Weinfreunde Gstaad-Saanenland
Weinfreunde Gstaad-Saanenland




Samstag, 28. Juni 2014, Palace Hotel Gstaad, " Salle Baccarat "

Degustation und Dîner Italien ⁄Umbrien


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Der Weinbau in Umbrien auf kalkreichem Lehm- und Sandboden


Umbrien bedeutet auch viele Berge, Weidewirtschaft, Ackerbau und Landwirtschaft. Hauptstadt ist Perugia an der Grenze zur viel bekannteren Toskana. Dort liegt auch der Trasimenische See, ein sehr beliebtes Ausflugsziel. Das Land liegt im Durchschnitt so bei ca 1000 Meter über Meer. Der Weinbau in Umbrien florierte schon vor den Römern, d.h. zur Zeit der Etrusker. Lange wurde in dieser Gegend aber kein Wein mehr angebaut. Erst seit 1950 ist dies wieder der Fall. Das Gebiet ist der Region Toskana ähnlich. Im Winter gibt es relativ viel Regen, im Sommer gibt es Wind und eine Menge Sonne. Die Rebgebiete bestehen aus kalkreichem Lehm- und Sandboden.

Als Rebsorten gibt es Namen wie Sagrantino, Ciliegiolo, Canaiolo, Montepulciano und vor allem Sangiovese was den Rotwein betrifft. Unter den weissen Sorten befinden sich Grecchetto, Trebbiano und Verdello. Der berühmte Orvieto wird schon seit Jahrhunderten produziert und macht auch über 50 % der Produktion aus.


Cantina Castello Monte Vibiano Vecchio - Familie Fasola Bologna

Wir hatten die Gelegenheit die Weine von Castello Monte Vibiano aus Umbrien zu degustieren. Den Weinfreunden wurde eine grosse Palette von Weinen aus der Region präsentiert. Selten vereinigen sich Tradition und Moderne so harmonisch wie hier im "grünen Herzen Italiens", in der Region Umbrien. Die ältesten Mauern des Castello Monte Vibiano stammen aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. Seine heutige Gestalt erhielt das Kastell im 16. Jahrhundert. Die Cantina Castello Monte Vibiano Vecchio befindet sich in Marsciano, wenige Kilometer von Perugia entfernt. Sie dominiert das darunterliegende Tal von Mercatello. Es ist der Sitz der Familie Fasola Bologna, welcher sich über 500 Hektaren in den Hügeln von Umbrien ausbreitet. Hier werden aber nur auf ca 50 Hektaren die oben genannten Trauben angepflanzt. Das Landgut produziert typische, regionale Weiss- und Rotweine.


Erzeugung von Wärme durch Biomasse

Seit 2003 wird das Anwesen durch eine grüne Philosophie geprägt, d.h. es ist ein sogenannter Oeko-Betrieb beruhend auf Nachhaltigkeit. Das Weingut Castello Monte Viviano Vechio ist die erste italienische Firma mit null Treibhausgas Emission, klimarelevant und wirtschaftsökonomisch. Will heissen: "Erzeugung von Wärme durch Biomasse," -Transporte mit Elektrofahrzeugen sowie die strikte Reglierung von Treibhausgasen!


Grappa MonVi und Olivenöl

Umbrien hat alle Voraussetzungen ein neues Napa Valley (Kalifornien/USA) zu werden. Man produziert hier auch einen ausgezeichneten Grappa "MonVi" sowie ein Olivenöl extravergine (kaltgepresst), welches man hier sogar als das pure Gold bezeichnet. Sämtliche Weine sind von hervorragender Qualität und vorerst noch finanziell erschwinglich. Die Liste und die Beschreibung der degustierten Weine finden sie wie immer am Schluss dieser Berichterstattung.


