Weinfreunde Gstaad-Saanenland
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Samstag, 27. Juni 2015, Palace Hotel Gstaad, " Salle Baccarat "

Degustation Weine aus den Colli Pisani, Caterina Gargani, Pieve de'Pitti, Terricciola


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Toskana, Colli Pisani ,Wein, Grappa und Olivenöl


Die Toskana erstreckt sich von den Bergen zum Meer über ein sehr abwechslungsreiches Hügelgebiet. Trotz der vielen Unterschiede im Kleinen ergibt das ganze einfach Harmonie. Die Apenninen mit über 2000 m Höhe erstrecken sich von Ligurien bis zu den Marken und entlang den Grenzen zu Umbrien und Latium. Das Weinbaugebiet befindet sich jedoch um Florenz und Siena. Es herscht eine sogenannte Mischkultur, d.h. Oliven und Reben schön nebeneinander. Die grossen Rebflächen im Chianti Classico, Montalcino, Montepulciano werden jedoch überragt von den Wäldern rundherum. In den in der Mitte gelegenen Hügeln gibt es sehr günstige Bedingungen für den Anbau von Reben. Dort ist es etwas kühler als an den Küstenstreifen. Auf der Insel Elba und an der tyrrhenischen Küste ist der Weinbau nicht vorherrschend. Die bekannten Gebiete sind : Florenz, Chianti Classico (nur ein sehr kleiner Teil), Colli Senesi, San Gimignano, Montalcino, Montepulciano, Lucca, Bolgheri, Elba, Maremma und eben die Colline Pisani wie sie offiziell genannt werden.


Catarina Gargani, die Winzerin

Die Berge rund um Pisa gelten als eine der wärmsten Zonen des Chianti. Die Weine sind leicht, auf lehmigem Sandboden gewachsen, duftig und mittelschwer. Die Jahrgänge sind fast alle gleich, dank des milden maritimen Klimas. Dies ergibt runde, fruchtige und sehr gefällige Tischweine oder einen leichten sofort trinkbaren Chianti. Die Azienda Pieve de'Pitti liegt mittendrin im erwähnten Anbaugebiet d.h. in Terricciola, zwischen Pontedera und Volterra. Die Villa stammt aus dem 18. Jahrhundert, wurde kürzlich renoviert und ist heute ein gut gehender Betrieb des Agrar Tourismus. Ein typisches toskanisches Landhaus mit sehr viel Charme und Aussicht auf die wunderbare Landschaft und vor allem auf die Rebberge. Der Vater hat die Reben noch als Traubengut verkauft, während die Tochter, Caterina Gargani seit einigen Jahren die Weine selbst zubereitet und auch verkauft. Sie ist Oenologin und setzt vor allem auf den Ausbau des Weines in der Flasche und im Stahl/Betontank. Sie verwendet nur Holz, wo es wirklich notwendig ist, z.B. beim Vin Santo. Ihre Meinung ist, dass die Trauben bereits genügend eigenen Holz- respektive Tanningehalt besitzen und diese dann auch fruchtiger, frischer und bekömmlicher wirken. Die Azienda produziert heute folgende Weine : Vermentino, Trebbiano (weiss), Syrah und Chianti Superiore aus Sangiovese, Canaiolo und Malvasia Nera, Dazu macht Frau Gargani noch einen Grappa sowie ein wenig Olivenöl. Die Weine von Pieve de'Pitti laufen unter der Bezeichnung IGT, Indicazione Geografica Tipica. Seit 2011 besitzt die Region die DOCG, was heisst Denominazione di Origine Controllata e Garantita. Der Chianti Superiore Cerretello läuft unter dieser Bezeichnung. Der Name stammt von einem der ältesten Weingärten der Familie Gargani.


Fleissige Bienen und Pinocchio auf einer Vespa

Einige Geschichten und Anekdoten aus dem Weingut Pieve de'Pitti:
Die Weinflaschen haben verschiedene Etiketten. Zwei davon ragen speziell hervor. Der Tribiano Toscano Bianco IGT aus 100 % Trebbiano Trauben aus Spätlese, zeigt eine Biene. Grund für diese Zeichnung ist, dass früher auf dem Feld dieser Traubensorte einfach viele Bienenhäuser aufgestellt waren und auf dem Gut Honig produziert wurde. Ein Künstler, Freund des Hauses, wurde beauftragt und das Ergebnis lässt sich sehen.

Ein anderer Erschaffer und ebenfalls sehr eng mit der Familie verbunden, wurde eifersüchtig, so dass man ihm also auch einen Auftrag erteilen musste. Dieser Mann durfte die Etikette des Rotweines Scopaiolo Toscano Rosso IGT aus fast 100 % Syrah Trauben, einer Rarität, entwerfen. Was daraus entstand hat einen starken Hintergrund. Der Vater von Caterina Gargani, Sergio, ist ein Pinocchio Fan und besitzt eine grosse Sammlung in der Villa, d.h. sehr viele, verschiedene Varianten seines Lieblings. Die Biene durfte aber nicht fehlen, aus alter Tradition. Da in Pontedera, also in der näheren Umgebung das Werk von Piaggio steht, wurde deshalb auch noch eine Vespa ins Bild integriert. Aber dem nicht genug. Das Gut verarbeitete früher eine Art Hanf zu richtigen Besen, als Grossproduktion. Auch diese uralte Tradition wurde nun auf der Zeichnung noch verewigt. Der Name des Weinberges heisst übersetzt Heckenbraunelle, von einem unauffälligen, graubraunen Singvogel, der erinnert an den uns bekannten Haussperling.


