Weinfreunde Gstaad-Saanenland




Degustation "Weine und Gerichte aus dem Veltlin"

vorgestellt von Aldo und Michela Rainoldi, Winzer aus Chiuro
zusammen mit Martin Riedi und Vinoteca Martino,

Samstag, 14. Dezember 2013, La Vinoteca, Schönried


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Veltlin

Valtellina/Veltlin, d.h. das obere Adda - Tal ist zwischen der Bernina Gruppe und den Bergamasker Alpen eingezwängt und bietet auf einer langen Strecke ein einmaliges Habitat für die Nebbiolo-Rebe. Die DOC Zone Valtellina liegt oberhalb von Sondrio auf südwärts gewandten Weinbergsterrassen mit steinigem Lehmboden. In Höhen bis zu 800 m gibt es hier auch im Sommer scharfe Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht. Luftströmungen vom Comersee her wirken sich mildernd aus und ermöglichen in den meisten Jahren das allmähliche Ausreifen der Nebbiolo-Trauben langlebiger Rotweine, die sich erst nach längerer Lagerzeit abrunden und ihr Bukett entfalten.

Unwettter und Erdrutsche haben in letzter Zeit den Weinbau stark beeinträchtigt und darüber hinaus kommt es auch immer wieder vor, dass der Sommer nicht genug Wärme bringt. Das Veltlin ist eine der Weinzonen der Lombardei, vom Gardasee bis zum Lago Maggiore. Es ist schwer zugänglich, ganz gleich von welcher Seite man kommt. Wintersportler und Bergwanderer benutzen meist die Strasse vom Comersee her an der Adda entlang. Gleich hinter Morbegno überquert die Strasse den Fluss zum Nordufer, und es öffnet sich der Blick auf ein Panorama von steilen Weinbergen vor der gewaltigen Kulisse des ewig schneebedeckten 4050 m hohen Piz Bernina. Das Bergmassiv schirmt das Tal gegen den kalten Nordwind ab, so dass sich das schmale Tal zwischen den Wänden der Bergamasker Alpen im Süden und der Adamello-Gruppe im Westen stark erwärmt und die Rebe auf Weinbergterrassen in Südlage bis in 800 m Höhe gut gedeiht.


Steile Hänge

Manche Hänge sind so steil, dass die Trauben in Portini auf dem Rücken hinuntergetragen oder gar in Kübeln an Flaschenzügen hinuntergelassen werden müssen. Neuerdings werden die Trauben mit kleinen Einschienenbahnen zur Kelter transportiert. Der Anblick von Weinreben, die sich buchstäblich an den Bergwänden festklammern, begleitet den Wanderer über Sondrio hinaus bis Tirano von wo aus die Strasse zum Stelvio-Pass und weiter in die Schweiz führt.


Sforzato oder Sfursat, Sassela, Grumello

Das Veltlin und seine Weine zeigen jene Individualität wie sie sich nur in jahrhundertelanger Weltabgeschiedenheit entfalten kann. Nur Rotweine auf der Grundlage der Nebbiolo-Traube sind für dfie DOC qualifiziert., jedoch in verschiedenen Typen. Der einfache Valtellina , der einen grösseren Teil an anderen Traubensorten aufweisen darf, ist ein robuster Wein für jeden Tag und schmeckt im Alter von 2-3 Jahren am besten. Eine kraftvolle Alternative hierzu ist der Sforzato oder Sfursat, ein voller, milder Wein, der von getrockneten Trauben mit hochkonzentriertem Zucker und Extraktgehalt gewonnen wird. Valtellina Superiore ist die Bezeichnung für einen fast rein von Nebbiolo gekelterteten und mindestens 1 Jahr im Fass ausgebautem Rotwein, der zumeist den Namen eines der vier Unterbereiche trägt. Grumello, nach einer Burg, Inferno nach der heissesten Lage im Tal, Sassella nach der gleichnamigen Kapelle oder Valgella, die längste zusammenhängende Weinbaufläche der Zone. Zwischen diesen Weinen , von denen der Sassella als der feinste gilt, sind durchaus Unterschiede zu bemerken. Sie können aber in guten Jahren wirklich alle vorzüglich sein.