Premiere im "Salle Baccarat"

Peter Wyss, Küchenchef des Palace Hotels Gstaad, hat für uns ein 7-gängiges Menu zusammengestellt. Die dazu servierten Weine zeigten die einzigartige Palette der Produkte der berühmten Cantina. Frau Maria Camilla Fasola Bologna (Tochter des heutigen Besitzers) und Gian Andrea Dutler, Marketingverantwortlicher für Monte Vibiano, präsentierten uns persönlich die verschiedenen Weine zu den einzelnen Gänge des Menus. Diese waren allesamt von hervorragender Qualität auf überaus hohem Niveau. Die Weinfreunde wurden mit italienischem Charme durch den Abend geführt. Der Kommentar zu den verschiedenen Weinen war für alle verständlich. Der Abend wurde für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis. Martin Riedi vermittelte die Informationen zu den servierten Spezialitäten aus Umbrien.

Der ganze Anlass fand dieses Jahr im Salle Baccarat des Palace Hotels statt. Ein riesiger Saal nur für uns Weinfreunde und mit viel Liebe vorbereiteten grossen runden Tischen. Pro Tisch waren jeweils 6 auserlesene Gedecke mit schöner Dekoration. Somit konnten es sich die Weinfreunde an den 6er Tischen gemütlich machen und in einer kleinen Runde diskutieren. Der Abend fühlte sich an wie an einem königlichen Empfang nicht zuletzt der Weine wegen. Wir wurden mit herrlichen Speisen und auserlesenen Weinen vom Personal wie Könige bedient und verwöhnt. Alle 29 Teilnehmer waren Zufriedenheit und erlebten sehr hochstehende und eindrückliche Stunden.



Das perfekte Dinner

Der Apéro wurde dieses Jahr im wunderschönen "Salle Baccarat" des Palace Hotels Gstaad serviert, da das Wetter sehr unbeständig war.

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    Dazu präsentierte uns die Cantina Castello Monte Vecchio einen Rosato Maryam, Jahrgang 2013, aus Syrah, Montepulciano, Merlot und Cabernet Sauvignon Trauben, dies zusammen mit Capocollo und Lonzino, Spezailitäten aus Umbrien sowie Bruschetta e pomodori ciliegino, olio d'Oliva. (Kopfnackenwurst aus Schweinefleisch, Schweinekeule gesalzen und gereift, geröstetes Brot mit Kirschtomaten, Olivenöl). Diese gelten in Italien einfach so als Vor- Vorspeisen, so zum Apéro. Diese sogenannten Antipasti (Wurstwaren) waren so lecker, dass man sich schon zu Beginn zurückhalten musste.


    Auf dem Tisch fand jeder Teilnehmer sein eigenes Flakon - nein nicht mit Parfum - sondern mit dem goldenen Elixier Olivenöl. In Italien wird das Olivenöl auf einen Teller gegeben und anschliessend mit dem dargereichten Brot aufgesogen und so gegessen. Dies soll den Appetit fördern.

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    Das Essen begann mit Galletta di patate con filetto di persico e gamberi di fiume. (Barsch und Flusskrebs). Das wahnwitzige dabei war nicht nur der Krebs sondern ganz einfach ein kleines Stückchen Zitrone, welches dem Gericht einen geradezu übersinnlichen Geschmack bescherte. Der dazu gereichte Weisswein "Maria Camilla", 2013, eine Cuvée aus Trebbiano, Grechchetto und Sauvignon blanc ist der einzige Weisswein des Castello Monte Viviano Vecchio.


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    Der nächste Gang bestand aus Strozzapreti di kamut bio con fave, ceci e cicorino tardivo. (handgemachte Nudeln, auch "Priesterwürger" genannt, mit Kamut, einer Hartweizenart, welche ursprünglich aus Aegypten stammt und heute vor allem Bio angebaut wird, mit Bohnen, Kichererbsen und spät reifender Endivie) alles so richtig "al dente" wie man die italienischen Teigwaren liebt, einfach phantastisch. Der richtige Wein dazu : ein Villa Rosso Vibiano, aus Sangiovese Trauben, Jahrgang 2012.