Ein kurzes Dankeschön an alle Beteiligten Personen

Bevor wir überhaupt zur Beschreibung eines herrlichen Abends schreiten, möchten wir hiermit den Dank aller anwesenden Weinfreunde an die vielen guten Geister aus dem Palace aussprechen. Speziell erwähnen möchte ich Gildo Bocchini, Andrea Maffei, Martin Riedi, welche die Winzerin organisiert haben. Dann natürlich unsere Leiterin der Degustation, Caterina Gargani, welche mit Ihrem Deutsch und der Fachkompetenz auftrumpfte und nicht zuletzt der Küchenequipe unter ihrem Chef Peter Wyss, welche sich wieder an einer fast unlösbaren Aufgabe (Spezialitäten aus der Toskana und Palace Küche ideal abgestimmt) unser Lob verdient haben. Wir haben den ganzen Abend genossen und freuen uns bereits auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr.


Dînieren wie die Könige im Salle Bacccarat des Palace Hotels in Gstaad

Insgesamt 35 Teilnehmer erschienen zu unserem Anlass. Der heutige Abend fand wieder im Salle Baccarat statt. Das Thema : Weine aus der Toskana. Colli Pisani. Es ist uns gelungen die Oenologin vom Weingut Pieve de'Pitti aus Terricciola in der Nähe von Pisa zu gewinnen. Gildo Bocchini, Andrea Maffei und Martin Riedi haben Frau Gargani an der Weinmesse in Verona besucht. Zu unserer grossen Ueberraschung sprach sie Deutsch und zwar perfekt.

Das Wetter war sommerlich, so dass der Apéritif auf der Terrasse des Palace Hotel eingenommen werden konnte. Dazu zeigte uns Caterina Gargani einen Weisswein, Aprilante, 100 % Vermentino, eine einheimische Traubensorte. Er passte ausgezeichnet zu den servierten Spezialitäten wie Rohschinken und Salami aus der Region.

Anschliessend fanden wir uns im Salle Baccarat wieder, welcher beeindruckt. Er hat einfach etwas Königliches und Ehrwürdiges an sich, ist aber auch rustikal und romantisch.



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Zum ersten Gang, (immer Spezialitäten aus der Provinz Pisa), erhielten wir Rotbarbe nach Livorneser Art mit Bohnen und Basilikum. Der Wein, Tribiana, ein Trebbiano. weiss, Spätlese, 2012.


Nachher eine typische Suppe, vergleichbar mit einer fetten Minestrone, welche vom Küchenchef, Peter Wyss, palacegemäss verbessert wurde und dann im Mixer mit Rahm püriert. Dazu ein Scopaiolo, Syrah Toskana, als richtige Spezialität, der eindrücklichste Wein. Detailbeschreibung der Weine am Ende dieses Berichtes.


Nächster Gang : Raviolo mit geschmortem Hackfleisch. Darüber Kutteln, fein gehackt mit geschmackvoller Tomatensauce. Auf diese Art zubereitet sind sie ein Gaumenschmaus. Gratulation der Küche für den Mut so etwas zu kochen. Zu den Weinen werden auch die entsprechenden Spezialitäten aus Pisa, respektive der Toskana, vorgestellt. Der passende Wein, Cerretello, der Chianti Superiore, DOCG, 2011.


Nun als Hauptgang, kein "gutes Stück Fleisch", nein ein gebratenes Perlhuhn, mit Morcheln, gefüllt mit frischen Kartoffeln und Gemüse vom Markt, mit einer Sauce aus kandierten Schalotten. Der dazu präsentierte Wein, Moro di Pava, Sangiovese, 2007, in der Magnumflasche.


Die typischen Käsesorten fehlen auch heute nicht. Als Wein nochmals ein Moro di Pava, 2008. Der Unterschied zwischen beiden Jahrgängen ist auffallend. 2007 wurde im Holzfass gereift. 2008 "nur" in der Flasche. Die Differenz zwischen den beiden Ausbauarten : Holz = viel Tannin, Vanille und konfitürenartige Dichte, würzig. Flasche = fruchtig, frisch, leicht, sofort trinkbar.


Zum Dessert Halbgefrorenes aus Limoncello Martino mit Erdbeeren und Amarettti. Der Wein ein Vinsanto del Chianti, DOC, 2007. Recht süss, aber sehr bekömmlich, passend.


Als Abschluss noch ein Grappa di Chianti, mit Kaffee und Gebäck, umwerfend und wirklich gut für die Verdauung.


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Degustierte Weine im Detail

Bilder des Abends




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© 2015 Hans Liechti