Die meistern Weinberge sind auf steinigem Sand- und Lehmboden angelegt, der manchmal von der Talsohle hinauftransportiert wird., um Terrassen oder Felsspalten aufzufüllen. Erdrutsche kommen hier häufig vor, wie etwa 1987 als sinflutartige Regenfälle viele Weinberge in die Tiefe spülten und das Tal überschwemmten. Die mit der Pflege der Weinberge verbundenen Mühen und Kosten dürften sicherlich mit am Rückgang der Produktion schuldig sein. Die Erzeugung im Veltlin basiert auf Weinkellereien , die oft auch über eigenen Weinbergbesitz verfügen und die darüber hinaus benötigten Trauben bei Winzern einkaufen.


Abnehmende Produktion

Mit abnehmender Produktion geht nun aber auch das in der Vergangenheit erworbene Prestige des Namens Valtellina, dessen Wein vorwiegend in die Schweiz sowie nach Oesterreich, Deutschland und Grossbritannien exportiert wird, allmählich wieder verloren. Vom Barolo oder Barbaresco, beide ebenfalls aus Nebbiolo Trauben gekeltert, unterscheidet sich der Valtellina durch sein helleres Granat-Orange und seine herbere, nicht so vollmundige Art. Daraus auf schwächliche Konstitution schliessen zu wollen wäre falsch, denn mancher Superiore überlebt seine viel berühmteren Verwandten aus dem Piemont. Mit der Zeit mildert und und entfaltet sich das Aroma, im voller werdenen Bukett taucht der Duft von Alpenblumen und -kräutern auf. Oft wird der Valtellina als Einführung in den Nebbiolo empfohlen, doch muss man sich von Verallgemeinerungen hüten. Es gibt keine Weine darunter, die auch nach längerer Fassreife streng und hart bleiben oder dünn werden und verblassen. Vor allem bei Trauben von den unteren Hängen, wo die Erträge manchmal erstaunlich hoch sind. Alle Anzeichen deuten jedoch darauf hin, dass ein qualitätsbewusster Kern von Winzern das Prestige dieser Weinbauzone, die mehr Anerkennung verdient, wieder herzustellen versucht.


Winzer Aldo und Michela Rainoldi aus Chiuro

Für die heutige Degustation konnten wir die Winzer Aldo und Michela Rainoldi aus Chiuro von der gleichnamigen Azienda Agricola für eine Degustation gewinnen. Zusammen mit Martin Riedi führten sie persönlich durch den Abend, diesmal auf Italienisch. Wie immer hatten wir den besten Uebersetzer schon zur Hand, Martin Riedi übernahm diese Aufgabe ein weiteres Mal, dies zur grossen Zufriedenheit aller -39- Teilnehmer. Natürlich hatten wir auch dieses Jahr wieder ganze acht Gänge und dies wie üblich mit Spezialitäten der Gegend, d.h. dem Veltlin, die beiden Weinbauern Aldo und Michela Rainoldi haben wieder einige davon persönlich mitgebracht, was die Weinfreunde ganz hoch schätzen. Sie bringen nicht nur beim Wein ihre grossen Fähigkeiten mit, sie verwöhnen uns eben auch noch mit kulinarischen Leckerbissen.

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    Die stuzzichini (Häppchen) bestanden aus Bresaola (luftgetrockneter Rinderschinken) Salame di cacciagione (Wurst aus Hirsch) und Spianata alla farina die saracena (Fladenbrot mit Tomaten). Dazu servierte man den Weinfreunden einen Brut Rosé Rainoldi von ausgezeichneter Qualität und sehr passend zum Aperitiv.