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    Anschliessend servierte uns der Meisterkoch, Peter Wyss, Cuori di sedano gratinate con salsiccia tipica (Herzen vom Sellerie überbacken, mit einer typischen Wurst aus Umbrien und einer leichten Sauce aus Quark und Mayonnaise, welche die Herzen höher schlagen liess). Serviert mit einem Rotwein, dem sogenannte MonVi, ein Colli Perugini Rosso aus den Traubensorten Sangiovese, Cabernet Sauvignon und Merlot.


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    Der Hauptgang bestand aus Suprema di piccione arrosto e coscia ciliegie in agrodolce riduzione di Monte Vibiano rosso con scalogno patate novelle alla griglia e fiori di zucca e purea di carciofi (gebratene Taube in einer süss/sauren Sauce aus Monte Vibiano Rosso mit Schalotten, neuen Kartoffeln, Kürbisblumen und Purée aus Artischocken). Die Weinfreunde wurden von der sehr interessanten Geschmackskombination überrascht, es war ein kulinarischer Höhepunkt. Der beste Wein des Abends, ein Castello Monte Vibiano, L'Andrea, Jahrgang 2007, eine Cuvée aus Sangiovese, Syrah, Cabernet Sauvignon und anderer roter Traubensorten war angebracht. (Eigentlich nennt sich die Traubensorte Sagrantino, von Gesetzes aus noch nicht erlaubt, diesen Wein zu bezeichnen).


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    Käse aus der Region durfte dann natürlich auch nicht fehlen, zusammen mit einem Rotwein L'Andrea, aber vom Jahrgang 2008
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    Wir konnten den Unterschied zwischen den beiden komplett verschiedenen Weinen genau feststellen. Beides sind nicht absolute Spitzenjahrgänge. Jahrgang 2007 ist meiner Meinung nach der ideale Wein zu einer Taube, deren Fleisch dunkelrot ist und nach Wild schmeckt. Der Wein ist jetzt trinkfertig. Er hat unter anderem einen sogenannten Marmelade/Konfitürengeschmack" (süss), welcher sich nun mit dem Geschmack des Fleisches (sauer) vermählt und deshalb zum grandiosen Erlebnis wird. Ein Genuss für Feinschmecker. Der zum Käse servierte Wein, sprich "L'Andrea", aber vom Jahrgang 2008 schmeckte vorzüglich.


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    Als Dessert durften wir eine Rocciata Tipica Umbria geniessen. (eine Art Strudel, eine dünne Teigrolle aus Weizenmehl, gemischt mit Nüssen, Zucker, Olivenöel, Aepfel, Feigen, Sultaninen, Schalen der Limone), serviert mit dem Grappa MonVi'. Der beliebte Klassiker, mit typischem Zimt veredelt, wurde zu einem echten Genuss-Highlight.


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    Zum Kaffee erhielten wir ganz am Schluss des Abends noch die berühmten Baci di Perugia (Küsse aus Perugia, Zartbitterschokolade und gehackte Haselnüsse) Hierbei möchte ich noch den servierten Grappa erwähnen, transparente Farbe, ausgeprägte typische Tresternote und leicht würzig.



Dank an alle

Ganz zum Schluss möchte ich "Danke schön" sagen für das persönliche Erscheinen von Maria Camilla Fasola Bologna und Gian-Andrea Dutler, dem Küchenteam des Palace Hotels unter der Leitung von Peter Wyss. Dieser liess es sich nicht nehmen, noch kurz vorbeizuschauen. Die erlesenenen Zutaten, die fein abgestimmte Rezeptur und die schonende Zubereitung überzeugten. Der Applaus war ihm sicher. Merci aber auch Martin Riedi, unserem Vizepräsidenten, welcher im Hintergrund die Organisation leitete. Dass der Anlass im Salle Baccarat stattfand wurde allgemein begrüsst, die Ambiance war einmalig und passte zu diesem Abend. Wenn alles klappt, werden wir auch im nächsten Jahr hier wiederum eine Degustation mit Dîner durchführen.




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Degustierte Weine im Detail


Bilder des Abends I

Bilder des Abends II




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© 2014 Hans Liechti