahrgang 2012. Irgendwie treffen hier die "Grandeur" des Burgunders aus Frankreich mit den "Südhängen" aus Chile zusammen, was einen sensationellen Pinot Noir ergibt, welchen wir nicht so rasch vergessen werden.


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    Der einzige richtige Franzose am heutigen Abend bestand aus einem "Auxey-Duresses, Compte Armand, aus der Bourgogne in Frankreich, Jahrgang 2009, eine phantastische Wahl zu den "Aiguillettes de Boeuf, South American Style". Wegen des für normale Bürger kaum richtig auszusprechenden Namens, wurde dieser Wein nicht so berühmt, ist aber deshalb finaziell noch einigermassen erschwinglich. Er stammt aus der Côte d'Or, respektive aus der Gegend der Côte de Beaune-Villages, d.h. zwischen Mersault und Pommard, also einige der berühmtesten Gegenden des Burgund. Als Berichterstatter vergisst man dabei sehr gerne die dazu passende Menueinheit. Bingo, wieder ein Schnäppchen aus der Küche eines Superkochs.


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    Zum Dessert erhielten wir schlussendlich noch ein Mousse de Marrons avec Chocolat Amer et Compote de Quetsches. (Zwetschgen). Einfach genial. Und um das Genossene noch abzurunden und wiederum einige Diskussionen zu beschwören wagte sich der Sommelier Jeròme Lucas uns dazu einen weiteren Rotwein und zwar einen Trockenen vorzustellen. Es war ein Belle Glos Meiomi, aus Kalifornien, USA, Jahrgang 2011. Es ist allen klar, dass sich dieser Wein einträchtig mit Schokolade und Marroni ergänzt. Zu den Friandises erhielten wir von Robert Speth ganz zum Schluss noch eine seiner Spezialitäten, die Crèmeschnitte, welche in der Chesery nicht fehlen darf.


Das ganze Menu entsprach wirklich sämtlichen Ansprüchen der Weinfreunde und wir möchten uns hiermit bei Robert Speth, Jeròme Lucas sowie sämtlichen Mitarbeitern der "Chesery" für deren aufopfernden Einsatz ganz herzlich bedanken. Dieser Abend war einer der besten Veranstaltungen in Sachen Wein und Essen der Weinfreunde überhaupt!
Degustierte Weine im Detail



Herzlichen Dank den unermüdlichen Fotografen

Niki

und

Hans




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© 2013 Hans Liechti