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    Zu Filetti di pesce persico tiepidi e piccole verdure (Fisch/Barschfilet) gab es sogar einen Weisswein, obwohl dieser im Veltlin sehr rar ist und wenig angebaut wird. Der Ghibellino, ein Sauvignon blanc, schmeckte vorzüglich zu Fisch. Details über die degustierten Weine wieder wie üblich am Ende dieses Berichtes separat.


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    Gnocchetti di Ricotta al tartufo bianco (Klösschen mit weissen Trüffeln) kam als nächster Gang und schon der erste Rotwein, ein Rosso Valtellina 2012 aus der Chiavennasca Traube, besser bekannt als Nebbiolo (Barbaresco; Barolo). Für mich einzigartig, süffig, frisch, fruchtig und noch viel mehr. Sicher jung zu trinken, aber dafür hat er grosse Klasse.


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    Mit Orzotto con porcini, cotechino e bietole (Gerste mit Schweinskochwurst und Mangold), servierte man uns einen Grumello Superiore, einer der grossen Namen im Veltlin, ein Teilgebiet mit dem Namen einer Burg aus dem 12. Jahrhundert.


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    Als Hauptgang erhielten wir einen Hirschrücken, Sauce vom Sfurzat auf einem Kranzkuchen mit Apfel (Schiena di cervo, salsa allo Sforzato, su ciambelle di mela). Der dazu passende Wein, ein Sassella Riserva, 2007, einer der Höhepunkte unseres Abends. Kommt aus der Gegend von Sondrio.


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    Nun kommen wieder die Käsespezialitäten, direkt aus dem Veltlin importiert. Es sind dies Casera e bito giovane con pere (mit Birnen) plus ein Sfurzat di Valtellina 2009. Die Nebbiolotrauben werden nach der Handlese während drei Monaten auf speziellen Lattengestellen , den sogenannten Graticci , eingetrocknet . Der daraus gepresste und gewonnene, konzentrierte Most wird vergoren und danach während fünf Jahren in kleinen und grossen Eichenfässern ausgebaut. Dieser Wein passt sehr gut zu gereiften Käsesorten.


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    Deshalb erhalten wir noch einen Bito Käse Jahrgang 2009 mit der Spezialität des Veltlin, dem Knäckebrot. Als Wein dient eine weitere Spezialität,nämlich der Sfurzat fruttaio, auch Jahrgang 2009. Dieser Wein wird nur in ausserordentlichen Jahren gekeltert und dies aus einer Selektion der allerbesten Nebbiolo Trauben von den steilsten Terrassen des Weinanbaugebietes.
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    Zu Caffé e biscottini erhalten wir nun noch den Grappa della Valtellina, ein Ritual, das die Weinfreunde am Ende eine Degustation sehr hoch schreiben.


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Danke Martin Riedi und dem "La Vinoteca" - Team

Das Dîner enthielt vor allem Spezialitäten des Veltlin. Martin Riedi wird wohl einige der servierten Speisen in die Menukarte des Restaurants Vinoteca in Schönried aufnehmen. Dieser Anlass bot den Weinfreunden wie immer sehr viele kulinarische Höhepunkte. Genauso sind wir es von Martin Riedi und seiner Küche ja gewöhnt. Ein richtiger Abend für Geniesser von guten Weinen und ausgezeichnetem Essen. Fast vergesse ich noch zu erwähnen, dass diese Degustation bereits das zweite Mal im neuen Restaurant von Martin Riedi,"La Vinoteca" in Schönried stattgefunden hat. Hier hatten wir wiederum einen Raum nur für die Weinfreunde ganz allein, mit genügend Platz. Das Essen und die Degustation waren auf Sechser-Tischen verteilt, so dass man ganz eindeutig mehr Kontakt miteinander hatte. Die rustikale, heimelige, aber auch sehr romantische Atmosphäre trug viel zum guten Gelingen des Abends bei. Hiermit möchte ich Herrn und Frau Riedi, dem Winzerehepaar und dem Servicepersonal sowie der Küche für ihren maximalen, herausragenden Service herzlich danken.

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Degustierte Weine


Impressionen I

Impressionen II
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© 2013 ⁄ 2014 Hans Liechti